Was Friedrich Merz verlängert
Bundeskanzler Merz interessierte sich bei der Internationalen Automobil-Ausstellung in München vor allem für den Range Extender. Den als Reichweitenverlängerung getarnten Explosions-Hilfsmotor von Elektrofahrzeugen setzte er als Position der Bundesregierung gegen die EU-Vorschriften zur CO2-Minderung durch.
Reichweitenverlängerung bei Elektroautos hört sich an wie ein Zusatz, um die Speicherfähigkeit von Batterien zu erhöhen. Tatsächlich handelt es sich bei der Technologie, deren Innovationskraft Merz im September am Stand von BMW bewunderte, um einen einfachen Benzin- oder Dieselmotor, der während der Fahrt die Batterie wieder auflädt. Weil er deshalb ohne Getriebe immer mit leistungsoptimaler Drehzahl wirken kann, gilt die Ergänzung des Elektromotors durch einen Explosionsmotor als hocheffizient – ist aber auch hocheffizient beim Ausstoß von Schadstoffen.
Bei allen Elektrofahrzeugen gilt der Grundsatz, dass die Art der Erzeugung der Elektrizität bestimmt, ob ein solches Fahrzeug CO2 ausstößt oder nicht. Elektrofahrzeuge sind nicht an sich klimafreundlich, sondern nur, wenn der Ladestrom ohne CO2- 64 Ausstoß aus erneuerbaren Energiequellen stammt – in Deutschland nur etwa zur Hälfte des Verbrauchs. Der Reichweitenverlängerer stößt als Explosionsmotor garantiert CO2 aus, wenn er nicht mit Wasserstoff und dessen Derivaten betankt wird, die noch nicht zur Verfügung stehen. Wozu ist bei Elektromotoren also die Benutzung einer veralteten Technik notwendig?
Da es in Deutschland kein Tempolimit auf Autobahnen gibt, fahren Elektroautos bei höheren Geschwindigkeiten unter exorbitantem Stromverbrauch. Um eine Masse auf die doppelte Geschwindigkeit zu bringen, ist aus physikalischen Gründen das Vierfache der Energiemenge notwendig. Weil die Fahrzeuge auf hohe Geschwindigkeiten ausgerichtet sind, die allein in Deutschland zulässig sind, schleppen sie ein Mehrfaches an Batteriegewicht mit sich, was wiederum unnötig viel Elektroenergie verbraucht. Um bei diesen schweren und schnellen Fahrzeugen dennoch eine angemessene Reichweite bis zur Neuladung zu erreichen, werden sie zusätzlich mit einem Explosionsmotor versehen. So lässt sich kein Weltauto bauen.
Elektroautos werden trotz der Tatsache, dass ihr CO2-Ausstoß von der Art der Stromerzeugung abhängt, als nachhaltige Fahrzeuge ohne CO2- Ausstoß gerechnet. Offenbar sollen die Elektroautos mit Explosionsmotor als Hybride oder mit Range Extender als nachhaltige Fahrzeuge gewertet und vom Verbot der Zulassung von CO2-ausstoßenden Fahrzeugen ausgenommen werden.
Wie schon beim Abgasskandal, bei dem die Innovation darin bestand, die Zulassungsbehörden über den tatsächlichen Abgasausstoß zu täuschen, will Merz der Autoindustrie dazu verhelfen, ihre dicken übermotorisierten Kaleschen auch weiterhin zu verkaufen und dennoch die formalen Vorschriften einzuhalten.
Was immer an Reichweite der Range Extender verlängert, dehnt er die schlichte Lüge in die Zukunft aus, formal einen unnötigen Schadstoff- Ausstoß wegzurechnen, ohne dass CO2 eingespart wird. Ein Tempolimit auf Autobahnen auf 130 km/h würde deutlich mehr an Emissionen einsparen – nicht nur beim Fahrzeugbetrieb, auch beim Autobau und bei der Einrichtung der Infrastruktur –, als der Hilfsmotor für schnelle Herrenfahrer je zu sparen vermag.
Reichweitenverlängerer sind eine benzingetriebene Lüge mit technischen Mitteln, von der Bundeskanzler Merz wird nachträglich sagen können: Der Weltuntergang fand unter peinlicher Einhaltung aller formalen Vorschriften statt.