Heft 46: Körper, Krankheit & Kapital

Editorial

Liebe Leserin, lieber Leser,

das Thema „Gesundheit“ oder dann „Krankheit“ steht in der Regel nicht oben auf der Liste linker oder gar marxistischer Positionen und Publikationen. Auch ist es in linken Parteien meist eher ein Thema für Spezialisten. Und Lunapark21 hat sich bislang nur einmal – und dies vor fünf Jahren – ausführlich mit diesem Thema beschäftigt. Damals – in Heft 22 vom Sommer 2013 – näherten wir uns dem Thema eher von „außen“: Es gab Beiträge zur Weltmacht der Pharmakonzerne, zur Lage der Kliniken, in diesem Zusammenhang zur „Ökonomisierung“ der Krankenhäuser (Stichwort: Fallpauschale), zum Aufstieg der privaten Krankenhauskonzerne und zur Sorgearbeit (und der Rolle der Frauen in dieser). In diesem Heft vor fünf Jahren fand sich auch ein – kurzer, einseitiger – Artikel von Wolfgang Hien.

weiterlesenHeft 46: Körper, Krankheit & Kapital

Heft 42: Karl Marx zum 200sten

Liebe Leserin, lieber Leser,

für Aufregung und Sonderkosten in Hohe von rund 2500 Euro sorgte bei der letzten Ausgabe von Lunapark21 eine juristische Auseinandersetzung um eine – von uns kurz vor der Auslieferung per Hand geschwärzte – Passage im Artikel von Urs-Bonifaz Kohler „Raubtierkapitalismus eben“, in dem dieser über den drohenden neuen Handelskrieg und ein Treffen des US-Präsidenten Donald Trump mit europäischen Wirtschaftsbossen, das Ende Januar am Rande des Weltwirtschaftsforums Davos stattfand, berichtete (LP41, S. 10). Uber diesen Polit- und Jura-Stress konnten wir nur die LP-Abonnentinnen und Abonnenten durch ein eingelegtes Blatt informieren. Ein halbes Dutzend Leser unterstützten uns mit Spenden, so dass wir einen größeren Teil der entstandenen Finanzdelle ausgleichen konnten. Das LP21-Team dankt dafür herzlich.

weiterlesenHeft 42: Karl Marx zum 200sten

Heft 39: 100 Jahre Oktoberrevolution

Liebe Leserin, lieber Leser,

ein Lunapark21-Schwerpunkt (LP21-Spezial) mit mehr als 30 Seiten, das gab es selten. Zusammen mit anderen Artikeln zu demselben Thema sogar 40 Seiten – das gab es noch nie. Und all das anlässlich „100 Jahre Oktoberrevolution“: Da könnte die Vermutung aufkommen, die LP21-Redaktion bestünde aus Orthodoxen oder gar Nostalgikern. Das ist mitnichten der Fall. Die LP21-Redaktion ist zum einen ein erheblich heterogen zusammengesetztes Team. Was in den Beiträgen im Spezial zum Ausdruck kommt. Und zum anderen schon gar nicht orthodox oder nostalgisch-leninistisch ausgerichtet. Wohl aber an Marx orientiert, was in erster Linie heißt: kritisch. Wir unterstellen grundsätzlich und bei diesem LP21-Spezial im Besonderen „Leser, die auch selbst denken wollen“. So übrigens Marx selbst im Vorwort zu Das Kapital. Erster Band. Siehe zu diesem anderen großen Jubiläum Jürgen Bönig auf den Seiten 69ff. Vor diesem Hintergrund haben wir andere – gute! – Cover-Vorschläge nicht auf das aktuelle Titelblatt befördert, um auch hier keinerlei (falsche) Anhaltspunkte für Orthodoxie zu bieten.

weiterlesenHeft 39: 100 Jahre Oktoberrevolution

LP21 Extra: Sommer 2017

LP21-Ex-14-15 web-GESAMT-1_Page_01Die deutsche Linke gilt als kulturlos. Wofür es gute Gründe gibt. Der Liedermacher Franz-Josef Degenhardt hat die Ursache benannt, ja besungen: „Wo sind unsere Lieder, unsere alten Lieder? […] Tot sind uns‘re Lieder, uns‘re alten Lieder. / Lehrer haben sie zerbissen / Kurzbehoste sie verklampft / braune Horden totgeschrien / Stiefel in den Dreck gestampft.“

Immer wieder, wenn wir in Italien, in Frankreich, in Spanien, in Portugal oder in Griechenland große antikapitalistische Bewegungen oder auch kleinere Kundgebungen erleben, dann spielt dort so gut wie immer Kultur, echte volkstümliche Kultur, eine große Rolle: Songs, Rockmusik, Trommeln, Feste, Gemälde, Wandmalerei usw. Da singen dann auch wir gerne mit: „O bella chiao“…

Doch in Deutschland ist eine gelungene Verbindung von linker Politik mit Kultur höchst selten. Dort, wo eine solche Verbindung zustande kam (im Kampf gegen das AKW in Wyhl – Walter Mossmann!) und auch heute noch zustande kommt (im Kampf gegen Stuttgart21! – unter anderem mit Bernd Köhler und ewo2; siehe Seite 70 in diesem Heft!), trug und trägt diese Kombination erheblich zur Stärkung der Bewegung und dazu bei, dass die Linke ihr traditionelles Ghetto durchbrechen.

Das neue Lunapark21-Extraheft versucht nun exakt dies: Kunst und linke Politik miteinander zu verbinden. Damit betreten wir zumindest als Lunapark21-Redaktion Neuland. Was jedoch weitgehend allgemein für die Linke im deutschsprachigen Raum gelten dürfte. Wobei wir dann gewissermaßen mit „Bordmitteln“ arbeiten: Präsentiert wird die Kunst von Joachim Römer, demjenigen, der nunmehr seit Gründung unserer Zeitschrift im Februar 2008 alle 38 Lunapark21-Ausgaben und zusätzlich ein gutes Dutzend Lunapark21-Extrahefte gestaltet hat.

Ich arbeite mit Joachim seit ziemlich genau 31 Jahren zusammen und konnte dabei verfolgen, wie sich seine gestalterischen Fähigkeiten im Rahmen höchst unterschiedlicher gemeinsamer Projekte (z.B. der Antikriegszeitung desert! 1991; der Zeitung gegen den Krieg – ZgK seit 1999, der Publikationen Faktencheck:HELLAS 2015 und FaktenCheck:EUROPA seit 2015) entwickelten.

Ganz wunderbar ist die jüngere Entwicklung – Joachims Kunst, die immer im Zusammenhang mit unserem gemeinsamen Engagement gegen Krieg und Zerstörung und für Frieden und Solidarität stand, wird zunehmend von Institutionen des Kulturbetriebs entdeckt und gewürdigt.

Zu den Kunstthemen in diesem Heft eine Bemerkung hinsichtlich ihrer Aktualität: Eine Mehrheit der deutschen Bevölkerung hält die Verschmutzung der Meere für das wichtigste Umweltthema. Erst an zweiter Stelle rangieren die Belastungen, die mit dem Straßenverkehr verbunden sind. Dies war zumindest 2016 das Ergebnis einer Umfrage – also aus der Zeit bevor das verschwörerisch-zerstörerische Wirken der Autobosse zum ganz großen Thema wurde.

Was aber, wenn beide Themen eng miteinander zusammenhängen? Spiegel.online berichtete am 22. Februar 2017 über eine Untersuchung der Weltnaturschutzunion (IUCN) zu den „Quellen des Mülls, der die Meere belastet“ und kam dabei zu folgendem Ergebnis: „Demnach verschmutzen zu einem großen Teil Plastik aus synthetischer Kleidung und Autoreifen die Ozeane. […] Die winzigen Teilchen, auch Mikroplastik genannt, sind weniger als fünf Millimeter groß und reiben sich beim Waschen oder Autofahren permanent ab. Irgendwann landen sie über Abwasser, Wind oder Regenwasser im Meer.“

Winfried Wolf
Chefredakteur Lunapark21

Probelesen: Rheinreisende | Bild-Text-Montage vor laufenden Kunstproduktionen