Mandels Eupener Kolleg

Der Berg ging zum „Propheten“ – Ein Trotzkist und die Umwelt

Aachener Volkszeitung vom 22. März 1973

Von Marcel Bauer

Eupen* – Ernest Mandel streift um die deutschen Grenzen. Der bekannte Wirtschaftstheoretiker, Bürgerschreck und geistiger „Brandstifter“ sprach im Eupener Kurhotel Pauquet zum Thema „Umweltverschmutzung, technologischer Sachzwang und Kapitalismus“. Den Sekretär der trotzkistischen 4. Internationale hatte der Deutschostbelgische Hochschulbund geladen, eine akademische Verbindung, die sicherlich nicht im Geruch linker Umtriebe steht. Die Kunde vom Meister hatte sich offenbar wie ein Lauffeuer im Aachener Milieu herumgesprochen, denn das erste Hotel am Platz konnte den Ansturm kaum bewältigen. Abenteuerliche Typen hinter drapierten Jalousien! Mandel, mit kurzem Haarschnitt, Krawatte und Strickpullover fiel optisch aus der Rolle. Am Pressetisch schrieb der Geheimdienst mit.

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Er mochte die Beatles. Und er konnte tanzen; 1986 auf dem Gründungsparteitag der Vereinigten Sozialistischen Partei sogar solo auf geräumtem Parkett.

Sein Lieblingssong war „Baby You Can Drive My Car“, was überrascht angesichts seines Engagements gegen die Autogesellschaft. Die Zeile ließe sich aber auch dahin interpretieren, dass er den Wagen, den er nicht mehr braucht, anderen überlässt.

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Finanzmärkte

In dieser Rubrik bringt Lunapark21 jeweils einen Eintrag aus dem Historisch-Kritischen Wörterbuch des Marxismus (HKWM). Das HKWM erschien mit seinem ersten Band 1994, begründet und herausgegeben vom Philosophen Wolfgang Fritz Haug. Das Berliner Institut für kritische Theorie (InkriT) betreut seitdem das Projekt und sagt dazu: „Neben der Arbeiterbewegung und den sozialistischen und kommunistischen Erfahrungen sind es u.a. die Fragen der Umweltproblematik und vor allem der Frauenbewegung, die Eingang gefunden haben. Auch die Befreiungstheologie und die Fragen der postkolonialen »Dritten Welt« nehmen einen substanziell gefüllten, beträchtlichen Raum ein.“ Die Beiträge in der Nachfolge von Marx und Engels stehen mithin in einer Tradition des offenen, zukunftsfähigen Denkens.

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„Wir entwickeln eine nachhaltige Wirtschaft“

quartalslüge II/MMXXIII

„Zu einer nachhaltigen Lebensweise gehört so ziemlich alles, was wir im Leben so treiben. Zuerst haben wir selbstverständlich nachhaltige Ideen, mit denen wir dann eine nachhaltige Entwicklung beginnen. Daraus entwickeln wir eine nachhaltige Wirtschaft mit nachhaltiger Wirtschaftsweise.“ Endlich bewegt sich etwas. Und wenn wir den Versprechungen des Ökostromanbieters Naturstrom Glauben schenken wollen, kommt es noch besser: „Diese nachhaltige Wirtschaft schafft jede Menge nachhaltige Produkte aus nachhaltigen Rohstoffen, erzeugt nachhaltige Energie mit nachhaltigen Energiesystemen. Mit unserem Geld führen wir ein nachhaltiges Konto bei unserer nachhaltigen Bank, die sich um unsere nachhaltigen Finanzen kümmert und nachhaltig für uns vorsorgt. Die nachhaltige Bank tätigt ausschließlich nachhaltige Investitionen. Wir bauen auch nachhaltig und verwenden nur nachhaltige Wärme für unsere Wohnungen. Im nachhaltigen Urlaub sind wir nachhaltig unterwegs  und reisen auch sonst nachhaltig.“ Reicht, oder? Was sich wie eine Satire liest, ist durchaus ernst gemeint, und Naturstrom ist noch nicht am Ende: „Unser Nachhaltigkeitsengagement macht vor nichts halt, dazu entwickeln wir Nachhaltigkeitskriterien und legen Nachhaltigkeitsstandards fest, z.B. für nachhaltige Lieferketten mit nachhaltigem Lieferkettengesetz.“

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eingeblättert

Altersweise

Die Spezielle Relativitätstheorie publizierte Albert Einstein im Alter von 26 Jahren. Mit 36 schloss er die Allgemeine Relativitätstheorie ab. Die Zwanziger und Dreißiger waren seine produktivsten Jahre. Und das sind sie für die allermeisten Menschen. „Jetzt möchte ich gern in Ruhe vertrotteln“, gestand Einstein später.

Im Jahr 2010 lag die Fertilitätsrate in 98 Ländern unterhalb des zur Stabilisierung der Bevölkerungszahl nötigen Faktors von 2,1. Im Jahr 2021 blieben 124 Länder unter dieser Marge. Besonders niedrig ist die Fertilitätsrate in Italien und Japan, und in Südkorea liegt sie sogar nur bei 0,8. Selbst Indien kommt inzwischen auf knapp unter 2,1.

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Brief an unsere Abonnent:innen

Betr.: Das letzte Heft von Lunapark21

Juni 2023

Liebe Abonnentinnen und Abonnenten,

das Heft 62, die vorliegende Ausgabe der Lunapark21, ist das letzte. Ohne den Chefredakteur Winfried Wolf, der im Mai 2023 verstorben ist, sehen wir keine Möglichkeit, die Zeitschrift weiterzuführen. Unsere ausführliche Erklärung dazu ist im Editorial zu finden.

Wir bedanken uns bei allen Leserinnen und Lesern für ihr Interesse und ihre Treue. Ihr Zuspruch spornte uns immer wieder aufs Neue an, unsere Kraft für Lunapark21 einzusetzen, was zum weitaus größten Teil unentgeltlich geschah.

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Inhalt Abschlußheft 62

erscheint am 10. Juli 23

Heftseite/Titel/AutorIn/Online-Datum

3 · Editorial · André Geicke und Joachim Römer · 10.7.23

globaler lunapark

6 · Eingeblättert in den Alltag des systematischen Wahnsinns · 12.7.23

quartalslüge II/MMXXIII

8 · „Nachhaltigkeit“ · 14.7.23

welt & bild

9 · Fotografien von Barbara Straube · 16.7.23

welt & wirtschaft

12 · Schwächelnde Banken · Lucas Zeise · 18.7.23

14 · Credit Suisse · Jürgen Hahn-Schröder · 20.7.23

15 · Enttäuschung: Modern Monetary Theory · Sebastian Gerhardt · 22.7.23

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Wir trauern um Winfried Wolf


04.03.1949 – 22.05.2023

Liebe Freundinnen und Freunde,

Unser Freund und Genosse Winfried Wolf ist gestern am  22.05.2023 in Berlin gestorben.
Die Zeit, die er nach seiner schweren Erkrankung im Frühjahr 2021 noch gewinnen wollte, um seine Projekte in verschiedenen Bewegungen und Bündnissen fortzuführen, war ihm in diesem Frühjahr nicht mehr gegeben.
Wir empfinden einen schweren Verlust, dessen ganze Bedeutung wir vermutlich noch gar nicht ermessen können.
Und wir sprechen seinen Angehörigen unser herzliches Beileid aus.

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Energie

historisch-kritisches wörterbuch des marxismus

In dieser Rubrik bringt Lunapark21 jeweils einen Eintrag aus dem Historisch-Kritischen Wörterbuch des Marxismus (HKWM). Das HKWM erschien mit seinem ersten Band 1994, begründet und herausgegeben vom Philosophen Wolfgang Fritz Haug. Das Berliner Institut für kritische Theorie (InkriT) betreut seitdem das Projekt und sagt dazu: „Neben der Arbeiterbewegung und den sozialistischen und kommunistischen Erfahrungen sind es u.a. die Fragen der Umweltproblematik und vor allem der Frauenbewegung, die Eingang gefunden haben. Auch die Befreiungstheologie und die Fragen der postkolonialen »Dritten Welt« nehmen einen substanziell gefüllten, beträchtlichen Raum ein.“ Die Beiträge in der Nachfolge von Marx und Engels stehen mithin in einer Tradition des offenen, zukunftsfähigen Denkens.

Energie (E) nach Krieg und Frieden, Lüge, Finanzkrise, Kurzarbeit, Mensch-Naturverhältnis, Kubanische Revolution, Misogynie, Landnahme, Klimapolitik und militärisch-industrieller Komplex das elfte ausgewählte Stichwort aus der alphabetischen Stichwörtersammlung des HKWM, das wir hier auszugsweise zitieren. Dieser wiedergegebene Ausschnitt enthält mehr als man bei Eingabe des Links: http://www.inkrit.de/e_inkritpedia/e_maincode/doku.php?id=e:energie zum Stichwort Energie findet, aber wesentlich weniger als im Original. Das ist in mehrere Abschnitte gegliedert und mit einer umfangreichen Bibliographie versehen. Der Bestellvorgang wird auf der Website des InkriT erläutert. (JHS)

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Mensch und Natur

Eine gescheiterte Beziehung?

Fotos von Barbara Straube

Manche haben es immer noch nicht bemerkt – die Klimakrise ist in vollem Gange: Monokultur, Dürre, Artensterben, Emissionen, Flutwellen, Plastikmüll, Eisschmelze, Brände, Waldsterben, Meereserwärmung, endloses Verbrennen von fossiler Energie, überbordendes Wachstum … sehenden Auges geht es in die Katastrophe. Doch in allen Lebensbereichen finden sich widerständige Menschen mit Mut, Sachverstand und zukunftsträchtigen Ideen. In diesem Sinne schenkte 1914 Carl Reiß, ein Mannheimer Unternehmer, der Stadt eine Rheininsel. Ursprünglich wollte er dort eine Ziege-lei errichten. Doch die Schönheit der Natur hatte ihn überzeugt und er ließ den Plan fallen.

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