Zum Internationalen Frauentag

Therese Wüthrich. Lunapark21 – Heft 29

Seit 1911 begehen engagierte Frauen, Gewerkschafterinnen, Feministinnen und Kämpferinnen für Frauenrechte hierzulande und weltweit den 8. März, den Internationalen Frauentag. Der 8. März steht für den Kampf für gesellschaftliche und politische Gleichstellung, für Solidarität. Mit dem Internationalen Frauentag wird aber auch an die unermüdlichen Kämpfe und Errungenschaften der Pionierinnen und Wegbereiterinnen, mit anderen Worten, an unsere Vorgängerinnen erinnert.

Tradition und Bedeutung des Internationalen Frauentages hängen eng mit der Geschichte der Frauenbewegungen, die bis ins 19. Jahrhundert zurück reichen, zusammen. Weltweit haben seit jeher Frauen für bessere Arbeitsbedingungen und für ein besseres Leben gekämpft. Ihre Kämpfe standen und stehen für Unabhängigkeit, Eigenständigkeit, gesellschaftliche und soziale Rechte und Teilhabe. Obschon die Lebenssituation für viele Frauen heutzutage ein anderes Niveau hat – zumindest bei uns im Norden – als vor mehr als hundert Jahren, sind viele Forderungen bis auf den heutigen Tag die gleichen geblieben.

Ein jährlich wiederkehrender Internationaler Tag für die Rechte der Frauen wurde während der zweiten Internationalen Sozialistischen Frauenkonferenz 1910 in Kopenhagen ins Leben gerufen. Dieser Proklamation gingen verschiedene Arbeiterinnenkämpfe voraus, die bis ins 19. Jahrhundert zurückreichen. Hervorzuheben sind die grossen Streiks und Demonstrationen insbesondere der Textilarbeiterinnen in Nordamerika und Europa. Sie richteten sich vor allem gegen unmenschliche Arbeitsbedingungen. Zudem forderten die Arbeiterinnen höhere Löhne, kürzere Arbeitszeiten, Stimm- und Wahlrecht für alle, ein Ende der Kinderarbeit und die Streichung des Abtreibungsparagraphen aus dem Strafgesetzbuch. Ihr Leitsatz war: „Wir wollen Brot und Rosen!“ Brot steht für eine gesicherte ökonomische Existenz und Rosen versinnbildlichen das gute Leben.

Auch in Europa haben unzählige engagierte Arbeiterinnen und Sozialistinnen im Übergang vom 19. ins 20. Jahrhundert Frauen und Mädchen in Fabriken und in privaten Haushalten angesprochen und viele von ihnen für ein Engagement gewonnen. Landauf, landab konnten so gewerkschaftliche Arbeiterinnenvereine gegründet werden, die einerseits wie die amerikanischen Kolleginnen für ein ökonomisch unabhängiges und besseres Leben kämpften, aber auch Bildungsveranstaltungen für Frauen und junge Mädchen durchführten. Oft waren die Akteurinnen selbst Arbeiterinnen, die bereits im jugendlichen Alter ohne Ausbildung gezwungen waren, in der Fabrikhalle oder im bürgerlichen Haushalt ihr Leben zu verdienen und teilweise auch ihre Familien zu unterstützen. Zahlreiche von ihnen – in den USA wie in Europa – kamen zur Überzeugung, dass ihre Kämpfe über die Landesgrenzen hinaus bekannt gemacht werden müssen, um sich gegenseitig zu unterstützen, solidarisch zu sein und den Forderungen Kraft zu verleihen, die es braucht, um gesellschaftliche und politische Veränderungen hervorzubringen.
„Heute für morgen Zeichen setzten!“, so eine gewerkschaftliche Losung. Oder wie es Clara Zetkin im Vorfeld des Internationalen Frauentages 1911 ausdrückte: „Sein Ziel ist Frauenrecht als Menschenrecht, als Recht der Persönlichkeit, losgelöst von jedem sozialen Besitztitel.“ Dieses Ziel sei erst erreicht, sobald die gesellschaftliche und politische Unterdrückung des gesamten weiblichen Geschlechts ein Ende habe.

Therese Wüthrich arbeitet seit den 70er Jahren in verschiedenen frauen- und sozialpolitischen Projekten. Dazu gehört auch der Internationale Frauentag. Sie ist Gewerkschafterin, journalistisch tätig und lebt in Bern.

Zum Weiterlesen:
Gisela Notz: Der Internationale Frauentag und die Gewerkschaften: Geschichten – Tradition und Aktualität, ver.di Bundsverwaltung, Bereich Frauen- und Gleichstellungspolitik, Berlin, 2011.

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