Heft 42: Karl Marx zum 200sten

Liebe Leserin, lieber Leser,

für Aufregung und Sonderkosten in Hohe von rund 2500 Euro sorgte bei der letzten Ausgabe von Lunapark21 eine juristische Auseinandersetzung um eine – von uns kurz vor der Auslieferung per Hand geschwärzte – Passage im Artikel von Urs-Bonifaz Kohler „Raubtierkapitalismus eben“, in dem dieser über den drohenden neuen Handelskrieg und ein Treffen des US-Präsidenten Donald Trump mit europäischen Wirtschaftsbossen, das Ende Januar am Rande des Weltwirtschaftsforums Davos stattfand, berichtete (LP41, S. 10). Uber diesen Polit- und Jura-Stress konnten wir nur die LP-Abonnentinnen und Abonnenten durch ein eingelegtes Blatt informieren. Ein halbes Dutzend Leser unterstützten uns mit Spenden, so dass wir einen größeren Teil der entstandenen Finanzdelle ausgleichen konnten. Das LP21-Team dankt dafür herzlich.

Natürlich bleiben wir am Thema dran. In diesem Heft findet sich die Tonbandabschrift der gehaltvollen Gespräche, die bei diesem Treffen Donald Trump, der WEF-Organisator Klaus Schwab und 15 Wirtschaftsbosse, darunter Joe Kaeser von Siemens, führten. Diese Trump-Davos-Files unterstreichen die Grundaussage des Urs-Bonifaz Kohler-Artikels: „Raubtierkapitalismus eben“.

Als bei der Debatte darüber, was denn Thema der „Quartalslüge“ in der aktuellen LP21-Ausgabe sein konnte, „Migration“ genannt wurde, gab es den Zuruf „Aber das hatten wir doch schon mehrmals“. Stimmt: Zwei Quartalslügen waren diesem Thema gewidmet; allerdings nie der Entwicklung der Flüchtlingszahlen in Deutschland. Auf dem Hohepunkt der sogenannten Flüchtlingskrise, in Heft 31 vom Herbst 2015, stellten wir die Zu- und Abwanderungen in Deutschland in ein Verhältnis zur Entwicklung der Arbeitslosen; beides ergänzte sich. In der QaLü in Heft 40 dokumentierten wir dann einen erhellenden Zusammenhang zwischen der Entwicklung der weltweiten Flüchtlingszahlen und den weltweiten Waffenexporten. In diesem Heft also, auch als Üntersetzung des Kommentars auf den Seiten 6 und 7, die Fieberkurve der Asylanträge in Deutschland vor dem Hintergrund der Kriege in jüngerer Vergangenheit.

Elmar Altvater ist tot. Mit ihm verlor die marxistische Wissenschaft einen hervorragenden und äußerst kreativen Denker und die Linke einen überzeugenden und höchst sympathischen Mitstreiter. Altvater beteiligte sich in Lunapark21 an der Debatte über das Pro und Contra eines Euro-Ausstiegs (Heft 22). In diesem Heft würdigt Ulrich Brand Arbeit und Leben von Altvater. Wenn wir diesen Beitrag als Teil des LP21-Spezial zu „marx200“ bringen, dann mit voller Absicht: Altvater leistete einen wesentlichen Beitrag zur Wiederbelebung, Weiterentwicklung und zur weiten Vermittlung des Marxismus (siehe Seite 50ff). Ich verdanke Elmar viel – beginnend mit einem Kapital-Arbeitskreis in der Westberliner Handjery-Straße Anfang der 1970er Jahre. Mein Diplom in Politik, das ich 1974 am Otto-Suhr-Institut in Westberlin ablegte, trägt Elmar Altvaters Unterschrift. Bei vielen Debatten, die im Wissenschaftlichen Beirat von Attac in jüngerer Zeit stattfanden, vertraten wir gemeinsame Positionen – so in den letzten Jahren in unserer Kritik an einer Instrumentalisierung des Antisemitismus-Vorwurfs in der Linken. „Die Welt kann man nicht verändern, ohne die Macht zu ergreifen – oder man liefert sich den heute Mächtigen und ihren Interessen aus. Doch wäre umgekehrt die Auffassung eine Illusion, dass zunächst die ´Macht´ ergriffen werden muss, um dann die notwendigen Veränderungen in und an der Gesellschaft vorzunehmen. Nein, die andere Welt wächst mit der Praxis sozialer Bewegungen im Inneren des Kapitalismus gegen die Machte des Status quo heran.“ (E. A. in: „Das Ende des Kapitalismus wie wir ihn kennen“).

Wir werden im Sinne von Elmar unser Engagement für eine solidarische Alternative zum Kapitalismus fortsetzen.

Winfried Wolf

LP21-Chefredakteur