Das spanische militärische Ostern am Dreikönigstag

Der 6. Januar (heilige drei Könige) ist im katholischen Spanien nicht nur Feiertag und der Tag, an dem traditionell die Weihnachtsgeschenke verteilt werden, sondern auch der Tag, an dem der oberste Befehlshaber der drei Teilstreitkräfte und der Guardia Civil, vulgo König Felipe VI in seinem Palast eine Ansprache an seine Untergebenen, die Führer der drei Teilstreitkräfte und der Guardia Civil hält.

Dieser Tag heißt auf Spanisch Pascua Militar (das militärische Ostern oder etwas freier übersetzt, der militärische Festtag). Dieser Festtag erinnert an die Rückeroberung Menorcas am 6.1.1782, das Spanien im Frieden von Utrecht 1713 an das Vereinigte Königreich verloren hatte. Die Bourbonen, die damals Frankreich und Spanien als ihr Privateigentum regierten, nutzten die Tatsache, dass das Vereinigte Königreich damals, am Ende erfolglos, wie bekannt, gegen die Unabhängigkeitsbestrebungen der USA kämpfte.  Zumindest die französischen Bourbonen konnten sich hieran allerdings nicht lange erfreuen, weil sie wenige Jahre später im Zuge der französischen Revolution ihre Köpfe verloren.

Seitdem, also seit der Rückeroberung, wird dieser Tag zum eingangs beschriebenen Zweck benutzt, ohne dass der König jedoch die Chance ergriffen hätte, in guter Erinnerung, welch positive Nebeneffekte Unabhängigkeitsbewegungen für Spanien schon gehabt haben, sich positiv auf die Unabhängigkeit Kataloniens zu beziehen.

Er zog es vor, Katalonien, die Unabhängigkeit oder andere komplizierte Dinge überhaupt nicht zu erwähnen.

Zu anderen Zeiten und von anderen Personen, wird dieser Tag jedoch gerne für martialische Auftritte benutzt. So erklärte der Chef des Heeres José Mena Aguado am 6.1.2006, immerhin 31 Jahre nach dem Tode Francos, das Heer sähe sich zum Eingreifen gezwungen, wenn ein Autonomiestatut die spanische Verfassung einschränken würde. Wir erinnern uns, im Jahr 2006 wurde das neue, erweiterte Unabhängigkeitsstatut Kataloniens verhandelt. Immerhin wurde Herr Aguado des Amtes enthoben. Die Drecksarbeit, das Statut in weiten Teilen für unwirksam zu erklären, übernahm dann eine andere ehrbare Institution, das Verfassungsgericht.

Am diesjährigen Tag der Pascua Militar übernahm es dann die Verteidigungsministerin de Cospedal (Partido Popular) mit dem Säbel zu rasseln und zum wiederholten Mal zu erklären, dass das Militär bereit stehe, in Katalonien zu intervenieren. Das musste dem widerspenstigen Wahlvolk dort wohl nochmals gesagt werden.

Zurück zum König. Er nutzte den Tag, seinen Vater, den Ex-König Juan Carlos (am Vortag gerade 80 geworden) wieder in die adelige und militärische Gesellschaft Spaniens zurückzuführen. Aus dieser war er 2014 verstoßen worden und musste zu Gunsten des Felipe VI, seines Sohnes, abdanken, nicht nur weil der beim Ablesen seiner Rede am 6.1.2014 den Faden verloren hatte, sondern weil er mit einer seiner Geliebten (einer Deutschen mit angeheiratetem Adelstitel) bei der Elefantenjagd, bei der er sich schwerer verletzte, wodurch die Geschichte an die Öffentlichkeit kam, erwischt wurde. Irgendwie war er da für einen kurzen Moment untragbar geworden.

Jetzt ist er also wieder da und in den Schoß der Familie zurückgekehrt.  Nur die Tochter, die mit einem Mann verheiratet ist, der wegen Korruption zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt wurde, fehlte. Sie hätte ihren Mann bei dieser Gelegenheit gerne an ihrer Seite gehabt, was wohl doch ein bisschen zu weit gegangen wäre.

Eine wahrhaft feine Gesellschaft. Ach ja, auch das sei noch erwähnt: dieser (Ex-)König Juan Carlos hatte die Tochter von Franco, der ihn ja zum König bestimmt hatte, zur Herzogin ernannt. Diese Dame, die nach dieser Erhebung in den Adelsstand den schönen Namen Maria del Carmen Ramona Felipa de la Cruz Franco Polo trug, vererbte nicht nur ihr Vermögen von mehr als 500 Millionen Euro, das ihr ihr Vater als einziger Erbin hinterlassen hatte. Der wiederum hatte es den Menschen in Spanien in seiner Regentschaft abgepresst. Nein, sie nahm auch nahezu in jedem Jahr im Valle de los Caidos die Huldigungen der spanischen Falange entgegen.

Und damit Deutschland bei dieser eigentlich gar nicht komischen Geschichte nicht ganz unerwähnt bleiben muss:  die Königin (Leticia) trat in einer Robe in preußisch-blau auf, die glänzend mit der Admiralsuniform ihres Gatten farblich harmonierte.

Na dann, frohe Ostern.

Thomas Fruth ist Mitglied der Redaktion von Lunapark21 und hat im aktuellen Heft (Nr. 40) verschiedene Beiträge zu Katalonien veröffentlicht.

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