LP21 Extra: Sommer 2017

LP21-Ex-14-15 web-GESAMT-1_Page_01Die deutsche Linke gilt als kulturlos. Wofür es gute Gründe gibt. Der Liedermacher Franz-Josef Degenhardt hat die Ursache benannt, ja besungen: „Wo sind unsere Lieder, unsere alten Lieder? […] Tot sind uns‘re Lieder, uns‘re alten Lieder. / Lehrer haben sie zerbissen / Kurzbehoste sie verklampft / braune Horden totgeschrien / Stiefel in den Dreck gestampft.“

Immer wieder, wenn wir in Italien, in Frankreich, in Spanien, in Portugal oder in Griechenland große antikapitalistische Bewegungen oder auch kleinere Kundgebungen erleben, dann spielt dort so gut wie immer Kultur, echte volkstümliche Kultur, eine große Rolle: Songs, Rockmusik, Trommeln, Feste, Gemälde, Wandmalerei usw. Da singen dann auch wir gerne mit: „O bella chiao“…

Doch in Deutschland ist eine gelungene Verbindung von linker Politik mit Kultur höchst selten. Dort, wo eine solche Verbindung zustande kam (im Kampf gegen das AKW in Wyhl – Walter Mossmann!) und auch heute noch zustande kommt (im Kampf gegen Stuttgart21! – unter anderem mit Bernd Köhler und ewo2; siehe Seite 70 in diesem Heft!), trug und trägt diese Kombination erheblich zur Stärkung der Bewegung und dazu bei, dass die Linke ihr traditionelles Ghetto durchbrechen.

Das neue Lunapark21-Extraheft versucht nun exakt dies: Kunst und linke Politik miteinander zu verbinden. Damit betreten wir zumindest als Lunapark21-Redaktion Neuland. Was jedoch weitgehend allgemein für die Linke im deutschsprachigen Raum gelten dürfte. Wobei wir dann gewissermaßen mit „Bordmitteln“ arbeiten: Präsentiert wird die Kunst von Joachim Römer, demjenigen, der nunmehr seit Gründung unserer Zeitschrift im Februar 2008 alle 38 Lunapark21-Ausgaben und zusätzlich ein gutes Dutzend Lunapark21-Extrahefte gestaltet hat.

Ich arbeite mit Joachim seit ziemlich genau 31 Jahren zusammen und konnte dabei verfolgen, wie sich seine gestalterischen Fähigkeiten im Rahmen höchst unterschiedlicher gemeinsamer Projekte (z.B. der Antikriegszeitung desert! 1991; der Zeitung gegen den Krieg – ZgK seit 1999, der Publikationen Faktencheck:HELLAS 2015 und FaktenCheck:EUROPA seit 2015) entwickelten.

Ganz wunderbar ist die jüngere Entwicklung – Joachims Kunst, die immer im Zusammenhang mit unserem gemeinsamen Engagement gegen Krieg und Zerstörung und für Frieden und Solidarität stand, wird zunehmend von Institutionen des Kulturbetriebs entdeckt und gewürdigt.

Zu den Kunstthemen in diesem Heft eine Bemerkung hinsichtlich ihrer Aktualität: Eine Mehrheit der deutschen Bevölkerung hält die Verschmutzung der Meere für das wichtigste Umweltthema. Erst an zweiter Stelle rangieren die Belastungen, die mit dem Straßenverkehr verbunden sind. Dies war zumindest 2016 das Ergebnis einer Umfrage – also aus der Zeit bevor das verschwörerisch-zerstörerische Wirken der Autobosse zum ganz großen Thema wurde.

Was aber, wenn beide Themen eng miteinander zusammenhängen? Spiegel.online berichtete am 22. Februar 2017 über eine Untersuchung der Weltnaturschutzunion (IUCN) zu den „Quellen des Mülls, der die Meere belastet“ und kam dabei zu folgendem Ergebnis: „Demnach verschmutzen zu einem großen Teil Plastik aus synthetischer Kleidung und Autoreifen die Ozeane. […] Die winzigen Teilchen, auch Mikroplastik genannt, sind weniger als fünf Millimeter groß und reiben sich beim Waschen oder Autofahren permanent ab. Irgendwann landen sie über Abwasser, Wind oder Regenwasser im Meer.“

Winfried Wolf
Chefredakteur Lunapark21

Probelesen: Rheinreisende | Bild-Text-Montage vor laufenden Kunstproduktionen

Stirbt die „Neue Frauenbewegung“ mit ihren Protagonistinnen – Zum Tod von Kate Millet

Die „neue“ westdeutsche Frauenbewegung wird im nächsten Jahr 50 Jahre alt. Sie hat einiges erreicht, was – wenn wir nicht aufpassen – wieder zurückgedreht werden wird. Und das, obwohl die „volle Gleichberechtigung“ zwischen den Geschlechtern noch lange nicht verwirklicht ist. Noch immer lamentieren Frauen darüber, dass zu wenig Frauen in technischen Berufen lernen und arbeiten, dass Frauen in Führungspositionen seltener sind als Männer, Männer nicht die Verantwortung für die Haus und Sorgearbeiten übernehmen, Frauen weniger Lohn und dafür die „Vereinbarkeitsproblematik“ bekommen, und dann behindert in der Weiterbildung und in der beruflichen Karriereplanung sind.

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Arbeitskampf und Unabhängigkeit

Am 1. Oktober soll das Referendum über die Unabhängigkeit in Katalonien stattfinden.

Die Meinungsverschiedenheiten zwischen der Zentralregierung Spaniens in Madrid und der Landesregierung Kataloniens in Barcelona (generalitat) scheinen einem neuen Höhepunkt zuzustreben.

Dort, wo es jedoch um ernsthafte Interessen des Funktionierens der kapitalistischen Ökonomie geht, ist von solchen Meinungsverschiedenheiten keine Spur. 

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Dieselgate und Autogesellschaft

 

Die öffentliche Debatte zu Dieselgate wird extrem verkürzt geführt. Da geht es um Diesel-Pkw. Um VW. Und um die USA. In Wirklichkeit steht eine umfassende Debatte über die Autogesellschaft – über eine Mobilität von Personen und über einen Transport von Gütern, die in erster Linie mit Pkw und Lkw absolviert werden – auf der Tagesordnung. Und damit die Entwicklung einer alternativen Verkehrs- und Transportorganisation. Winfried Wolf, Chefredakteur von Lunapark21, schrieb Ende der 1980er Jahre ein Buch mit dem Titel „Sackgasse Autogesellschaft“. Vor dem Hintergrund von Dieselgate und anlässlich dieser 28 Jahre zurückliegenden Publikation führte die „Sozialistische Zeitung –SoZ“  mit ihm ein Interview, das wir hier ungekürzt wiedergeben.

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Ist die Digitalisierung der Arbeitswelt für Frauen eine Chance?

In gewerkschaftlichen Kreisen, vornehmlich in den Frauenstrukturen der Gewerkschaftsorganisationen wird derzeit viel über die Digitalisierung der Arbeitswelt kontrovers diskutiert. Die zentrale Frage: Kann eine digitalisierte Arbeitswelt den beschäftigten Frauen der gleichberechtigten Berufs- und Erwerbstätigkeit zum Durchbruch verhelfen – was übrigens seit vielen Jahrzehnten immer wieder reklamiert wird; oder bringt sie letztlich eine weitere Verschärfung der Geschlechterdifferenz?

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Vom Sozialismus des 21. Jahrhunderts ins Chaos

Seit Februar 1999 baut die PSUV (Sozialistische Partei Venezuelas) unter Hugo Chavez und jetzt Nicolás Maduro in Venezuela die Gesellschaft um.

Zuletzt, bei den Parlamentswahlen 2015, haben ihnen die WählerInnen jedoch die Gefolgschaft verweigert und mit mehr oder weniger 2/3 der Sitzen der Opposition eine komfortable Mehrheit im Parlament verschafft. Die PSUV und Maduro zogen hieraus die Konsequenz das Parlament einfach zu ignorieren und mit Präsidial-Dekreten weiter zu regieren.

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Fahrverbot für Diesel-Pkw in Städten? Noch lange nicht durchgesetzt!

Ausgesprochen mutig und begrüßenswert ist, dass das Verwaltungsgericht Stuttgart am 28. Juli der Klage der Deutschen Umwelthilfe (DUH) stattgab und nun verlangt, dass es bereits ab Januar 2018 Fahrverbote für Diesel-Pkw in der baden-württembergischen Landeshauptstadt geben müsse. Erstaunlich und positiv zu werten ist auch, dass sich noch vor dieser Urteilsverkündung eine große Mehrheit der Bevölkerung der Stadt Stuttgart für Fahrverbote für Diesel-Pkw aussprach. Dennoch gibt es wenig Anlass für Optimismus bei diesem Thema.

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Make capitalism history – Kapitalismus ab in die Tonne!

Der G20-Gipfel in Hamburg löst keine Probleme. Die G20 sind Teil des Problems

 

Die Kanzlerin gibt sich in Hamburg als coole Gastgeberin. Sie verkündet heiter, dass die 50-Millionen-Euro-Show der G20 in Hamburg am kommenden Wochenende, dem 7. und 8. Juli, zwar möglicherweise kein Ergebnis haben würde. Dies sei aber auch schon ein passables Ergebnis, denn: „Auch das Halten des Erreichten ist manchmal schon ein Erfolg.“ Im Übrigen, so behauptet Angela Merkel, werde es in Hamburg keineswegs um Wachstum pur, sondern um „nachhaltiges, inklusives Wachstum“ gehen. Schließlich sei „nichts perfekt an der Globalisierung“. Und in Sachen Klimaschutz werde sie mit Donald Trum „Klartext“ reden. Das ist offenkundig die Show vor der Show. Und die Polizei in Hamburg beweist mit ihrem brachialen Vorgehen, dass gerade eines nicht erwünscht ist: der massenhafte Protest gegen die Zerstörung des Planeten durch Klimagase und Kriege, für die gerade auch die G20 verantwortlich sind.

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Heft 38: Prima Profitklima

LP21_Heft38: Prima Profitklima (Sommer 2017)Lunart Plakat zum UN-Klima-Gipfel, Paris 2016 quartalslüge II/MMXVII „Wir retten das Klima“ kolumne winfried wolf Die kommende Krise welt & wirtschaft Winfried Wolf Schiefe Ebene – zwischen Frankreich und Deutschland Bernard Schmid Macron: Abbau von Demokratie & sozialen Rechten Christian Bunke Großbritannien: Ein kaum erwarteter Erfolg für die Linke Jürgen Wagner EU-Militarisierung : „Visionen“, die Albträume sind Hannes Hofbauer Streifzug durch Armenien lexikon Georg Fülberth Schutzzoll & Freihandel Thomas Fruth Blick von Mexiko nach Norden: TLCAN – für Mexiko ein Desaster Klaus Hess EU-Freihandelspolitik im globalen Süden märchen des neoliberalismus Kai Eicker-Wolf & Patrick Schreiner „Wir müssen die Globalisierung gestalten!“ soziales & gegenwehr Daniel Behruzi Wirtschaftsunternehmen Krankenhäuser: Geld statt Gesundheit Armin Kammrad Kampagne: Gleichbehandlung von Leiharbeit & Stammbelegschaften feminismus & ökonomie Therese Wüthrich & Yvonne Zimmermann Nein gegen Goldmine in Cajamarca, Kolumbien Stephanie Odenwald Feminismus & Arbeit: Die zwei Gesichter der Arbeit spezial >> klima. kapital. Katastrophen Urs-Bonifaz Kohler It´s the capital stupid! Wolfgang Pomrehn Dampfwalze Trump: Komplikationen beim Klima-Abkommen-Ausstieg US-Klimaleugner: mächtig & finanzstark Klaus Meier Trump sagt zum Klimavertrag das, was das Kapital macht Carl Waßmuth Autobahnen: Privatisierung der Daseinsvorsorge als Coup Winfried Wolf Debatte zur Schieneninfrastruktur Leitantrag der GDL zur Schieneninfrastruktur: „Stärkung des Eisenbahnsystems“ Peter Westenberger Trassenpreisanstieg gefährdet Schienenverkehr Bernhard Knierim Imperiale Lebensweise kultur Klaus Gietinger Über den Filmregisseur Wolfgang Staudte: Mörder unter und in uns ort & zeit Fritz Hoffmann Paulínia, Brasilien: „Pflanzenschutz“ = Menschenleben vernutzt der subjektive faktor Christian Walter Containern ist kein Verbrechen! geschichte & ökonomie Thomas Kuczynski Oktoberrevolution: Eine Revolution gegen das „Kapital“? seziertisch Georg Fülberth Zwei Etikettenschwindel

Probelesen: Thomas Fruth: TLCAN – für Mexiko ein Desaster. Blick von Mexiko nach Norden