Mehr Chefinnen in Unternehmen?

Brauchen wir Quotenfrauen in der Wirtschaft?

„Der Kulturwandel hat begonnen. Das Gesetz wird nicht nur für Frauen in Führungsgremien wirken. Es wird für alle Frauen wirken, die in den Unternehmen und im öffentlichen Dienst arbeiten“, so die damalige Bundeministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Manuela Schwesig, nachdem der Bundestag am 6. März 2015 das Gesetz über die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen in Führungspositionen in der Privatwirtschaft und im öffentlichen Dienst (FüPoG) beschlossen hatte. Sie war stolz darauf, dass die Auseinandersetzung im Bundestag gezeigt habe, „dass wir für Frauenrechte kämpfen müssen. Veränderung kommt nicht von allein.“ Und der damalige Bundesminister für Justiz und Verbraucherschutz, Heiko Maas, der das Gesetz mit vorgelegt hatte, wollte gar in die Geschichte eingehen, wie die Kämpferinnen für das Frauenwahlrecht beinahe 100 Jahre zuvor, wenn er kommentierte: „Die Frauenquote ist der größte Beitrag zur Gle ichberechtigung seit Einführung des Frauenwahlrechts. Nach der politischen Macht bekommen Frauen endlich einen fairen Anteil an der wirtschaftlichen Macht.“

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Wirft die Corona-Pandemie Frauen zurück?

Frauen als „Land of the Last Resort“

Die Arbeitswelt wurde kaum je so in den Strudel gezogen, wie wir das seit dem weltweiten Ausbruch der Corona-Pandemie im Frühling 2020 mitverfolgen können. Darüber hinaus wurden vor allem Lücken und Schwächen unserer gesellschaftlichen, sozialen und wirtschaftlichen Systeme sichtbar. Mit anderen Worten: Es handelt sich nicht einfach um eine Krise, die die Produktion oder die Finanzwelt beeinträchtigt. Wir sehen uns vor allem mit einer strukturellen Krise, die insbesondere Frauen in all ihren Lebensbereichen stark trifft, konfrontiert.

Die letzten Monate haben uns deutlich vor Augen geführt, was es alles braucht, damit Menschen der Produktion und dem Erwerbsarbeitsmarkt zur Verfügung stehen können. Nun haben Frauen das immer schon gewusst und die feministische Ökonomie ist sich dessen auch seit längerem bewusst. In den von der Pandemie gezeichneten Monaten wurde deutlich, dass Frauen in all ihren Lebensbereichen nachdrücklich getroffen wurden. Sei es als Frauen in ihrer Erwerbstätigkeit, wo sich einiges zu ihren Ungunsten verändert hat. Oder sei es im Bereich der Versorgungsarbeit in der Familie und im eigenen Haushalt.

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Die Pariser Kommune und die Frauen

quartalsbericht 01/2021 150 jahre pariser kommune

Vor 150 Jahren wehrte sich die Nationalgarde von Paris gegen ihre Entwaffnung, und die Kommune von Paris begann vom 18. März bis zu ihrer Niederschlagung am 28. Mai 1871, die Stadt in einer neuen Form zu verwalten. Der erste Quartalsbericht beschäftigt sich mit der Rolle der Frauen in der Pariser Kommune.

Die Straße der Pariser Kommune in Berlin Friedrichshain erinnert seit 1971 an den revolutionären Aufstand der Pariser ArbeiterInnen vom März bis Mai 1871. Karl Marx lobte die Kommune als ruhmvollen Vorboten einer neuen Gesellschaft und Friedrich Engels verwies darauf, dass zum ersten Mal in der Geschichte die Arbeiterklasse in einer großen Hauptstadt die politische Macht ergriff. Was war geschehen?

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Warum erst 1971?

50 Jahre Frauenstimmrecht und Wahlrecht in der Schweiz

Mit vielen Diskussionsveranstaltungen, Ausstellungen, Publikationen und viel Wohlwollen in den Medien wird dieses Jahr in der Schweiz der 50. Jahrestag seit der Einführung des Frauenstimm- und

Wahlrechts begangen. Am 7. Fe-bruar 1971 stimmten die Schweizer Männer der Einführung des Frauenstimm- und Wahlrechts mit einer Zweidrittelsmehrheit zu. Bis zu diesem Datum war es ein langer hartnäckiger Kampf von mehreren Frauengenerationen für ein Menschenrecht, das bereits während der Französischen Revolution proklamiert wurde, unter anderem von Olympe de Gouges. Jedoch wurde mit der Einführung des „code civil“ zu Beginn des 19. Jahrhunderts, der überall in Europa als „Meisterleistung liberaler Gesetzgebung“ gepriesen wurde, die Unmündigkeit der Frauen zementiert. Umso mehr gilt es, der vielen Generationen unermüdlicher Frauenrechtskämpferinnen respektvoll zu gedenken.

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150 Jahre § 218 im Strafgesetzbuch

Der Paragraf 218 steht seit 1871 im Strafgesetzbuch für das Deutsche Reich. Wirft man einen Blick in die Geschichte, so wird deutlich, wie wenig es bei dem „Abtreibungsparagrafen“ um „Lebensschutz“ und Menschenwürde geht. Es geht um die Kontrolle weiblicher Reproduktionsfähigkeit und um die Durchsetzung von Macht- und Herrschaftsansprüchen. Für einen Schwangerschaftsabbruch sah das Gesetz eine Zuchthausstrafe von bis zu fünf Jahren vor. Eine dem heutigen Paragrafen 219a StGB vergleichbares Werbe- oder Informationsverbot existierte damals nicht. Mit dem Slogan „Dein Bauch gehört Dir“ stritten Frauen bereits seit der Jahrhundertwende gegen den „Unrechtsparagrafen“ und für die Freigabe des Abbruchs. Sie wussten, dass restriktive Gesetze Schwangerschaftsabbrüche nicht verhindern, sondern nur erschweren und zum Klassenproblem machen. Vermögende ungewollt Schwangere fanden immer einen Arzt, der den Abbruch medizinisch sicher vornahm, w ährend arme Frauen gezwungen sind, illegal und unter prekären Umständen abzutreiben.

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Birgit Kelles Normalität

Die Neusprechvokabel

Gender-Gaga als Bestandteil der neurechten Diskursstrategie gegen den Feminismus

Birgit Kelle ist eine rechtskatholische Medienunternehmerin und mit ihren Büchern „Dann mach doch die Bluse zu“, „Gender-Gaga“, „Muttertier“ oder dem gerade erschienenen „Noch normal? Das lässt sich gendern!“ die inzwischen vielleicht bekannteste Antifeministin in Deutschland. „Antifeministin“? Die politische Aktivistin Birgit Kelle stellt sich gerne als moderne Feministin dar. In Zeitungen vom Focus bis zur taz wurde ihr Buch „Dann mach doch die Bluse zu“ als unterhaltsam und provozierend bzw. als „belebend“ bezeichnet.

Der Antifeminismus tritt heute anders auf als in den 1950er Jahren. Natürlich gibt es auch heute noch die mit Herrenwitz oder auch deutlich hasserfüllter Frauenfeindlichkeit einhergehende Ablehnung von Frauenrechten. Es gibt noch die belehrend und mit Bibelzitaten unterfütterte Ermahnung, mühsam hervorgebracht vom adeligen Podcaster, die Frau habe sich dem Manne unterzuordnen. Oder die Beiträge in Männerforen wie „Wieviel Gleichberechtigung verträgt der Mann“ die einander an Frauenfeindlichkeit zu überbieten trachten. Und mit dem Erstarken neofaschistischer Strömungen fühlen sich auch bestimmte Männer wieder ermächtigt.

Birgit Kelle hingegen wirkt allein schon vom Auftreten anders, sie vereinbart Familie und Beruf, in ihren Büchern findet sich rebellisch-jugendlicher Wortwitz und es liegt nicht nur am fehlenden „von“ in ihrem Namen, dass sie weniger adelig-miefig wirkt als ihre antifeministischen Kolleginnen Beatrix von Storch von der AfD oder Hedwig von Beverfoerde von der Organisation „Demo für alle“.

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Fair + nachhaltig + geschlechtergerecht

„Frauen ernähren die Welt, aber Männer erhalten den Ernährerlohn“

Im Frühling 2020 hat uns die weltweite Corona-Pandemie auch in unseren Breitengraden erreicht. Sie löste eine Krise aus, deren Ausmaß sich derzeit immer noch nicht abschätzen lässt. Aber sie beförderte vor allem die Schwächen unserer gesellschaftlichen, sozialen und wirtschaftlichen Systeme zu Tage. Während des Lockdown war auf einmal von systemrelevanten Berufen die Rede, was bis dahin kaum entsprechende Anerkennung fand und kaum im Fokus stand. Es handelt sich um Branchen der personenbezogenen und haushaltsnahen Dienstleistungen, der Sorge- und Versorgungswirtschaft; Tätigkeiten, auf die nicht verzichtet werden kann. Es sind Bereiche, in denen vor allem Frauen arbeiten, in der Regel schlecht bezahlt, mit schlechten Arbeitsbedingungen ausgestattet und kaum wertgeschätzt. Zugleich sind es Tätigkeitsbereiche, die Frauen in Corona-Zeiten in besonderem Maß dem Infektionsrisiko aussetzen.

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Corona-BGE

Das Bedingungslose Grundeinkommen als Krönung des Neoliberalismus?

Viele Vertreterinnen und Vertreter eines Bedingungslosen Grundeinkommens (BGE) sehen in der Corona-Pandemie eine willkommene Gelegenheit, um endlich einen Probelauf zu starten. So wird beispielsweise in einer offiziell beim Deutschen Bundestag eingereichten Petition (die bereits nach wenigen Tagen von mehr als 100.000 Menschen unterzeichnet wurde) gefordert, „dass aufgrund der wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona Pandemie und der damit verbundenen Einkommensausfälle für viele Bürgerinnen und Bürger, kurzfristig und zeitlich begrenzt, aber solange wie notwendig, ein Bedingungsloses Grundeinkommen für alle Bürgerinnen und Bürger eingeführt wird.“

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Feministische Entwicklungshilfe aus dem Süden

Italienerinnen als grösste Frauen-Diaspora in der Schweiz und ihr Einfluss auf die gesellschaftliche Entwicklung

2020 gedenkt die Welt des Kriegsendes vor 75 Jahren. Aber immigrierte Akteure und Akteurinnen, die in den Nachkriegsjahren wesentlich zum Aufbau der heutigen Schweizer Gesellschaft beigetragen haben, sind kaum in die Geschichtsbücher eingegangen. Bis heute werden sie beispielsweise einfach als „Gastarbeiter“ dargestellt und noch drastischer: Immigrierte Frauen wurden fast gänzlich ausgeblendet. Gerade während der Nachkriegsjahre haben italienische Aktivistinnen beispielsweise zahlreiche Beiträge zur Positionierung der Frau in der Familie, der Wirtschaft und der Politik geleistet. Ihre Bemühungen wurden jedoch weder in ihren Communities noch in der Schweizer Gesellschaft anerkannt.

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Wann, wenn nicht jetzt?

Frauen wollen mitreden!

Noch in jeder vergangenen Wirtschaftskrise hat es sich gezeigt: Es sind die Frauen, die die notwendigen und zusätzlichen Tätigkeiten übernehmen, seien sie unbezahlt oder unterbezahlt. Das zeigt sich mit der Corona-Krise einmal mehr: Ausgerechnet diejenigen Arbeiten, die überlebensnotwendig und besonders wichtig für die Gesellschaft sind, weil sie den sozialen Zusammenhalt stärken, werden meist schlecht oder gar nicht bezahlt und müssen oft unter prekären Bedingungen erledigt werden.

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