Visionen und Erneuerung

In den Quälereien um eine neue Bundesregierung wird CDU/CSU und SPD immer wieder vorgehalten, es fehle ihnen an Visionen. Sie benötigten eine Erneuerung.

Was den ersten der beiden Begriffe angeht, so spricht lediglich für ihn, dass einst ein schneidiger Bundeskanzler sich an ihm störte und schnarrte: „Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen.“ Wer solche Feinde hat, verdient Freunde. Einerseits. Andererseits ist auch bei radikal Zukunftsorientierten seit geraumer Zeit eine Umkehr der einst durch Friedrich Engels beschriebenen Entwicklung des Sozialismus von der Utopie zur Wissenschaft zu bemerken. Ihr Zug fährt in die Gegenrichtung: von der Wissenschaft zur Utopie. In dieses Nirgendwo weist auch das Reden von den Visionen.

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seziertisch nr. 168: Austerität

Aus: LunaPark21 – Heft 31

Das Fremdwort „Austerität“ wird oft mit „Sparpolitik“ übersetzt. Dies ist unscharf und kann leicht dazu beitragen, diejenigen zu entwaffnen, die einen solchen Kurs bekämpfen wollen. Denn was ist gegen Sparen einzuwenden? Das Beispiel der schwäbischen Hausfrau, die nicht mehr ausgibt als sie einnimmt, wird nur von einer Minderheit verlacht. Die Mehrheit findet, dass das ein vernünftiges Verhalten ist. Dies gilt umso mehr, als man in der Heimat der schwäbischen Hausfrau in der Regel ja nicht hungert. In den Speckgürteln Baden-Württembergs sind die Einnahmen hoch, und es kostet keine Entbehrungen, wenn sie von

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Einheitsgewerkschaft. lexikon

Georg Fülberth in Lunapark21 – Heft 30

Unter dem Begriff „Einheitsgewerkschaft“ wird in der Regel dreierlei verstanden: Organisierung von Lohn- und Gehaltsabhängigen 1. verschiedener Berufe, aber derselben Branche in einer Industriegewerkschaft, 2. verschiedener Industriegewerkschaften in einem Dachverband, 3. von Mitgliedern unterschiedlicher (partei-) politischer Orientierung. Alle drei Charakteristika sind in Deutschland erst seit 1945 durchgesetzt, das dritte fast vollständig, während die beiden ersten gegenwärtig wieder zur Disposition stehen.

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[lexikon] Deutsches Märchen

Aus: LunaPark21 – Heft 31

Am 13. Juli 2015, nach der Kapitulation von Alexis Tsipras, war Rolf-Dieter Krause, der Brüsseler ADR-Korrespondent, der in den Wochen vorher gegen Syriza gehetzt hatte, doch etwas blass um die Nase: Heute sei mit „Europa“ etwas Bedenkliches passiert. Die so genannte Wertgemeinschaft hatte sich als deutsches Diktat entpuppt, mit einer Marionettenregierung in Athen. Bei Demonstrationen in Griechenland waren während der vorausgegangenen Auseinandersetzungen Bilder Angela Merkels zu sehen: mit Hitler-Bärtchen. Brennende Flüchtlingsheime in deutschen Kleinstädten waren eine zusätzliche Illustration: Reich des Bösen.

Acht Wochen später sah das anders aus. Die Bundeskanzlerin

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Warten auf Podemos? seziertisch nr. 166

Georg Fülberth. Lunapark21 – Heft 29

Syriza hat die Wahl mit dem Versprechen gewonnen, die Auflagen der Troika nicht länger zu akzeptieren. Dies konnte sie nicht halten, denn dann hätte Griechenland eine dringend erforderliche Übergangsfinanzierung für die nächsten Monate nicht erhalten.

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Arbeitsteilung.lexikon

Georg Fülberth. Lunapark21 – Heft 28

Großer Beliebtheit erfreut Marx‘ und Engels‘ Vorstellung von einer Gesellschaft, in der es möglich sein werde, „heute dies, morgen jenes zu tun, morgens zu jagen, nachmittags zu fischen, abends Viehzucht zu treiben, nach dem Essen zu kritisieren, wie ich gerade Lust habe, ohne je Jäger, Fischer, Hirt oder Kritiker zu werden.“ (MEW 3, S. 33).

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Nachgereichte Ideologie. seziertisch nr. 165

Georg Fülberth. Lunapark21 – Heft 28

Der Bundespräsident, drei von vier Bundestagsfraktionen, sämtliche Leitmedien werben für die Verstärkung der militärischen Komponente in der deutschen Außenpolitik. Es geht um den Beitrag der BRD zum Zweiten Imperialismus. Was es mit Letzterem auf sich hat, soll hier zunächst erklärt werden.

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Externe Schocks, Kriege und „inner-ökonomische” Dynamik. lexikon

Georg Fülberth. Lunapark21 – Heft 27

Als externe Schocks gelten unerwartete außerökonomische Einwirkungen auf Marktprozesse. Naturkatastrophen, Anschläge, Kriege, Sanktionen, politische Regimewechsel setzen bisherige Kalkulationen außer Kraft und entwerten Investitionen. Es sind Ausnahmen, die eine vorgebliche Normalität stören: die Selbstregulierung der Märkte. Deshalb werden externe Schocks häufig negativ bewertet.

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