Kampf um die Pole Position

Private Krankenhauskonzerne bereiten sich auf Zukäufe vor
Daniel Behruzi. Lunapark21 – Heft 22

In Deutschland droht eine neue Welle von Krankenhausprivatisierungen. Dabei ist der Anteil privat betriebener Klinikbetten schon jetzt höher als in den USA. Ihre Zahl hat sich binnen eines Jahrzehnts nahezu verdoppelt, auf mehr als 87000.(siehe Grafik) Nach einer Phase mit weniger Privatisierungen ist angesichts von Schuldenbremse und kommunaler Haushaltskrise eine erneute Zunahme zu erwarten (siehe den Beitrag von Manfred Dietenberger in diesem Spezial). Im Rennen um die profitabelsten Anlagemöglichkeiten kämpfen die Krankenhauskonzerne bereits um die Pole Position.

„Wir werden unsere führende Stellung im deutschen Krankenhausmarkt durch weitere Zukäufe stärken“, kündigte Fresenius-Chef Ulf Schneider kürzlich auf der Hauptversammlung seines Unternehmens in Frankfurt am Main an. Mit Helios betreibt der Gesundheitskonzern die größte private Klinikkette des Landes. Deren Umsatz soll bis 2015 auf über vier Milliarden Euro wachsen (2012: 3,2 Milliarden). Zuletzt hatte Fresenius/Helios die norddeutsche Damp-Gruppe und 51 Prozent am Katholischen Klinikum Duisburg übernommen. Gescheitert war der Bad Homburger Konzern im vergangenen Jahr hingegen mit dem Versuch, die Nummer zwei der Branche, die Rhön AG, zu übernehmen. Verhindert hatte dies der Konkurrent Asklepios, indem er mindestens fünf Prozent der Rhön-Anteile erwarb. Auch der Medizintechnikhersteller B. Braun, der bei einem Zusammenschluss von Helios und Rhön um Aufträge fürchtet, soll sich an dessen Blockade beteiligt haben.

Der Vorfall wirft ein Schlaglicht auf eine Branche in Bewegung. Durch eine Fusion von Helios und Rhön wäre erstmals ein privater Klinikkonzern mit flächendeckender Präsenz und enormer Marktmacht entstanden, der Konkurrenten wie Asklepios bei Privatisierungsvorhaben leicht aus dem Feld schlagen könnte. Auch für öffentliche bzw. freigemeinnützige Einrichtungen hätte sich der Wettbewerb weiter verschärft – hinter Helios stehe mit Fresenius ein finanziell extrem potenter Pharma- und Medizintechnikkonzern.

Für die Krankenhausbelegschaften hätte die Expansion von Helios/Fresenius nichts Gutes verheißen. Denn wie rabiat der Konzern mit seinen Beschäftigten umspringt, hat er im vergangenen Jahr gleich mehrfach demonstriert: Bei Damp kündigte das Helios-Management mitten in einem Arbeitskampf 1000 Streikenden. Das Serviceunternehmen Helios Service Nord (HSN) zerlegte der Konzern in diverse Einzelgesellschaften, um ver.di an der Durchsetzung von Tarifverträgen zu hindern. Andere private Klinikbetreiber sind freilich kaum besser. So hat Asklepios einen Ruf als aggressiver Lohndrücker, der sich mit Händen und Füßen gegen Tarifverträge wehrt. Und Rhön hat insbesondere seit der Übernahme des Uniklinikums Gießen und Marburg (UKGM) ein mieses Image. Der Verkauf des bundesweit ersten Universitätsklinikums durch Hessens CDU-FDP-Regierung endete für Beschäftigte, Patientinnen und Patienten und Steuerzahler im Desaster.

Ein etwas besseres Renommee hat der vierte große Klinikbetreiber, Sana, der zuletzt bei der Privatisierung des Offenbacher Klinikums zum Zuge kam. Allerdings geht es auch diesem von 18 privaten Krankenversicherern gegründeten Unternehmen darum, möglichst große Teile des Gesundheitswesens dem Profitstreben zu öffnen. Schon bei der Gründung 1972 diente Sana als Gegenentwurf zum 68er-Konzept des „klassenlosen Krankenhauses“, womit die Effizienz privatwirtschaftlich geführter Kliniken bewiesen werden sollte. Das ist zwar beispielsweise bei der Übernahme des Managements am Klinikum Stuttgart in den 1990er Jahren grandios gescheitert. Der Expansion privater Klinikketten hat das aber keinen Abbruch getan.

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