Reichtum auf die feine britische Art

Firma, Staat und Clan – die Royals

spezial 1: kapital, reichtumsakkumulation & ideologie

Zwei Ereignisse der vergangenen Monate haben die britische Monarchie wieder in das Licht der internationalen Öffentlichkeit gerückt. Da war zum einen das Fernsehinterview der Aussteiger Harry und Meghan für die US-amerikanischen Talkmasterin Oprah Winfrey am 7. März, in welchem die Eheleute dem Königshaus Rassismus vorwarfen. Dem folgte am 9. April der Tod von Prinz Philip, dem Gemahl der amtierenden Königin Elizabeth II. Das Interview erinnerte daran, dass die britische königliche Familie ihren Spitznamen „The Firm“ – „die Firma“ – nicht umsonst trägt, dass sie materielle Interessen hat, diese nach außen und innen verteidigt und somit weitaus mehr als eine rein symbolische Personifizierung der britischen Staatsform ist. „Die Firma“ ist erstens Staatsform, zweitens Privatkonzern und drittens feudaler Clan, bei dem es sich eigentlich um das Adelsgeschlecht Sachsen-Coburg und Gotha handelt, 1917 aus patriotisch-kriegstechnischen Grü nden zu „Windsor“ anglifiziert.

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DER TARTUFFE

KAPITAL UND IDEOLOGIE – eine Inszenierung in Dresden

spezial 1: kapital, reichtumsakkumulation & ideologie

Am 2. Oktober 2021 wird am Staatsschauspiel Dresden meine Inszenierung mit dem sperrigen Titel „Der Tartuffe von Soeren Voima nach Molière und Kapital und Ideologie nach Thomas Piketty“ Premiere haben – niedrige Corona-Fallzahlen vorausgesetzt.

Mit Tartuffe hat Molière einen demagogischen Antihelden geschaffen, dem es gelingt, die bislang halbwegs intakte bürgerliche Familie von Orgon zu zerstören, indem er Orgon und dessen Mutter davon überzeugt, sich einer neuen Ideologie anzuschließen. In Molières Zeiten waren es die Auswüchse der Religion, die das Sozialgefüge der Gesellschaft beeinflussten und in neue Bahnen lenkten. Heute ist es die Ideologie der Ungleichheit, die unsere Gesellschaft prägt. Seit ungefähr 1980 ist es weltweit zu einem Siegeszug neoliberaler Ideologien gekommen, die bestehende Sozialsysteme attackieren. Vermögenssteuern wurden gesenkt oder abgeschafft, die Umverteilung des gesellschaftlichen Reichtums hat zu einer Spaltung der Gesellschaften geführt, praktisch in allen Teilen der Welt. Dies geschieht mit dem Versprechen, dass der zunehmende Reichtum der oberen ein bis zehn Prozent zum Wohlstand für alle führt.

Der französische Ökonom Thomas Piketty schreibt in „Kapital und Ideologie“ dazu: „Der weltweite Wiederanstieg der sozio-ökonomischen Ungleichheiten gehört zu den destruktivsten strukturellen Veränderungen, mit denen wir heute konfrontiert sind… Es gibt bei den Reichsten eine Einkommens- und Vermögenskonzentration, die offensichtlich außer Kontrolle geraten ist.“

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Kritischer Proprietarismus?

Thomas Piketty „Kapital und Ideologie“ – Versuch, einen Misserfolg zu erklären

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In seinem 2013 auf Französisch, 2014 auf Deutsch erschienenen Buch „Das Kapital im 21. Jahrhundert“ beschrieb Thomas Piketty eine Art U-Kurve: Die Ungleichheit bei Einkommen und Vermögen hatte im 19. Jahrhundert zugenommen und 1913 einen Höchststand erreicht, nahm seit dem Ersten Weltkrieg ab, wies zwischen 1950 und 1980 besonders niedrige Werte auf, stieg danach wieder an und kam 2013 fast wieder auf das gleiche Niveau wie hundert Jahre vorher. Armut der öffentlichen Haushalte verhindere aktuell eine nachhaltige Infrastruktur-, Sozial-, Umwelt und Bildungspolitik. Piketty plädierte deshalb für eine steuerpolitische Umverteilung. Sein Buch hatte große publizistische Resonanz und blieb praktisch wirkungslos. Letzteres veranlasste ihn dazu, nach den Ursachen seines – politischen – Misserfolges zu fragen. So entstand ein zweites Werk: „Kapital und Ideologie“. Hier werden die Gründe für die zähe Aufrechterhaltung von gesellschaftlicher Ungl eichheit untersucht. Sie seien ideologischer Art.

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Ungleichheit im Coronakapitalismus

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Das Corona-Virus greift nicht nur unsere Gesundheit an, es zerstört auch die Illusion, wir lebten in einer klassenlosen Gesellschaft mit gesicherter Wohlständigkeit all ihrer Mitglieder.

Die Pandemie brachte es an den Tag: Ohne seine ungeschmälerten Regeleinkünfte kommt ein großer Teil der Bevölkerung nicht einmal für ein paar Wochen aus. Und das trotz eines verhältnismäßig hohen Lebens- und Sozialstandards.

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Mehr Chefinnen in Unternehmen?

Brauchen wir Quotenfrauen in der Wirtschaft?

„Der Kulturwandel hat begonnen. Das Gesetz wird nicht nur für Frauen in Führungsgremien wirken. Es wird für alle Frauen wirken, die in den Unternehmen und im öffentlichen Dienst arbeiten“, so die damalige Bundeministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Manuela Schwesig, nachdem der Bundestag am 6. März 2015 das Gesetz über die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen in Führungspositionen in der Privatwirtschaft und im öffentlichen Dienst (FüPoG) beschlossen hatte. Sie war stolz darauf, dass die Auseinandersetzung im Bundestag gezeigt habe, „dass wir für Frauenrechte kämpfen müssen. Veränderung kommt nicht von allein.“ Und der damalige Bundesminister für Justiz und Verbraucherschutz, Heiko Maas, der das Gesetz mit vorgelegt hatte, wollte gar in die Geschichte eingehen, wie die Kämpferinnen für das Frauenwahlrecht beinahe 100 Jahre zuvor, wenn er kommentierte: „Die Frauenquote ist der größte Beitrag zur Gle ichberechtigung seit Einführung des Frauenwahlrechts. Nach der politischen Macht bekommen Frauen endlich einen fairen Anteil an der wirtschaftlichen Macht.“

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Wirft die Corona-Pandemie Frauen zurück?

Frauen als „Land of the Last Resort“

Die Arbeitswelt wurde kaum je so in den Strudel gezogen, wie wir das seit dem weltweiten Ausbruch der Corona-Pandemie im Frühling 2020 mitverfolgen können. Darüber hinaus wurden vor allem Lücken und Schwächen unserer gesellschaftlichen, sozialen und wirtschaftlichen Systeme sichtbar. Mit anderen Worten: Es handelt sich nicht einfach um eine Krise, die die Produktion oder die Finanzwelt beeinträchtigt. Wir sehen uns vor allem mit einer strukturellen Krise, die insbesondere Frauen in all ihren Lebensbereichen stark trifft, konfrontiert.

Die letzten Monate haben uns deutlich vor Augen geführt, was es alles braucht, damit Menschen der Produktion und dem Erwerbsarbeitsmarkt zur Verfügung stehen können. Nun haben Frauen das immer schon gewusst und die feministische Ökonomie ist sich dessen auch seit längerem bewusst. In den von der Pandemie gezeichneten Monaten wurde deutlich, dass Frauen in all ihren Lebensbereichen nachdrücklich getroffen wurden. Sei es als Frauen in ihrer Erwerbstätigkeit, wo sich einiges zu ihren Ungunsten verändert hat. Oder sei es im Bereich der Versorgungsarbeit in der Familie und im eigenen Haushalt.

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Misogynie (M)

ist nach Finanzkrise, Kurzarbeit, Mensch-Naturverhältnis und Kubanische Revolution das fünfte ausgewählte Stichwort aus der alphabetischen Stichwörtersammlung im Historisch-Kritischen Wörterbuch des Marxismus (HKWM), das wir hier auszugsweise zitieren. Der unmittelbare Zusammenhang zu den Artikeln von Therese Wüthrich und Gisela Notz in der Rubrik Feminismus und Ökonomie sticht ins Auge (auch dem Einäugigen, der unter den Blinden weiterhin als König gilt). Der hier wiedergegebene Ausschnitt aus dem HKWM enthält mehr als man bei Eingabe des Links: http://www.inkrit.de/e_inkritpedia/e_maincode/doku.php?id=m:misogynie zum Stichwort Misogynie findet, aber wesentlich weniger als im Original. Das ist in vier Abschnitte gegliedert und mit einer umfangreichen Bibliographie versehen – beginnend bei Aristoteles, Über die Zeugung der Geschöpfe bis zum WHO-Bericht “Global and Regional Estimates of Violence Against Women“. Es sei wiederum auf das Stich wort im InkriT verwiesen. Der Bestellvorgang wird auf dessen Website erläutert. (JHS)

E: misogyny. – F: misogynie. – R: ženonenavistni ˇ cestvo. – S: misoginia. Paolo Ercolani (FB)

HKWM 9/I, 2018, Spalten 1046-1051

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Der Spargel ist sicher

Das Elend der Erntehilfskräfte in Deutschland wurde verlängert

Homeoffice und Maskenpflicht – und dann auch noch keinen Spargel? Aber soweit ließ es Julia Klöckner nicht kommen.

Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner hat ihn gerettet – wie bereits im Jahr zuvor drohte Ausfall wegen der Pandemie, denn die verlässlichen Hilfskräfte hätten möglicherweise nicht einreisen können oder in Quarantäne gemusst – da reichte die Ministerin die rettende Hand und ließ den Bundestag per Gesetz die Aufenthaltsdauer von Saisonarbeitskräften für deren kurzfristige Beschäftigung von 90 auf 102 Tage verlängern.

Alles wieder gut? Kein Ernteausfall wegen fehlender Erntekräfte und Corona-Erkrankungen? Kein Gestümper mehr mit Schülerinnen und Schülern, Studierenden und Langzeiterwerbslosen, die für die erfahrenen, aber verhinderten ausländischen Kräfte einspringen und nach wenigen Tagen aufgeben – weil die Arbeit zu schwer und zu schlecht bezahlt ist?

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