„… das beste und klassischste Beispiel einer Geldkrise, die es je gegeben hat.“1

Als der Bankangestellte Edward Ludlow das Geld der Ohio Life Insurance and Trust Company in Eisenbahnaktien anlegte, konnte er nicht ahnen, dass er damit die erste weltweite Wirtschaftskrise auslösen würde. Es lief nämlich gut. Amerikanisches Getreide ernährte halb Europa, die Güterzüge zu den Häfen an der Ostküste der USA waren ausgebucht.

Aber nach Ende des Krimkrieges 1856 stieg die Nahrungsmittelproduktion in Europa wieder an und der Bedarf an Getreide aus Amerika nahm rapide ab. Die Preise verfielen, Transportkapazitäten blieben ungenutzt und die Kurse der Eisenbahnaktien brachen ein. Mit dem Bankrott der Ohio Company im August 1857 setzte der Niedergang der US-Wirtschaft ein, es kam zu einer Panik, Banken und Fabriken gingen Pleite.

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„Ach, wenn doch kein Maschin‘ nicht wär“*

Industrie 1.0 und der schlesische Weberaufstand

Am Beginn dessen, was wir Marxismus nennen, stand ein Streit. Er fand 1844 in der von Karl Marx geleiteten Redaktion des Vorwärts, Pariser deutsche Zeitung in Paris statt und er ging darum, was vom Aufstand im bisher gottergebenen Schlesien zu halten sei.

Was war geschehen? Anfang Juni 1844 zogen Familien der schlesischen Baumwollweber in Langenbielau und Peterswaldau zu ihren Verlegern, weil sie mit dem, was sie für das Garn bezahlten und für die fertigen Tuche erhielten, nicht leben und nicht sterben konnten. Sie verlangten Geld oder Lebensmittel und zerschlugen die Einrichtung von Haus und Fabrik ihrer Verleger, wenn sie es nicht erhielten. Nach drei Tagen kam das Militär und schoss diejenigen zusammen, die gerade zur Auszahlung anstanden.

Die Nachricht vom Aufstand verbreitete sich rasch in Europa und nicht nur in Paris wurde diskutiert, warum es zum Aufstand gekommen sei. Selbst die Konstrukteure der Communistenverschwörungen des 19. Jahrhunderts, die Polizei-Directoren Wermuth und Stieber, meinten im gleichnamigen Buch von 1853, dass „der Webertumult das Produkt wirklicher Nothzustände gewesen“ war.

Wir kennen dieses Elend vorwiegend durch das Theaterstück von Gerhart Hauptmann „Die Weber“, das fast fünfzig Jahre nach dem Tumult entstand und das wiederum Käthe Kollwitz zu ihren beeindruckenden Grafiken veranlasste.

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