150 Jahre Küche für alle – 150 Jahre politisches Kochen

„Das Private ist (auch) politisch“, dieser Slogan der „neuen Frauenbewegungen“ hat sich herumgesprochen, seit sich die Frauen gegen die Nicht-Beachtung der abgespalteten Reproduktionsaufgaben, die sie daran hinderten, bei der politischen Arbeit eine gleichberechtigte Rolle einzunehmen, zu Wehr gesetzt haben. Die Gebärfähigkeit sollte Frauen nicht länger zum gesellschaftlichen Nachteil gereichen und Kindererziehung nicht länger Privataufgabe der Mütter sein, sondern als gesellschaftliche Aufgabe betrachtet werden. Aber das Kochen? Wieso ist das Kochen politisch? Kochen ist ein wichtiger Bestandteil der Hausarbeit und Hausarbeit ist ein wichtiger Teil der in den letzten Jahren oft zitierten Care-Arbeit, durch deren Sichtbarmachung und Aufwertung sich Aktivistinnen und Wissenschaftlerinnen gar die „Care-Revolution“ erhoffen. Care-Arbeit ist Sorgearbeit und bezieht sich auf alle bezahlt und unbezahlt geleisteten Tätigkeiten, bei denen Menschen für Andere sorgen oder für die alltägliche Versorgung anderer Menschen zuständig sind. Care-Arbeit ist gesellschaftlich nicht gleichmäßig verteilt, sie ist geschlechtsspezifisch und klassenspezifisch geteilt und wird hauptsächlich von Frauen geleistet: Einerseits von Hausfrauen und andererseits von Dienstmädchen. Care-Arbeit gehört zur Care-Ökonomie. Demnach ist auch Kochen Teil der Care-Ökonomie.

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Ein Jahr Frauenquote

Was hat uns ein Jahr Frauenquote gebracht?

Am 1. Mai diesen Jahres wurde das „Gesetz für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern an Führungspositionen“ ein Jahr alt. Niemand scheint die Quote in den Aufsichtsräten, die seitdem in Kraft ist, gefeiert zu haben, kein DGB-Vorsitzender hat sie bei seinen Reden zum kämpferischen ersten Mai auch nur erwähnt. Und  Bundesfrauenministerin Manuela Schwesig (SPD), die just an diesem 1. Mai 2016 nach ihrer Babypause ins Ministerium zurückgekehrt ist, verhielt sich auch erstaunlich still. Dabei war es vor einem Jahr, der wichtigste Erfolg, den sie im Gerangel mit dem Koalitionspartner errungen hat.

Einfach war es nicht,

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Die (Un)vereinbarkeit von Familie und Beruf

Aus: LunaPark21 – Heft 31

„Denn in der Familie stecken die Frauen. Sie sollen wirken für das öffentliche Leben, aber man soll ihrer dabei nicht ansichtig werden, denn sie sollen zu Hause bleiben“. Das ist eine eindeutige Ansage und sie stammt vom ersten deutschen Familiensoziologen Wilhelm Heinrich Riehl, aus seinem Buch: „Die Familie“ von 1855. Riehl bezog klare Positionen; die Vereinbarkeit war einfach, die Frau gehört in die Familie, der Mann geht hinaus ins feindliche Leben. Die Großfamilie, das viel zitierte „ganze Haus“ bröckelte gerade und war in der Krise. Aus der Krise entstand die Kleinfamilie, wie wir sie heute kennen und wie sie überall an die Plakatwände geklebt wird: Vater, Mutter und ein Kind oder mehrere.

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Aufbruch der Frauen – ausgebremst

70 Jahre Tag der Befreiung. (Wieder)Aufbau nach dem Zweiten Weltkrieg

Gisela Notz in Lunapark21 – Heft 30

Anlässlich des 70. Jahrestages nach Kriegsende häuften sich die Ausstellungen, Veranstaltungen und Gedenkfeiern. Die Bilanz des Zweiten Weltkrieges ist erschütternd: Über 60 Millionen Menschen starben, mehr als sechs Millionen europäische Juden, zehntausende Sinti und Roma, Menschen mit Behinderung, politisch Andersdenkende und Homosexuelle waren verfolgt und getötet worden. 17 Millionen Menschen waren verschollen, weite Teile Europas zerstört.

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Es geht um Geld: Sozial- und Erziehungsberufe aufwerten

Gisela Notz. Lunapark21 – Heft 29

Die Gewerkschaften im Bildungsbereich knüpfen mit ihrer Kampagne, die noch im März 2015 mit Warnstreiks beginnen und nach Ostern in Streiks übergeführt werden soll, an die Tarifauseinandersetzung von 2009 an. Sie berufen sich auf die immer weiter steigenden Anforderungen in diesen Berufen und die qualitativ hochwertige Ausbildung.

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woman-power

Internationalen Frauentag am 8. März 2015 in Berlin
Gisela Notz. Lunapark21 – Heft 29

Eingeladen waren alle, die sich von den patriarchalen Strukturen eingeschränkt fühlten. Es war eine mächtige und bunte Demonstration am 8. März 2015 in Berlin. Das Bündnis Frauen*kampftag, ein breiter, heterogener Zusammenschluss aus feministischen Zusammenhängen, Jugendorganisationen, Parteien, Gewerkschaften, Verbänden und Einzelpersonen hatte dazu aufgerufen. Es begreift sich als Teil einer Gegenwehr und des Kampfes für ein selbstbestimmtes und besseres Leben: Solidarisch, kritisch und offensiv gegen die bestehenden Verhältnisse.

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Das Märchen von der friedfertigen Frau

Sozialistinnen an der „Heimatfront“ im Ersten Weltkrieg
Gisela Notz. Lunapark21 – Heft 26

In den zahlreichen Büchern und Artikeln, die 100 Jahre nach der Auslösung des Ersten Weltkrieges erscheinen, wird die Rolle der Frauen kaum beleuchtet. Wenn überhaupt, dann galten sie als Schutzbedürftige, bedauernswerte Witwen, die nun ohne Männer leben mussten, oder als Mütter, die ihre Söhne „verloren” haben; selten auch als Beuteobjekte der gegnerischen Krieger. Waffentragen und Kriegsführen waren männliches Recht, Pflicht und Privileg zugleich.

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Zwischen Selbstverwirklichung und Armut

„Alleinstehende“ Frauen: Legendenbildung und Situation
Gisela Notz. Lunapark21 – Heft 24

Der Begriff „alleinstehende Frauen“ bezeichnet Frauen, die ohne einen Mann und ohne minderjährige Kinder in der Wohnung leben. In der Statistik ist „alleinstehend“ ein Begriff für Ein-Personen-Haushalte. Frauen werden oft bedauert, weil sie nicht den „richtigen“ Partner gefunden haben, weil sie gewissermaßen auf einem Bein stehen. Einsamkeit im Alter ist angeblich vorprogrammiert und es geht die Mär, dass insbesondere an Weihnachten, dem „Fest der Liebe“, diese Spezies Mensch in einem Tal der Tränen versinkt.

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Die Sozialdemokratie und das Recht der Frauen auf Erwerb

Gisela Notz. Lunapark21 – Heft 23

Die SPD feiert in diesem Jahr ihr 150 jähriges Jubiläum. Sie bezieht sich damit auf den 23. Mai 1863, der als Geburtsstunde der deutschen Sozialdemokratie als Partei in Deutschland gilt. An diesem Tag wurde der Allgemeine Deutsche Arbeiterverein (ADAV) mit seinem Präsidenten Ferdinand Lassalle (1825 – 1864) gegründet. Es ist aber ebenso wenig richtig, Lassalle als Gründer der deutschen Arbeiterbewegung zu bezeichnen, wie das Jahr 1863 als Beginn der Arbeiterbewegung zu sehen. Den Verdienst teilen sich viele, zum Teil namenlose Personen.

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Ein Jahr nach der Pleite

Verkäuferinnen der ehemaligen Drogeriekette Schlecker gründen Genossenschaften
Gisela Notz. Lunapark21 – Heft 22

Die Massenentlassungen nach der Insolvenz bei Europas größter Drogeriekette Schlecker im Frühjahr 2012 gehörten zu den größten Entlassungswellen innerhalb der Geschichte der Bundesrepublik. Sie trafen rund 27000 Menschen; es waren fast ausschließlich Frauen betroffen.

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