Saubere Lösung

Anders als russischen Oligarchen ist es vermögenden Chines:innen nicht vergönnt, sich im Ausland ein schönes Leben zu machen. Lediglich umgerechnet 50.000 Dollar dürfen sie pro Jahr außer Landes bringen. In Manhattan etwa wäre selbst für eine kleine Drei-Zimmer-Altbauwohnung das Zwanzigfache fällig. Das quasi umgekehrte Problem stellt sich Angehörigen mexikanischer Drogenkartelle: Wie die Einnahmen aus den USA nach Hause kriegen? Hilfe bietet eine gut organisierte chinesische Wäscherei.

Die Tradition der Chinese Laundry in den Vereinigten Staaten reicht zurück ins 19. Jahrhundert. Lukrativer als die klassische Kleiderreinigung ist inzwischen allerdings das Waschen von Geld. Grund dafür ist die Entwicklung des internationalen Drogenhandels. Herstellung, Schmuggel und Vertrieb stehen heute nicht mehr unter einem zentralen Kommando, sondern sind vielfach outgesourct. So auch der Zahlungsverkehr.

Der geht so: Die Dealer in den USA übergeben ihre Einnahmen, Taschen voller Bargeld, den chinesischen Geldwäschern, wozu man sich vorzugsweise auf den Parkplätzen von Supermärkten trifft. Die chinesische Geldwäsche-Filiale in Mexiko zahlt den entsprechenden Betrag in Pesos auf das Konto des mexikanischen Kartells, abzüglich zwei Prozent Provision, wie die Zeitschrift Economist angibt. Die nötigen Mittel schöpft die Geldwäsche-Dependance in Mexiko aus legalen Importgeschäften mit chinesischen Waren.

Die in den USA verbliebenen Drogendollar verkaufen die Geldwäscher an vermögende Chines:innen in Amerika. Diese bezahlen aus ihren Geschäften oder Guthaben in China auf die dortigen Konten der Geldwäscher – mit einem kleinen Aufschlag.

Die Geschäftsidee besteht also in beiden Fällen darin, eine internationale Transaktion ohne grenzüberschreitende Zahlungen abzuwickeln. Mit insgesamt vier oder fünf Prozent sollte die Wäscherei rentieren.

Allein die mexikanischen Kartelle erlösen Milliarden Dollar in den USA, zum Teil auch in Kryptowährungen. Welchen Anteil die chinesische Wäscherei an dem Umsatz hat, lässt sich nicht abschätzen. Sicherlich wird sie ihre Dienste auch anderen reichen Interessenten in den USA anbieten, deren Heimatland die Ausfuhr von Bargeld beschränkt. Den Immobilienmarkt in New York, in Beverly Hills und anderswo sollte es beflügeln.