Nachdem die Hunde Rassisten bereits im Stich gelassen haben, weil sie sich nicht so verhalten wollen, wie sie aussehen und genetisch ausgestattet sind, haben jetzt auch noch die Vögel bewiesen: Geschlecht ist von Natur aus nicht eindeutig.
Forscherinnen der University of the Sunshine Coast stellten bei der Untersuchung von 500 verletzten Vögeln in einer Klinik im Südosten des australischen Bundesstaates Queensland fest, dass bei bis zu sechs Prozent der Vögel die körperlichen Merkmale des Geschlechts nicht mit deren genetischer Ausstattung übereinstimmen.
Bei den fünf untersuchten Vogelarten wurde in drei bis sechs Prozent der Fälle das durch körperliche Untersuchung festgestellte organische Geschlecht durch DNA-Analyse dementiert. Es fanden sich genetische Männchen mit vollständig weiblichem Erscheinungsbild, genetische Weibchen mit vollständig männlichem Erscheinungsbild sowie Individuen mit einer Mischung aus Hoden- und Eierstockgewebe. Das war auch kein Hindernis für eine entsprechende Fortpflanzung: Ein genetisch männlicher Kookaburra hatte kurz vor der Untersuchung Eier gelegt.
Das wundert niemanden, der oder die weiß, dass das Geschlecht von Meeresschildkröten von der Temperatur des Strandes abhängt, an dem die Sonne die dort eingegrabenen Eier ausbrütet, und dass bei Seepferdchen die Männchen trächtig werden und ihre Nachkommen in einem Beutel herumschleppen, und dass Schnecken zu zweit beides ganz langsam können: Eier legen und befruchten.
Die meisten Medien meldeten das Untersuchungsergebnis als Anzeichen von Geschlechtswechsel, obwohl ein Wechsel hier nicht vorliegt: Die Vögel waren so bunt aus dem Ei gekrochen.
Nur diejenigen, die in der Benennung von Personen durchsetzen wollen, dass es nur Männer oder Frauen geben soll und nichts dazwischen und daneben, sind um die Begründung für diese Sprachvorschrift gebracht. Wenn es in der Natur bei den von den Dinosauriern abstammenden Vögeln mindestens fünf Mischungen von Geschlecht gibt, wie soll dann bei Menschen das über Körpermerkmale hinausgehende soziale Geschlechtsverhalten sich im Käfig einer Zweideutigkeit halten lassen?
Diese Erkenntnis über die Mehrdeutigkeit von Geschlecht in der Natur wird Frau Kulturstaatsministerin Weimar schmerzen, der auf einer naturwidrigen Zuordnung zu zwei Geschlechtern besteht und damit nicht nur vielen Vögeln eine zutreffende Benennung vorenthält. Mit der Anrede als Frau Ministerin ist Wolfram Weimer selbstverständlich mitgemeint – was immer der Verleger und Journalist außer Klimaleugner und Kritiker der Merkelschen Flüchtlingspolitik auch sein mag.
Aber Hoffnung wächst: Vielleicht ist es molekularbiologisch möglich, die Blockade der Gene von Kulturstaatsministern zu enthemmen, auf dass sie die Vielfalt der Geschlechter in der Natur wahrnehmen können – und alles davor, dahinter, darunter, daneben und dazwischen.
Jürgen Bönig schätzt es, aus der Geisterbahn der Eindeutigkeit auf die Vielfalt von Natur blicken zu können. (Siehe auch Geisterbahn »Rasse-K.o.« in LP21 Heft 58; https://www.lunapark21.net/rasse-k-o/)