Soziale Grenzen in Bewegung


Zwischen Klassenschranke und globalem Verteilungskonflikt

Grenzen sind in aller Munde. Sollen sie offen sein, damit Kapital, Waren und Menschen frei zirkulieren können? Oder bieten Migrationsregime, Kapitalverkehrskontrollen und Handelsprotektionismus die Möglichkeit, den Ungleichheiten, die aus Freihandel und Arbeitskräfteverschiebungen erwachsen, gegenzusteuern? Die Fronten sind verhärtet, die Kontroverse wirkt als Spaltkeil, der alte weltanschauliche Lager durcheinanderwirbelt. Die sozialen und wirtschaftlichen Grenzen, die uns alle betreffen, geraten durch die Konzentration auf die staatlichen bzw. suprastaatlichen Grenzen allerdings aus dem Blick.

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Das Internet unter US-Aufsicht


Die Herausbildung eines Kapital-Digital-Militärischen-Komplexes

Das Internet geht auf die US-Regierung zurück: Nach dem Sputnik-Schock 1957 gründete das US-Verteidigungsministerium die Advanced Research Project Agency (ARPA). Diese Agentur sollte die Überlegenheit der technischen Wissenschaften in den USA gegenüber der Sowjetunion wiederherstellen. Im Wesentlichen ging es um die Vorherrschaft im militärischen Kalten Krieg, insbesondere im möglichen Atombomben-Krieg. Hier stieg der Bedarf insbesondere der Air Force an möglichst schneller Beschaffung von Daten der Gegenseite, an Auswertung, Gegen- und Erstreaktion. Es ging um die Beherrschung des Luftraums. Das betraf die beiden Varianten der US-Militärstrategie von der „massiven Vergeltung“ bis zur „flexible response“.

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Im Schatten des EU-Ratsvorsitzes:


Wiens Angriff auf die Grundlagen des Sozialstaates

Einen Tag vor der Übernahme des EU-Ratsvorsitzes feierte Bundeskanzler Sebastian Kurz gemeinsam mit seinem Vorgänger Bojko Borissow und Ratspräsident Donald Tusk auf 1900 Meter Seehöhe die Stabsübergabe von Bulgarien an Österreich. Keine 100 Zuseher hatten sich neben den paar Dutzend geladenen Gästen auf den Schladminger Hausberg Planai verirrt; bei der Ankunft der EU-Granden waren die Kamerateams in der Überzahl. Wenige Tage später trat dann EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker in Wien an der Seite des 31-jährigen österreichischen Regierungschefs vor die Presse und lobte den Jungspund für seine „pro-europäische Haltung“. Auf der riesen Plakatwand hinter den beiden, die im Tagungsort „Austria Center“ aufgespannt war, kreuzten Segelboote am Attersee und vermittelten eine Idylle, die sich nur wenige leisten können. Auch in Wien vermied das Ratsprotokoll den Kontakt mit der Bevölkerung.

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Kein linker Hoffnungsträger – doch die Hoffnung stirbt zuletzt

Dicke Fragezeichen bei zukünftiger mexikanischer Regierung unter „AMLO“

Es könnte kaum ein passenderes Bild für die wohl größte Herausforderung der zukünftigen mexikanischen Regierung unter Präsident Andrés Manuel López Obrador in den kommenden sechs Jahren geben: Mitte September irrte im wahrsten Sinne des Wortes ein mit 157 Leichen überquellender Kühltransporter im Randbereich der 5-Millionen-Metropole Guadalajara im Bundesstaat Jalisco von Gemeinde zu Gemeinde. Weder Anwohner noch Gemeindeautoritäten wollten den Transporter, aus dem starker Verwesungsgeruch strömte, in ihrer Nähe haben. Der Hintergrund der Odyssee: Für die nicht identifizierten Leichen, vermutlich alle Opfer von Gewaltverbrechen, war schlicht kein Platz mehr in den Leichenhäusern von Jalisco. Eine vorherige Abstimmung mit den Gemeinden war der Staatsanwaltschaft aber nicht in den Sinn gekommen. Eine ähnliche Situation gab es vor nicht allzu langer Zeit im Bundesstaat Guerrero.

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Eleanor Marx


Eine Pionierin der britischen und internationalen Arbeiterbewegung

Sechs Kinder brachte das Ehepaar Marx Zeit seines Lebens auf die Welt; vier davon Töchter. Vier starben noch im Kindesalter. Drei Töchter hinterließen in der internationalen Arbeiterbewegung des ausgehenden 19. Jahrhunderts ihre Spuren. Jenny Caroline engagierte sich in Frankreich. Jenny Laura kämpfte über Jahrzehnte an der Seite ihres späteren Mannes Paul Lafargue und übersetzte die Schriften von Karl Marx ins Französische.

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Wegbereiter des Öko-Marxismus im deutschsprachigen Raum


Elmar Altvater hinterlässt uns ein wertvolles wissenschaftlich-politisches Vermächtnis

Elmar Altvater hat in den letzten drei Jahrzehnten wie kein anderer im deutschsprachigen Raum die öko-marxistische Debatte geprägt. Mit seiner Neugierde und Offenheit für neuere theoretische und empirische Entwicklungen in Europa und darüber hinaus, seiner enormen Kenntnisse von Marx sowie der marxistischen und bürgerlichen Klassiker und seiner Fähigkeit, komplexe Zusammenhänge als solche zu denken und dennoch verständlich darzustellen. Zudem stieß er immer wieder wegweisende Diskussionen an. Dazu kam ein politisches Interesse an praktischer Gesellschaftskritik und emanzipatorischen Veränderungen, das seine Analysen antrieb. So enden etwa seine Bücher in der Regel mit einem durchdachten Plädoyer für radikale gesellschaftliche Veränderungen. Er war leidenschaftlicher Verteidiger eines transparent und demokratisch organisierten Staates und öffentlichen Sektors. Häufig hörte man von ihm die zugespitzte Aussage: „Die Reichen können sich einen armen Staat leisten, Arme nicht”.

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„… in geschichtlichen Kämpfen die Phrasen von wirklichen Interessen unterscheiden“

marx 200 – quartalsbericht


1869 legt Otto Meissner nach dem „Kapital“ die wichtigste politische Schrift von Marx nach dem „Kommunistischen Manifest“ neu auf. „Der 18. Brumaire des Louis Napoleon“ war 1852 in New York unter falschem Titel in der Zeitschrift Die Revolution von J. Weydemeyer erschienen und nur in wenigen Exemplaren nach Europa gelangt. [1]

Eineinhalb Jahrzehnte später mahnte der Hamburger Verleger »Die kleine Schrift der 18te Brumaire muß ich aus dem einfachen Grunde verlegen, weil ich Ihr Verleger bin und bleiben möchte.«

Marx lieferte lange nicht Bearbeitung und Vorwort, aber um den 20. Juli 1869 erschien dann fast unverändert die erste in Europa verfügbare, als „Zweite Ausgabe“ bezeichnete Neuauflage Der Achtzehnte Brumaire des Louis Bonaparte.

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Grüne Lügen – entlarvt


Besprechung des neuen Buchs von Kathrin Hartmann

Dass „grüne Fake News umso bereitwilliger geglaubt werden, je offensichtlicher sie sind“, wie Kathrin Hartmann schreibt, hat das Berliner ‚Peng Kollektiv‘ 2013 eindrucksvoll unter Beweis gestellt, als der Ölkonzern Shell mit dem Shell Science Slam sein Image aufbessern und in lockerer Atmosphäre grüne Forschung präsentieren wollte. Zu dieser Veranstaltung passte der Wissenschaftler Paul von Ribbeck einfach perfekt. Er behauptete, eine Technologie entwickelt zu haben, mit der die Luft hinten aus einem Auto sauberer herauskommt als sie vorne hineingeht. Das passte sogar so perfekt zu dem „Science Slam“, dass die Veranstalter, die umstrittene PR-Agentur Burson-Marsteller, keine weiteren Nachforschungen anstellten und ihn als Stargast einluden. Pech für sie, dass Paul von Ribbeck eine Phantasiefigur ist und dass die versprochene Maschine einen eindrucksvollen Ölunfall im Veranstaltungsraum erzeugte – als medienwirksamen Protest der Aktivisten gegen die Ölbohrungen in der Arktis, die so gar nicht zu dem angeblich grünen Image des Konzerns passen. Der Shell Science Slam war ab dem Moment Geschichte.

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Spekulationskrisen

Historisches zur Bitcoin-Euphorie

Kaufen, um teurer zu verkaufen, das ist die Grundformel des Handelskapitals. Deshalb meinte schon Benjamin Franklin (1706–1790) schlankweg, Handel sei Betrug (cheating). Zwar ist das für Kapitaleigentümer heutzutage nicht mehr die Hauptmethode der Bereicherung, ganz aus der Mode gekommen ist sie jedoch nicht: Sobald zum Verkauf angebotene Waren, aus welchen Gründen auch immer, knapp werden, fangen ihre Preise an zu steigen, also kann man das Gekaufte teurer verkaufen, und das Spekulieren beginnt. Jedoch, auf welche Weise der Kapitaleigner mit der ihm gehörenden Ware spekuliert, ist im Anfang noch nicht entschieden: Er kann darauf setzen, dass die Preise weiter steigen, dann wird er, sofern gut bei Kasse, nicht verkaufen, sondern zuwarten und damit Knappheit wie Preise weiter in die Höhe treiben; oder er setzt darauf, dass der “Hype” vorbei ist, dann wird er verkaufen, wodurch sich mit dem steigenden Angebot die Knappheit vermindert, so dass die Preise fallen.

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