Kinderzeichnungen

Rubrik-Icons

Kinder kommen ökonomisch vor als Beein-flussende der Kaufentscheidungen ihrer Eltern und Ausgebende von Taschengeld. Von den Wirkungen wirtschaftlicher Entscheidungen sind sie am längsten betroffen, ohne Einfluss darauf nehmen zu können. Auch bei Lunapark21 kommen Kinderinteressen selten vor. Für die grafischen Startpunkte unserer Rubriken setzen wir mit Kinderzeichnungen ein kleines Zeichen.

Manuela Renz

Seite 12 bis 14

Die Auseinandersetzung mit der bildenden Kunst – vor allem der klassischen Moderne – war Ausgangspunkt ihrer künstlerischen Inspiration. Die Fotografie erwies sich als das perfekte Medium für ihr Motto: »Momente einfangen, Geschichten erzählen, Blickwinkel ändern«. Ging es Manuela Renz zunächst um emotionale Gesamteindrücke, entwickelte sie dann einen eigenen Stil, der das Objekt in seiner Doppeldeutigkeit und Schönheit des zunächst Verborgenen in den Mittelpunkt stellt und den Betrachtenden einen zweiten Blick darauf öffnet. Sie verzichtet auf digitale Nachbearbeitung.

Rainer Ehrt

Karikatur auf Seite 5

Als Arbeiter- und Bauernsohn 1960 in Elbingerode geboren, beackert Rainer Ehrt seit dem Ende seiner Studienzeit an der Kunsthochschule Halle/Burg Giebichenstein 1981, einem Jahr »Bewährung in der Produktion« als Hilfsarbeiter und an der Hallenser Hochschule seit 1988 die Arbeitsfelder Cartoon/Illustration, Malerei, Zeichnung, Druckgraphik, Lyrik, Kurzprosa und originalgraphisches Künstlerbuch. 2007 erhielt er den Brandenburgischen Kunstpreis, 2008 in Lissabon den Grand Prix World Press Cartoon, 2012 den Grand Prix Satyricon in Legnica, Polen, und 2020 den Kunstpreis der Stadt Wernigerode. Er veröffentlicht unter anderem in den Satiremagazinen Eulenspiegel und Nebelspalter sowie in Cicero, Märkische Allgemeine, BUND-Magazin. www.rainerehrt.de

Frei nach René Magritte

Seite 38, 41, 45, 47, 51, 53, 57

Wie bei vielen der bisher 66 Ausgaben von Lunapark21 bin ich beim Nachdenken über Bebilderungen zu den Texten und bei der Recherche nach meine Ideen tragenden Bildelementen auf den Surrealisten René Magritte gestoßen. Der haderte mit den klassischen griechischen Philosophen. Er warf ihnen vor, die Sprache als einziges Medium des Denkens und Philosophierens gesetzt zu haben. Magritte behauptete, mit seinen Bildern ebenso gute geistige Arbeit zu leisten – das Denken geschehe dabei auf eine Art und Weise, die mit Worten nicht möglich sei – auf Augenhöhe mit den Buchstabengebilden.

Magritte haderte auch mit den belgischen Kommunisten. Zweimal trat er in ihre Partei ein und wieder aus. Den Funktionären der Organisation, die der Marxschen Forderung nachzukommen trachteten, die Welt zu verändern anstatt sie nur, wie alle bisherige Philosophie, verschieden zu interpretieren, verlangten von Magritte eineindeutige Entwürfe für Plakate und die Massen mitreißendes Agit-Prop-Material. Dem konnte und wollte der Maler nicht nachkommen. Er hätte eher Walter Benjamin zugestimmt, der analysierte, der Surrealismus sei die Bewegung gewesen, die die Kräfte des Unbewussten und Irrationalen für die Revolution habe gewinnen wollen. Magritte glaubte so wenig an die Einheit von Bild und Begriff, wie ich daran glaube, dass eineindeutige Bebilderungen Texten gerecht werden können. Magritte setzte sich in vielen seiner Texte und Bilder mit Ähnlichkeiten auseinander, für ihn sind sich, wenn überhaupt, Begriff und begriffenes Sujet ähnlich, nie glei ch oder gar identisch. Hört sich banal an, ist es aber nur, solange man so tut, als sei man naiv. Magritte schrieb davon, dass die gemalten Dinge seiner Bilder Themen und Fragen nicht darstellen, sondern damit zusammenhängende Fragen und Probleme evozieren würden (wörtlich: heraus- bzw. hervorrufen, bewirken). Er schrieb 1929 in einem Aufsatz: »In einem Gemälde bestehen Wörter aus derselben Substanz wie Bilder«. Ich konnte web-recherchierend ja nur über die von Magritte bemalten Totenmasken Napoleons stolpern. Im Werksverzeichnis von David Sylvester aus dem Jahr 1993 sind drei Versionen aufgeführt. Es ist unwahrscheinlich, dass Magritte selbst ihnen den Namen Die Zukunft der Statuen gab. Im Aufsatz von 1929 schrieb er: »Ein Objekt ist von seinem Namen nicht so besessen, daß man nicht einen anderen, der besser dazu paßt, finden könnte.«

Alle Grafiken & Fotos im Heft, die nicht anders gekennzeichnet sind, stammen von mir oder aus dem LP21 Archiv. Joachim Römer