Dieselmotoremissionen (DME) – eine Gesundheitsgefahr für LKW- und Busfahrer

Emissionen aus Dieselmotoren sind nur scheinbar weniger geworden. Die Partikelfilter halten zwar dicke und mitteldicke Partikel zurück, nicht aber die ultrafeinen Partikel. Diese sind kaum oder nur mit großem Aufwand messbar, aber sie werden inhaliert und gehen in die Blutbahn. Die Partikel transportieren Verbrennungsprodukte, insbesondere Polyzyklische Aromaten (PAK). Hinzu kommen die Stickoxide, die das menschliche Lungengewebe angreifen. Überdies gelangen auch Stickoxide in den Körper und werden teilweise mit den PAK in Nitroaromate und – durch die körpereigenen Reduktionsenzyme – in aromatische Amine umgesetzt. Schon PAK allein sind krebserzeugend und erhöhen das Lungenkrebsrisiko. Aromatische Amine machen Harnblasenkrebs.

Das ist alles lange bekannt. Schon in den 1980er Jahren gab es Studien bei LKW- und Busfahrern, die ein erhöhtes Krebsrisiko für die Lungen und die Harnblase zeigen. Diese Ergebnisse haben sich seither in vielen weiteren Studien erhärtet. Eine schwedische Kohortenstudie, die über 6.000 Trucker umfasste, erbrachte im Vergleich zur Allgemein­bevölkerung ein relatives Lungenkrebs-Risiko von 1,3, das Risiko war also um 30 Prozent erhöht (Järvholm/Silverman 2003). Dieses Resultat konnte in einer kürzlich veröffentlichten kanadischen Studie bestätigt werden (Kim et al. 2018). Auch das Blasenkrebsrisiko bei LKW- und Busfahrern hat sich immer wieder in internationalen Untersuchungen als deutlich erhöht herausgestellt. Eine kanadische Studie, bei der 658 Blasenkrebsfällen akribisch genau nachgegangen wurde, konnte zeigen, dass Trucker, Busfahrer und Schwermaschinen­bediener nach langjähriger Arbeitsexposition ein mehr als zweifaches Risiko tragen, an Blasenkrebs zu erkranken (Latifovic et al. 2015). Dieser Sachverhalt verweist eindringlich auf die Notwendigkeit verbesserter Präventionsmaßnahmen. Diese müssen sowohl auf eine allgemeine Emissionsminderung orientiert sein als auch auf Arbeitsschutz-Maßnahmen wie z.B. stärkere Luftfilterung für die Fahrerkabinen. Zum unbedingten Muss zählt auch eine regelmäßige Harnentleerung, die durch entsprechende Pausen zu gewährleisten ist. Wem das alles als unrealistisch erscheint, nimmt eine industriell erzeugte Gesundheitszerstörung in Kauf.

Wolfgang Hien

Erschienen in lunapark21 Heft 46/ Sommer 2019, S. 36.

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