Ein unendlicher AMAZON-Strom von Aggression, Ausbeutung & Arroganz

Lunapark21 – Heft 26

Vor zehn Jahren tauchte unter den 500 größten Konzernen der USA noch kein Unternehmen mit Namen Amazon auf. Vor acht Jahren, 2006, lag dieses Unternehmen in dieser Gruppe im Mittelfeld – auf Rang 237 mit weniger als 10 Milliarden US-Dollar Umsatz. Im vergangenen Jahr 2013 ist das Unternehmen bereits der 35. größte US-Konzern mit 75 Milliarden US-Dollar Umsatz.

Dramatisch entwickelte sich vor allem der Börsenwert: 2006 betrug der Marktwert von Amazon gut 10 Milliarden US-Dollar – 2013 waren es mit 155 Milliarden Dollar gut 15 Mal mehr.

Ein derart aggressives Wachstum wird in den „Qualitäts-Medien“ idealisiert und der Person an der Spitze, Firmengründer und Mehrheitseigner Jeff Bezos zugeschrieben. Was nicht einmal falsch ist. Was aber wenig mit der geistigen Größe, die diesem Herrn gelegentlich zugesprochen wird, und viel mit den Niederungen, in denen sich dessen Denke bewegt, zu tun hat.

Amazon im allgemeinen und Bezos im besonderen sind Kapitalismus und Darwinismus pur. Streiks sind für Bezos „Einmischung in die Unternehmenskultur“. Diese „Kultur“ besteht aus dem Dreigestirn 1. extreme Ausbeutung (Niedrigstlöhne), 2. extreme Fluktuation (junge Kräfte werden kurze Zeit ausgesaugt und dann ausgespuckt) und 3. extreme Arbeitsdichte: In den USA gilt bei Amazon ein Strafkatalog mit einem rigiden Punktesystem: bei sechs Punkten folgt die Entlassung; eine Krankmeldung ist bereits ein Punkt. Die Süddeutsche Zeitung vom 26. Oktober 2013: „Statt Klimaanlagen leistete sich Amazon in früheren Zeiten in den heißen Lagerhallen lieber einen Rettungswagen, der die kollabierenden Arbeiter abtransportierte.“
Immer wieder wird mit Blick auf den sogenannten Rheinischen Kapitalismus davon geschwafelt, Unternehmer hätten eine „soziale Verantwortung“. Bezos kommt gut damit klar, dass seine Unternehmensphilosophie das Asoziale ins Zentrum rückt.

Und wenn der Planet durch Bosse wie Bezos und Unternehmen wie Amazon komplett zugrunde gerichtet ist, so ist das aus Bezos Sicht nicht weiter tragisch. Er träumt davon, dass die Menschheit diesen Planeten irgendwann verlässt und das All besiedelt. Zu diesem Zweck gründete er das Unternehmen Blue Origin, das eine Rakete für Weltraumreisen baut.

Gibt man „relentless.com“ im Internet ein („gnadenlos.com“), so wird man auf Amazon geleitet. „Relentless“ sollte Jeff Bezos Unternehmen ursprünglich heißen. Jetzt agiert es nur so – und tut es so unendlich wie es der Strom Amazonas ist. LP21-Redaktion

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