„Mir ging es darum, das Werk endlich auf dem Stand zu präsentieren, den Marx selbst fixiert hatte“

Ein Gespräch mit Thomas Kuczynski, dem Herausgeber der neuen Textausgabe von Karl Marx, Das Kapital

Ende 2017 erschien im Verlag VSA, Hamburg, „Karl Marx Das Kapital. Kritik der Politischen Ökonomie – Erster Band. Buch I: Der Produktionsprozess des Kapitals“ in Form einer „Neuen Textausgabe, bearbeitet und herausgegeben von Thomas Kuczynski“. In weniger als einem halben Jahr war die erste Auflage vergriffen, eine zweite befindet sich im Verkauf. Das macht deutlich: Das Interesse an der „Neuen Textausgabe“ ist groß. Gleichzeitig gab es aber auch kritische Stimmen, die den enormen Aufwand, den Thomas Kuczynski als Herausgeber und Bearbeiter dieses Werkes zu leisten hatte, hinterfragten: Reichen die „Blauen Bände“, die Marx-Engels-Werke (MEW), und die hochwissenschaftliche MEGA nicht? Warum brauchen wir eine „Neue Textausgabe“? Warum wird in ein solches Projekt ein Jahrzehnt Arbeit eines Wissenschaftlers „investiert“?

Lunapark21 stellte diese Fragen demjenigen, der diese gewaltige Leistung selbst bewerkstelligte: Thomas Kuczynski, der im Übrigen seit der ersten Ausgabe von Lunapark21 im Rahmen der Rubrik „Geschichte und Ökonomie“ in dieser Zeitschrift präsent ist.

Thomas K. wurde von Jürgen Bönig, Autor des 2017 erschienenen Buchs „Karl Marx in Hamburg“ und Mitglied der LP21-Redaktion, interviewt.

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Spekulationskrisen

Historisches zur Bitcoin-Euphorie

Kaufen, um teurer zu verkaufen, das ist die Grundformel des Handelskapitals. Deshalb meinte schon Benjamin Franklin (1706–1790) schlankweg, Handel sei Betrug (cheating). Zwar ist das für Kapitaleigentümer heutzutage nicht mehr die Hauptmethode der Bereicherung, ganz aus der Mode gekommen ist sie jedoch nicht: Sobald zum Verkauf angebotene Waren, aus welchen Gründen auch immer, knapp werden, fangen ihre Preise an zu steigen, also kann man das Gekaufte teurer verkaufen, und das Spekulieren beginnt. Jedoch, auf welche Weise der Kapitaleigner mit der ihm gehörenden Ware spekuliert, ist im Anfang noch nicht entschieden: Er kann darauf setzen, dass die Preise weiter steigen, dann wird er, sofern gut bei Kasse, nicht verkaufen, sondern zuwarten und damit Knappheit wie Preise weiter in die Höhe treiben; oder er setzt darauf, dass der “Hype” vorbei ist, dann wird er verkaufen, wodurch sich mit dem steigenden Angebot die Knappheit vermindert, so dass die Preise fallen.

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Treue Hände? Treuhandgesellschaften einst und heute

Aus: LunaPark21 – Heft 31

„Treuhand 2.0 für Griechenland“ lautete eine Schlagzeile beim Nachrichtensender n-tv. Das Kürzel 2.0 sollte wohl an das Wirken der Treuhandanstalt erinnern, die die einst im „Register der volkseigenen Wirtschaft“ erfassten DDR-Betriebe zu zwei Dritteln privatisiert bzw. reprivatisiert und zu einem knappen Drittel liquidiert hat (einige wenige wurden kommunalisiert). Der kürzlich verstorbene Siegfried Wenzel, zu DDR-Zeiten zeitweilig einer der Stellvertreter des Vorsitzenden der Staatlichen Plankommission, hat diese Vorgänge instruktiv beschrieben. [1]

Aber das Rechtsinstitut der „treuen Hand“ (lateinisch: manus fidelis) ist sehr viel älteren Datums, und ursprünglich bezeichnete es

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Religionskriege?

„Der Hauptfeind steht im eigenen Land!“ (Karl Liebknecht)

Thomas Kuczynski in Lunapark21 – Heft 30

Vier Jahre nachdem Francis Fukuyama das angebliche „Ende der Geschichte“ verkündet hatte, läutete 1993 sein Landsmann Samuel Ph. Huntington (1927-2008) mit seinem später zu einem ganzen Buch umgestalteten Aufsatz „Clash of Civilizations“ (Kampf der Kulturen) eine neue Etappe ideologischer Geschichtsbetrachtung ein, und zwar mit ungemein großem Erfolg.

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Griechenland und die europäische Linke

Aus: LunaPark21 – Heft 31

Unter europäischem Blickwinkel ist zunächst festzuhalten, dass mit Syriza zum ersten Mal seit der Nelkenrevolution in Portugal (1974) wieder eine links orientierte Partei Regierungsgeschäfte in einem EU-Land übernommen hatte.

Damit dies Beispiel nicht Schule macht und auf diese Weise die Kapitalherrschaft in Europa gefährdet, wurde die Syriza-Regierung von Anfang an als „linksradikal“ verteufelt und auf das Schärfste bekämpft. Darin waren sich die politischen Vertreter des europäischen Großkapitals völlig einig.

Gegen diese Phalanx hätte die Syriza-Regierung

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Eugen Varga (1879-1964)

Zu seinen mittel- und langfristigen Prognosen ökonomischer Entwicklung
Thomas Kuczynski. Lunapark21 – Heft 29

Dass sich im vorigen Jahr der Todestag von Eugen (ungarisch Jenö, russisch Jevgenij) Varga zum fünfzigsten Male jährte, war, ich muss es zu meiner Schande gestehen, auch mir entgangen. Dabei gehörten die Arbeiten des Begründers kontinuierlicher marxistischer Konjunkturberichterstattung über mehr als zwei Jahrzehnte hinweg zur Pflichtlektüre von Konjunkturforschern in aller Welt, gleichgültig welcher ideologischen Provenienz.[1] In ihrer Art sind diese umfassenden Analysen der Weltkonjunktur bis heute unübertroffen und scheinen in ihrer Kombination von empirisch-statistischer Materialfülle und politisch-ökonomischer Einordnung der Ereignisse geradezu unwiederholbar – vielleicht auch ein Grund, kein besonders guter, weshalb es heute unter den Linken niemanden gibt, der auf seinen Spuren wandelt und Vergleichbares zu leisten versucht.

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Failed states

Die zunehmende Unfähigkeit des Imperialismus, von ihm angezettelte Kriege zu gewinnen
Thomas Kuczynski. Lunapark21 – Heft 27

Nach dem im Kalten Krieg errungenen „vorläufigen Endsieg” des Kapitalismus (Georg Fülberth) schien die Welt wieder in Ordnung, weil der staatlich etablierte Sozialismus in Osteuropa wie ein Kartenhaus in sich zusammengefallen war. Solche „Einzelfälle“ wie China, Kuba und Nordkorea konnten diesen Gesamteindruck kaum trüben, denn die Wiederherstellung des Kapitalismus in Osteuropa bescherte den ausländischen Investoren und einigen ihrer inländischen „Kollegen“ märchenhafte Profite.

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Was reguliert die Wirtschaft?

Tatsächliche und angebliche Funktionen von Markt und Plan
Thomas Kuczynski. Lunapark21 – Heft 24

„Smith erläutert, wie die ‘unsichtbare Hand des Markts’ den Egoismus des Einzelnen in wachsenden Wohlstand für die Allgemeinheit transformiert.“ So immer noch nachzulesen im derzeitigen Standardlehrbuch der Volkswirtschaftslehre,[1] fast zwanzig Jahre, nachdem Emma Rothschild nachgewiesen hatte, dass Adam Smith die Wendung „led by an invisible hand“ (geführt von einer unsichtbaren Hand), obgleich sie hundertfach in zeitgenössischen Predigten und religiösen Traktaten verwendet worden war, ein einziges Mal in seinem Buch über den Reichtum der Nationen verwendet hat, sie also bei dem geschworenen Pfaffenfeind Smith genau deshalb nur ironisch zu verstehen ist.[2]

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