Die Privatisierung von Schulen

(Aus: LP21 Extra 2017/18)

Der Bereich der Schulen ist ein großer Teil des öffentlichen, dem Zugriff des privaten Kapitals weitgehend entzogener Sektor. Wobei auch dies nicht immer so war. Schulen waren bis Anfang des 20. Jahrhunderts überwiegend private bzw. konfessionell gebundene. 1899 wurden im Deutschen Reich 8,6 Millionen Schulkinder in 59.000 – überwiegend konfessionellen – „Volksschulen“ unterrichtet. Die durchschnittliche Klassenstärke lag bei 80 Schülerinnen und Schüler. 100 bis 120 Schüler in einem Klassenzimmer waren nicht ungewöhnlich.

Aktuell gibt es in der Bundesrepublik Deutschland knapp 45.000 (allgemeinbildende und berufliche) Schulen. In diesen werden 11,7 Millionen Schülerinnen und Schüler unterrichtet. Die Zahl der Lehrkräfte beträgt mehr als 800.000 (wovon im Übrigen mehr als 70 Prozent weiblich sind). Damit zählt dieser Bereich fast so viele Arbeitsplätze wie die gesamte Autoindustrie (einschließlich der Autozulieferer). Wenn man die Erzieherinnen (in Kindergärten und Kitas) und die Lehrkräfte an Fachhochschulen, Hochschulen und Universitäten hinzurechnet, kommt man auf mehr als 1,5 Millionen Jobs in diesem weitgehend staatlichen Sektor. Gäbe es in Deutschland im Bereich von Schule und Hochschulen „skandinavische Verhältnisse“, dann läge die Anzahl der Lehrkräfte bei mehr als 2,5 Millionen.

Das Vorrücken der Privaten findet im Schulbereich auf allen Ebenen statt. Im Hochschulbereich gibt es einen wahren Gründungsboom für private Einrichtungen. Im Bereich der allgemeinbildenden Schulen gibt es derzeit rund 3600 private Schulen. Ihre Zahl hat sich in den letzten 15 Jahren rund verdoppelt. Im gleichen Zeitraum ging die Zahl der staatlichen Schulen um mehr als 3500 zurück. Knapp 10 Prozent der Schülerschaft wird inzwischen in privaten Einrichtungen von Privatschul-Lehrkräften unterrichtet. Diese Tendenz zur direkten Privatisierung im Schulsektor setzt sich fort. Sie ist verbunden mit sozialer Ausgrenzung. Öffentliche Schulen sind grundsätzlich kostenfrei (was allerdings auch immer mehr aufgeweicht wird; Eltern mit Kids in einer öffentlichen Schule kennen die vielen Umlagen für Klassenfahrten, Besuche in Zoos und Theater; für Veranstaltungen und Feste an der Schule … bis hin zu Einsätzen von Eltern, um allfällige Reparaturen an der Schule, für die das Geld fehlt, in Eigeninitiative vorzunehmen). Private Schulen kosten richtig Geld: 2016 mussten Eltern bei nicht staatlich geförderten privaten Schulen im Monat je Kind mit 600 bis 850 Euro rechnen; im Fall „internationaler Schulen“ waren es 4000 bis 18.000 Euro im Schuljahr. Dennoch boomt der Privatschulbereich, was auch durch den oft miserablen Zustand der öffentlichen Schulen beschleunigt wird. Promis gehen da voran: Mitten im Bundestagswahlkampf 2017 wurde bekannt, dass die sozialdemokratische Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, Frau Manuela Schwesig, ihren Sohn in eine Privatschule schickt. (Begründung: Keine andere Einrichtung sei so schnell und sicher zu erreichen wie diese).

Nun gibt es zusätzlich zu dieser allgemeinen „direkten Privatisierungstendenz“ im Schulbereich eine neue gefährliche Entwicklung: Die Privatisierung von Teilbereichen, insbesondere von Schulgebäuden. Dies erfolgt meist auf dem „Umweg“ über ÖPP. Und ausgerechnet das rot-rot-grün regierte Land Berlin spielt eine Vorreiterrolle bei dieser Form der Privatisierung im Schulbereich. Hierüber berichten sechs Autorinnen und Autoren auf dieser Website in den nächsten Tagen.

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