„Covidfreies“ Australien:

Jetzt mit Covid leben?

Bis vor einigen Wochen galten Australien und Neuseeland als die Aushängeschilder des Zero-Covid. Dann ging alles ganz schnell, ausgehend von einem einzigen Limousinenchauffeur, der seine amerikanische Pilotencrew vom Flughafen zum Qurantänehotel brachte, ohne geimpft zu sein oder auch nur eine Gesichtsmaske zu tragen, und dann die nächsten Tage sich in Kneipen, Cafes und Einkaufszentren Sydneys vergnügte. Als die erste Infektionswelle bekannt wurde, empörte sich die Presse über so viel Leichtsinn und rief die Polizei auf den Plan, doch die eigentliche Verantwortung lag bei den Politikern und Bürokraten, die es versäumt hatten, die simpelsten Quarantäneregeln auch für kommerzielle Flugbesatzungen vorzuschreiben.

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Profit statt Prophylaxe

In der Corona-Pandemie verkommt der Infektionsschutz zur Privatangelegenheit

Zwei Jahre ist es nun her, dass ein Virus aus der Tierwelt auf die Menschen übersprang und sich in kürzester Zeit auf dem ganzen Globus verbreitet hat. In diesen zwei Jahren sind Millionen Menschen gestorben, Milliarden Menschen sind von den Auswirkungen einer unzulänglichen Pandemiepolitik betroffen. Während die einen bereits ein Ende der Pandemie erkennen wollen, warnen die anderen vor einem neuerlichen dramatischen Anstieg der Zahlen.

Die einen, das sind die Politiker in Deutschland und vielen anderen Ländern, die sich um Wahlen und Umfragewerte mehr sorgen, als um die Gesundheit ihres Elektorats. Die anderen, das sind die Forscherinnen und Experten, die in den vergangenen Monaten das Kommende stets richtig prognostizierten. So warnte Christian Drosten bereits Anfang September, dass gesamtgesellschaftliche Kontaktbeschränkungen im Herbst wieder nötig würden. Die Hospitalisierungsrate bei der Delta-Variante sei zu hoch und die Impfquote zu niedrig.

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Frauen und die Corona-Krise

Weniger Geld, weniger Erwerbsarbeit, weniger Aussichten

„Fünf Jahre Fortschritte bei der Beseitigung der Armut durch Erwerbstätigkeit wurden zunichte gemacht.“ urteilt die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) über die Auswirkungen der Pandemie. Das Uno-Ziel, mit nachhaltiger Entwicklung die Armut bis 2030 zu überwinden, dürfte kaum noch zu erreichen sein. Und wie immer sind die Geschlechter von den Rückschlägen in unterschiedlichem Maße betroffen, besonders hart erwerbstätige Frauen, die auf soziale Absicherung angewiesen sind. Aufgrund fehlender sozialer Schutzbestimmungen, vor allem im informellen Sektor mit seinem hohen Frauenanteil, wirken sich pandemiebedingte Unterbrechungen der Erwerbsarbeit katastrophal aus, mit schwerwiegender Beeinträchtigung von Lebensunterhalt und Familieneinkommen.

Die ILO-Konferenz vom vergangenen Juni hält in ihrem Report fest, dass die Erwerbstätigkeit von Frauen im Jahr 2020 um fünf Prozent zurück-gegangen ist, die von Männern um knapp vier Prozent. Ein größerer Anteil der Frauen ist auch aus dem Erwerbsarbeitsmarkt ausgeschieden. Der Report hält weiter fest, was in frauenpolitischen und feministischen Kreisen sehr wohl bekannt ist, dass bei bestimmten innenpolitischen Konstellationen die Gefahr bestehe, dass eine „Re-Traditionalisierung“ der Geschlechterrollen geschaffen werden könnte.

Die von der Corona-Krise am stärksten betroffenen Regionen waren im ersten Halbjahr 2021 laut ILO Lateinamerika, die Karibik sowie Europa und Zentralasien. Dort überstiegen die geschätzten Verluste von Erwerbsarbeitsstunden im ersten Quartal 8 Prozent und im zweiten Quartal 6 Prozent, verglichen mit weltweiten durchschnittlichen Verlusten von Erwerbsarbeitsstunden von 4,8 im ersten und 4,4 Prozent im zweiten Quartal.

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Was heißt Impfstoffgerechtigkeit?

„Die Pandemie trifft uns alle, Europäer wie Afrikaner, aber sie trifft uns nicht alle gleich.“ Mit diesen Worten eröffnete Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier Anfang Juni die Africa-Roundtable-Initiative. Doch damit wollte er nicht etwa primär auf die Impfquote von damals einem Prozent in Afrika (ohne Marokko) hinaus, sondern entschuldigte: „Die älteren Gesellschaften Europas haben deutlich mehr Opfer zu beklagen, als die jüngeren Gesellschaften Afrikas.“

Nur einen Monat später war diese Aussage überholt: Die registrierten Covid-Todesraten in Afrika übertrafen die in Deutschland und der EU. Südafrika, Namibia, Tunesien und Botswana beklagten über Monate die höchsten Sterberaten der Welt.

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Covid-19 und die Arbeitswelt

Wie der Kapitalismus das Virus nutzt

In der ersten Phase der nun schon bald eindreiviertel Jahre währenden Pandemie keimte Hoffnung auf: Das unbekannte Virus, das die ganze Welt und alle Bereiche der Gesellschaft befiel, könnte den wild gewordenen Kapitalismus zur Räson bringen, führe es doch die Risiken des Global Sourcing, der Spekulation und eines auf kurzfristigen Profit gerichteten Wirtschaftens, das weder Mensch noch Natur schont, vor Augen. Langfristorientierung, Resilienz, Robustheit, Nachhaltigkeit und Reservehaltung schienen das Gebot der Stunde. Heute müssen wir konstatieren, dass nichts davon eingetreten ist.

Die Gesellschaft mag zwar durch die Konfrontation mit dem vom Virus ausgelöstem Schock etwas gelernt haben, zuvorderst dass ein handlungsfähiger und starker Staat von Nutzen ist und dass Schulden nicht des Teufels sind, sondern eine Voraussetzung für eine intakte Infrastruktur und eine gelingende Daseinsvorsorge. Die Wirtschaft aber ist aufgrund des ihr eigenen Mechanismus der Mehrwertproduktion und Akkumulation dazu offensichtlich nicht in der Lage.

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Der Kampf ums Impfen

Vom Kapital getrieben, von der EU kontrolliert

Noch immer gibt es selbst in linken Kreisen Leichtgläubige, die der deutschen oder österreichischen Corona-Politik ihr Narrativ vorbehaltlos glauben, wonach es sich dabei um unumgängliche, alternativlose Maßnahmen zum Wohle der Volksgesundheit handeln würde. So selbstverständlich man es als kritischer Mensch durchschaut, dass Militäreinsätze der Nato oder der Bundeswehr nicht, wie von diesen argumentiert, für Demokratie, Frauenrechte und nationale Selbstbestimmung geführt werden, so schwer tun sich viele mit der Erkenntnis, dass Pharmariesen nicht die Gesundheit, sondern die Aktiendividende und den Börsenkurs im Auge haben. Politik im Klassenstaat folgt in beiden Fällen dem ökonomischen Primat.

Im anfänglichen Auf und Ab von Lockdowns konnte man die herrschende Verwirrung noch verstehen, immerhin handelt es sich um eine neue, gefährliche Krankheit. Beim nun dominierenden Kampf um die Impfung lichten sich nach und nach die Nebel. Die Interessen hinter der Corona-Politik werden sichtbar. Als der damals reichste Mann der Welt, Bill Gates, am Ostersonntag des Jahres 2020, dem Tag der Auferstehung Christi, in den ARD-Tagesthemen seine Vision von der Auferstehung der Menschheit nach dem viralen Fall zum Besten gab, nämlich, dass diese erst stattgefunden haben wird, wenn alle sieben Milliarden Menschen auf der Welt geimpft sein werden, schüttelten viele noch den Kopf. Doch der Mann meinte es ernst. Der aus einem evangelikalen Haushalt stammende Gates, mit Welterlösungsphantasien bestens vertraut, warf seine gesamte Expertise in Sachen Gesundheit und Medizin – also seine schiere Kapitalmacht – ins Feld, um Big Pharma, Biotech- und Kontrollindustrien den Weg aus der kapitalistischen Verwertungskrise zu weisen.

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Ungleichheit im Coronakapitalismus

spezial 1: kapital, reichtumsakkumulation & ideologie

Das Corona-Virus greift nicht nur unsere Gesundheit an, es zerstört auch die Illusion, wir lebten in einer klassenlosen Gesellschaft mit gesicherter Wohlständigkeit all ihrer Mitglieder.

Die Pandemie brachte es an den Tag: Ohne seine ungeschmälerten Regeleinkünfte kommt ein großer Teil der Bevölkerung nicht einmal für ein paar Wochen aus. Und das trotz eines verhältnismäßig hohen Lebens- und Sozialstandards.

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Wundersame Geldvermehrung

Anmerkungen zur Heilung der ökonomischen Coronakrise

Dass Geld schier nach Belieben vermehrt werden kann, daran hatte man sich in der großen Finanzkrise plus Rezession zwischen 2007 und 2009 einigermaßen gewöhnt. In dem jetzigen nach dem Virus „Coronakrise“ genannten weltweiten Wirtschaftseinbruch gehörte die wundersame Geldvermehrung sozusagen zum Standardhausmittel des Staates, um die kapitalistische Störung zu mildern und – so die geäußerte Hoffnung – in einem späteren Stadium wieder in einen Aufschwung und in eine neue Wachstumsperiode zu führen. Die Grundeinheit dieser Geldschöpfung war nicht mehr wie vor zwölf Jahren Hunderte von Milliarden Euro oder Dollar, sondern Billionen solcher Währung. Im Ergebnis hat sich dadurch laut Angaben des IWF die Bilanz der US-Notenbank „Fed“, also die Summe des von ihr in Umlauf geschickten Zentralbankgeldes, von 4 Billionen Dollar Anfang 2020 auf 7,4 Billionen Anfang 2021 erhöht. Das Volumen des von der Europäischen Zentralbank emittierten Zentralbankgeldes erhöhte sich in derselben Zeit von umgerechnet 5 auf 8,6 Billionen Dollar. Der Anstieg des von der Chinesischen Zentralbank in Umlauf geschickten Zentralbankgeldes von 5 auf 6 Billionen Dollar blieb vergleichsweise bescheiden.

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Wir müssen nicht mit dem Virus leben

debatte corona

In Heft 52 wurde eingangs die Kanzlerin zitiert mit „Das Corona-Virus ist […] eine Naturkatastrophe“, was „wohl nur einmal pro Jahrhundert“ vorkomme. Und: „Wir müssen mit dem Virus leben.“ Dann heißt es: „Das ist eine Quartalslüge“. Dies wurde belegt mit dem Verweis auf die RKI-Studie 2013 (= angekündigt), mit dem Verweis auf Zoonose (= menschengemacht) und mit dem Verweis auf Zahlen zu „neun Staaten“, in denen die Corona-Toten je 100.000 Menschen „bei einem Zehntel der Corona-Toten in Deutschland und bei einem Achtzehntel der Corona-Toten in Österreich“ lägen (= man muss nicht „mit dem Virus leben“).

In der mit abgedruckten Tabelle wurden, anstatt Zahlen durcheinander zu werfen, sechs Ländergruppen gebildet. Um die Debatte transparent zu führen, wird hier die Tabelle in der Struktur (nach Ländergruppen) identisch, jedoch mit drei Veränderungen erneut gebracht: 1. aus Platzgründen sind die Zahlen für März bis Oktober 2020 nicht enthalten. 2. ist die Tabelle bis zum 28.2.2021 aktualisiert. 3. enthält die Tabelle auch die Zahlen für das relativ vorbildliche Land Australien.

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