(capitalist) system change – not climate change!

Am 27. September und am 29. November, den Tagen weltweiter Aktivitäten gegen die drohende Klimakatastrophe – gingen Hunderttausende – überwiegend sehr junge – Menschen auf die Straßen und Plätze. Sie demonstrierten unter der gemeinsamen Losung „System change not climate change“. Einen Auftakt bildete die Rede von Greta Thunberg in New York am 23. September vor den Vereinten Nationen (siehe Seite 34). Thunberg dürfte – nach dem Redaktionsschluss dieser LP21-Ausgabe – auch auf der Weltklimakonferenz, die kurzfristig von Chile nach Madrid verlegt wurde, sprechen.

Doch was ist, wenn trotz der massenhaften Proteste, trotz der Vielzahl konkreter Vorschläge zur Intensivierung des Kampfs gegen die Klimaerwärmung, so gut wie alles beim Alten bleibt? Wenn die große Politik versucht, die Proteste auszusitzen – und ein lächerliches, längst zerschlissenes „Klimapäckchen“ vorlegt, wie dies die deutsche Regierung tat (siehe den LP21-Titel und Seiten 36ff). Was, wenn weiter zerstörerische Großprojekte, die den Klimawandel beschleunigen müssen, im Zentrum stehen? Siehe das Beispiel Österreich (auf den Seiten 40f); Vergleichbares haben wir vielfach für Deutschland – unter anderem im Fall Stuttgart 21 – dokumentiert. Was, wenn es anstatt einer Reduktion des Autoverkehrs die Beschleunigung des absurden Wegs in die die Diesel- und Benzin-Flotte ergänzende Elektro-Pkw-Mobilität gibt? Was, wenn die Ankündigung des Milliardärs, Schwadroneurs und Glücksritters Elon Musk, er werde in der brandenburgisch en Provinz eine Fabrik für Autos mit dem Einstiegspreis von 45.000 Euro bauen, von buchstäblich allen Parteien als „nachhaltig“ gefeiert wird? (Siehe die Seiten 42ff) Und was, wenn in der Dritten Welt auch der Ausbau von Wasserkraft und Solarenergie als ein Prozess von Umweltzerstörung und Ressourcenraub betrachtet wird? (Siehe die Seiten 48/49)

Wenn das so ist, wenn die vorherrschende Politik weitgehend nach dem „Weiter so“-Prinzip abläuft, dann stellt sich die Frage: Warum ist das so – warum läuft das in Richtung Abgrund? Die Losung „system change not climate change“ könnte darauf eigentlich die Antwort geben. Es sind das System des Kapitalismus, die innere Logik des Kapitals, es sind Wachstumszwang und Profitmaximierung, die diesen Weg vorgeben. (Siehe die Seiten 32ff)

„Die Welt hat Mensch“, heißt es in jüngerer Zeit oft zur Beschreibung der Großen Krankheit des gegenwärtigen Zeitalters der Selbstzerstörung. Doch in Wirklichkeit ist nicht der Mensch an sich der Feind der Natur, sondern die seit einigen Jahrhunderten vorherrschende kapitalistische Wirtschaftsweise. (Siehe auch die Seiten 62/63 zum „Anthropozän“)

Capitalist system change – not climate change!

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