Rainer Ehrt
Karikatur auf Seite 5
Rainer Ehrt, Arbeiter-und Bauernsohn, geboren 1960 in Elbingerode/Harz, begann 1981 ein Designstudium an der Kunsthochschule Halle/Burg Giebichenstein, um es gleich wieder abzubrechen. Nach einem Jahr »Bewährung in der Produktion« als Hilfsarbeiter in diversen Druckereien, folgte 1983-88 das Studium der Graphik und Illustration an der Hallenser Hochschule. Seither beackert er weitläufige Arbeitsfelder: Cartoon/Illustration, Malerei, Zeichnung, Druckgraphik, Lyrik, Kurzprosa und – last not least – das originalgraphische Künstlerbuch. 2007 erhielt er für das Malerbuch »Baal-Monologe« (nach Brecht) den Brandenburgischen Kunstpreis, 2008 in Lissabon den »Grand Prix World Press Cartoon«, 2012 den «Grand Prix Satyricon« in Legnica (Polen), 2020 den Kunstpreis der Stadt Wernigerode. Seine Cartoons und Illustrationen erschienen unter anderem in den Satiremagazinen »Eulenspiegel« und »Nebelspalter« sowie in »Cicero«, der »Märki schen Allgemeinen« und im »BUND-Magazin«. www.rainerehrt.de
Blühende Landschaften 1
Plakat Seite 45
Die Abbildung auf Seite 45 ist der Nachbau eines CDU-Wahlplaktes aus dem Bundestagswahlkampf 1998. Unser Grafiker hat an die Stelle der Seebrücke von Ahlbeck, des Leipziger Bahnhofs, des Wismarer Markplatzes und des Kraftwerks »Schwarze Pumpe« den von Christo und Jeanne-Claude verhüllten Berliner Reichstag (1995) und den Abriss des Palastes der Republik (2006) gesetzt.
Angeklebte Banane
Grafik Seite 47
Kunst ist Banane. Der italienische Künstler Maurizio Cattelan sagt von sich selbst, dass er nie eine Kunstakademie von innen gesehen habe und eigentlich auch kein Künstler sei. Er wurde unter anderem bekannt durch eine lebensgroße fotorealistische Skulptur des von einem Meteoriten erschlagenen Papstes Woitila.
Der Pop-Art-Künstler Andy Warhol setzte eine gesprayte Banane auf das Cover einer LP der legendären Band Velvet Underground. Der Kölner Künstler Thomas Baumgärtel wurde dadurch bekannt, dass er eben eine solche Spray-Banane an die Fassaden von Galerien und Museen sprühte.
Maurizio Cattelan, ob nun Künstler oder nicht, kennt die Kunstgeschichte und spielt mit ihr genauso virtuos wie mit den Skurilitäten des Kunstmarktes. Bei der Messe »Art Basel Miami« klebte er mit silbernem Gaffaband eine Banane an die Kojenwand einer Pariser Galerie, nannte das Werk »Comedian« und die angeklebte Frucht wurde für 120.000 Dollar verkauft.
Unser Grafiker nahm sich der Form dieses Kunstwerkes an, wechselte von silbrigem Gaffertape zu Klebeband aus 1990er Jahre 100 Markscheinen – West – und klebte eine Banane, auf Anraten seines aus Dresden stammenden Druckers, an eine alte unverputzte Ziegelwand. Solche Wende-Ambiente-Wände gibt es in ehemaligen West-Industrievierteln wie Köln Kalk immer noch.
Jens-Fietje Dwars: Blühende Landschaften 2
Fotos Seite 57 und 59
Jens-Fietje Dwars, geb. 1960 in Weißenfels, Philosophiestudium in Wrocl /aw, Berlin und Jena, 1986 Promotion über Ludwig Feuerbach, seit 2000 freier Schriftsteller, Buchgestalter, Film- und Ausstellungsmacher, Chefredakteur der Thüringer Literaturzeitschrift Palmbaum, Herausgeber der Edition Ornament, www.dwars-jena.de
Jens-F. Dwars schreibt über seine Fotos:
Ich fotografiere seit 27 Jahren Wahlplakate. Sie sind Zeitzeichen im doppelten Sinne: Allzu schnell vergessen wir die Botschaften, mit denen die Parteien um unsere Stimme buhlen. Wenn Aufklärung nach Kant Ausgang aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit sein soll, so sind Wahlen staatlich legitimierte Akte einer freiwilligen Entmündigung: Alle Jahre wieder geben wir unsere Stimmen an andere ab. Das Foto »blühende Landschaften« entstand im Jahr 2000. Es zeigt die Rückseite eines leer stehenden Abstellraums, den sich der Anglerverein von Dorndorf-Steudnitz 1974 am Rand der B 88 zwischen Dornburg und Camburg bei Jena errichtet hat. Der Verein gab den Abstellraum schon vor 1989 auf. Seit langem wird die Rückseite als Werbeflächs genutzt.
Joachim Römer