Stepan Bandera Prospekt in Kiew

Bandera – mitverantwortlich für Tausende Morde an polnischen und jüdischen Menschen

Der Kiewer Bandera-Prospekt steht symbolisch für Probleme und Fragestellungen ukrainischer nationaler Geschichtsschreibung, deren Wurzeln bis an den Beginn des 20. Jahrhunderts zurückführen. Stepan Bandera war Antisemit, Nationalist und Faschist.

Für den heutigen ukrainischen Nationalismus ist er vor allem deshalb relevant, weil er als Kämpfer gegen alle auswärtigen Mächte gesehen wird, die jemals der Existenz eines ukrainischen Nationalstaats im Weg gestanden haben. Zu diesem Geschichtsbild gehört auch ein Ignorieren der Beteiligung ukrainischer Nationalisten am Holocaust.

Dafür zeichnet der frühere Direktor des Ukrainischen Instituts für Nationale Erinnerung Wolodymyr Wjatrowytsch verantwortlich, der auch als Geschichtsminister tituliert wurde. Er gilt als Bandera-Sympathisant und war für die sogenannte Entkommunisierungspolitik verantwortlich. Damit wurden sowjetische Relikte aus dem öffentlichen Raum entfernt und durch nationalistische Namensgebungen ersetzt.

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Obdachlosigkeit – strukturelle Gewalt in einem reichen Land

Obdachlosigkeit ist neben dem (Ver-)Hungern, (Ver-)Dursten, dem (Er-)Frieren und dem Fehlen einer medizinischen Grundversorgung die krasseste Form der Armut, wobei die genannten Leidenszustände von Menschen oft miteinander verbunden sind. Entgegen dem vorherrschenden Armutsbild gibt es diese existenzielle Not nicht bloß in den Entwicklungsländern des globalen Südens, sondern auch in der Bundesrepublik. Menschen, die in einem so reichen Land keine Wohnung haben und obdachlos werden, sind „struktureller Gewalt“ (Johan Galtung) ausgeliefert.

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8. März Warum der Internationale Frauentag an diesem Datum gefeiert wird

Seit 1911 feiern Frauen den „Internationalen Frauentag“, an dem weltweit auf Frauenrechte und die Notwendigkeit der Gleichstellung der Geschlechter aufmerksam gemacht wird. Der Tag soll die bisherigen Errungenschaften der Frauenrechtsbewegung feiern, die Aufmerksamkeit auf bestehende Ungleichheiten richten und dazu ermuntern, sich für Geschlechtergerechtigkeit einzusetzen. Auch in diesem Jahr fanden wieder zahlreiche Veranstaltungen statt. Die Frage, die uns immer wieder gestellt wird, ist: Warum findet der Internationale Frauentag am 8. März statt? Sie ist nicht ganz einfach zu beantworten: 

Beschlossen wurde der Frauentag auf der II. Internationalen Konferenz sozialistischer Frauen am 26. und 27. August 1910 in Kopenhagen von mehr als 100 Sozialistinnen aus 17 Nationen, allen voran die Sozialdemokratin Clara Zetkin und die Gewerkschafterin Käte Duncker. Die sowohl von Gewerkschaftsseite als auch von Seiten der Sozialdemokratinnen vorbereitete Resolution wurde einstimmig angenommen. Die Aktivistinnen erhofften, durch den weltweit durchzuführenden Aktionstag, den außerparlamentarischen Druck für die Durchsetzung von Frauenrechten – vor allem für das uneingeschränkte Frauenwahlrecht – zu erhöhen.

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Nur in Europa möglich: kontinentweites Bahnreisen

Ein echtes europäisches Bahnnetz als Alternative zum Fliegen

In Anbetracht der Klimakrise können wir uns zukünftig nur noch einen Bruchteil der heutigen Flugreisen leisten (siehe dazu auch „Flüge statt Züge“ in Lunapark21 56, S. 52/53). Diese wenigen Reisen müssen zudem aus Gerechtigkeitsgründen auf wesentlich mehr Menschen als bisher aufgeteilt werden, da ein großer Teil der Menschheit bis heute noch nie in einem Flugzeug gesessen hat, während ein kleiner Teil aus den reichen Industrieländern massive Emissionen mit teilweise mehreren Flugreisen pro Jahr verursacht. Wenn wir einigermaßen klimafreundlich leben wollen, wird für jede und jeden von uns maximal eine Flugreise im Abstand mehrerer Jahre möglich sein. Diese Flüge machen dann nur für solche Strecken Sinn, die kaum anders zurückgelegt werden können – etwa Transatlantikreisen. Das heißt im Umkehrschluss, dass wir auf Flugreisen innerhalb Europas weitgehend verzichten müssen. Ein solcher Verzicht würde sogar breite Unterstützung finden: Fast zwei Drittel der EU-Bürger gaben in einer Umfrage an, dass sie ein Verbot von Kurzstreckenflügen als Klimaschutzmaßnahme befürworten würden – sogar mit einer sehr großzügigen Definition von „Kurzstrecken“ als solchen mit 12 Stunden Bahnfahrt.1

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Nemesis

Roman einer Epidemie

Inzwischen ist es zu spät. Er hat ihn nicht bekommen. Jahrelang hatten Feuilletonisten im Vorfeld der Vergabe des Literatur-Nobelpreises auf Philip Roth gesetzt. Vor vier Jahren, im Mai 2018, ist Roth im Alter von 85 Jahren in New York gestorben.

Schon sein erster Roman „Goodbye, Columbus“, den er 1959 veröffentlichte, war ein Erfolg. 26 weitere folgten. 2010 erschien „Nemesis“. Es war Roths letztes Buch. Danach fehlte ihm die Kraft für eine längere intensive Arbeit.

Mit seinen autobiographisch inspirierten Roman-Zyklen schuf er ein prägnantes Tableau US-amerikanischer Zeitgeschichte. „Nemesis“ ist mit gut 200 Seiten ein schlanker Roman, und wenn er auch ein Bestseller wurde, so kam er vielleicht doch zehn Jahre zu früh heraus.

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Die Atom-Illusion

Riesen Bohei um kleine Reaktoren. Was steckt hinter „Small Modular Reactors“?

„Wir bieten eine Option, um die Welt zu retten“, verspricht Boris Schucht. Der 54-Jährige ist CEO des britisch-deutsch-niederländischen Atomkonzerns Urenco. Das Unternehmen, das im nordrhein-westfälischen Gronau die zweitgrößte Urananreicherungsanlage der Welt betreibt, gehört zu den Marktführern für nukleare Brennstoffe.

Seit einigen Jahren arbeitet Urenco außerdem intensiv an der Entwicklung eines Mini-Reaktors und liegt damit voll im Branchentrend. Kleine Reaktoren sollen die angeschlagene Atomindustrie retten oder – glaubt man den Verheißungen der Atomlobby – das Klima, die Energieversorgung, den Wohlstand, die Menschheit oder eben auch gleich die ganze Welt.

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Nicaragua:

Das traurige Ende der Sandinistischen Revolution

Das politische Experiment, das am 19. Juli 1979 mit der Eroberung der Macht der Sandinistischen Befreiungsfront FSLN begann, wurde nach einer völlig manipulierten Wahlfarce und der erneuten Übernahme der Präsidentschaft durch Daniel Ortega am 10. Januar 2022 unwiderruflich zu Grabe getragen. Der gesellschaftliche Aufbruch der 1980er Jahre, der als Sandinistische Revolution in die Geschichte einging, sollte den sozialen Wandel, politische Freiheit und Christentum miteinander verschmelzen. Er wurde mehrheitlich von einer enthusiastischen Bevölkerung getragen und erwarb weltweite Unterstützung bis weit in das liberale Lager hinein. Von einer ganzen politischen Generation der Linken wurde diese Revolution als Modell für kommende Emanzipationsprozesse angesehen. Davon ist nichts mehr übriggeblieben. Ortega und seine Ehefrau und Vizepräsidentin Rosario Murillo haben das Land in ein großes Gefängnis verwandelt. Es herrschen Angst und Schrecken. Anfang Februar d ieses Jahres begannen Scheinprozesse gegen eine Reihe von politischen Häftlingen. Die ersten von ihnen wurden wegen friedlicher oppositioneller Meinungsäußerungen zu Gefängnisstrafen zwischen 8 und 15 Jahren verurteilt. Der ehemalige Guerillakommandant der FSLN Hugo Torres ist am 12. Februar 2022 im Gefängnis verstorben. Ortega kann seine Herrschaft nur noch mittels seiner Kontrolle über das Militär, die Polizei und die ihm treu ergebenen Paramilitärs aufrechterhalten.

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Drei Säulen

Vom schweizerischen Vorzeigemodell der Altersvorsorge zu Renten im Sinkflug

Das schweizerische Drei-Säulen-Modell in der Altersvorsorge kann 2022 auf eine 50-jährige Geschichte zurückblicken. Vor einem halben Jahrhundert sprachen sich drei Viertel der Stimmbevölkerung für die Einführung dieses Modells aus, das auf der Alters- und Hinterbliebenenversicherung, AHV (obligatorische Versicherung nach dem Umlageverfahren), betrieblichen Pensionskassen und freiwilliger Eigenvorsorge fußt. Ein Modell, das jahrelang auch international eine Vorzeigerolle in der Altersvorsorge eingenommen hat. Nun ist dieses Modell nach 50 Jahren heftigeren Angriffen ausgesetzt als je zuvor.

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Inszenierung der Albträume

Zu den Protesten gegen Maßnahmen der Seuchen-Bekämpfung

Helmut Dahmer

Die Tradition aller toten Geschlechter lastet wie ein Alp auf dem Gehirne der Lebenden. (Karl Marx)

Im Frühjahr 1945, als ihnen dämmerte, dass es mit dem verhießenen „Endsieg“ nichts würde, suchten viele der „hauptbelasteten“ Nazis ihr Heil in der Flucht – etwa über die „Ratten-Linie“ nach Lateinamerika –, andere tauchten unter und legten sich flugs eine „neue“, falsche Identität zu. Die Mehrheit unserer Landsleute aber flüchtete sich ins „Vergessen“. Diese mehr oder weniger geglückte, angestrengte „kollektive Amnesie“ hielt ein paar Jahrzehnte lang vor, so dass Optimisten sogar den Eindruck gewinnen konnten, der „Antisemitismus ohne Juden“ sei an ein Ende gekommen. Im Gefolge der libertären Minderheiten-Revolte der 68er begann dann ein langwieriger „Aufarbeitungs“-Prozess der verschütteten Geschichte der fatalen zwölf Jahre, der, wie die Wiederkehr faschistischer Terroristen und Parteien zeigt, der intergenerationell tradierten „autoritären“ Mentalität etwa eines Drittels der Bevö lkerung keinen Abbruch getan hat. Die seit 1945 eingeübte Fähigkeit, die NS-Vergangenheit zu „vergessen“, trifft auch deren Wiedergänger. Anders ist weder das „Erstaunen“, das die Bevölkerung und die Repräsentanten der drei Gewalten bei jedem neuen Terrorakt, jedem Waffenfund und jedem „neo“-faschistischen „Chat“ überkommt, zu erklären noch die Unfähigkeit und der Unwille, die NSU-Bande zu verhaften und ihr Unterstützer-Feld aufzurollen.

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Lüge

In dieser Rubrik bringt Lunapark21 jeweils einen Eintrag aus dem Historisch-Kritischen Wörterbuch des Marxismus (HKWM). Das HKWM erschien mit seinem ersten Band 1994, begründet und herausgegeben vom Philosophen Wolfgang Fritz Haug. Das Berliner Institut für kritische Theorie (InkriT) betreut seitdem das Projekt und sagt dazu: „Neben der Arbeiterbewegung und den sozialistischen und kommunistischen Erfahrungen sind es u.a. die Fragen der Umweltproblematik und vor allem der Frauenbewegung, die Eingang gefunden haben. Auch die Befreiungstheologie und die Fragen der postkolonialen »Dritten Welt« nehmen einen substanziell gefüllten, beträchtlichen Raum ein.“ Die Beitrage in der Nachfolge von Marx und Engels stehen mithin in einer Tradition des offenen, zukunftsfähigen Denkens.

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