Erwerbslosigkeit · Arbeitszeit · Kapital · Arbeit · Mensch · Lohnarbeit · Entfremdung

Lunapark21 – Heft 21

Arbeitslosigkeit wird hierzulande in den Gefilden der klassischen Gewerkschaftsarbeit als Spezialfall angesehen. Man will zurück zum Sozialstaat oder zum „Rheinischen Kapitalismus“ und glaubt, diese Massenarbeitslosigkeit gemeinsam mit vernünftigen Kapitalisten und mit einem Kanzlerkandidaten, der erheblich zur „Entfesselung“ des Kapitalismus und damit zur Steigerung der Arbeitslosigkeit beitrug, bekämpfen zu können. Gleichzeitig werden in diesem Bereich des klassischen gewerkschaftlichen Engagements das Thema Hartz IV und damit mehr als fünf Millionen Menschen weitgehend ausgeblendet; der innere logische Zusammenhang zwischen der „normalen Arbeitslosigkeit“ und der zunehmenden Verelendung und gesellschaftlichen Zersetzung wird zu wenig erkannt.

Das neue Lunapark21-Spezial dokumentiert zunächst am Beispiel der Entwicklung der Arbeitslosigkeit in Deutschland im Zeitraum 1887 bis 2012, dass die Massenarbeitslosigkeit kein Sonderfall, sondern den Normalfall im Kapitalismus darstellt (S. 34-37). Hier wird verdeutlicht, dass wir es bereits mit einer neuen Qualität bei dieser Massenarbeitslosigkeit oder auch bei der aktuellen „industriellen Reservearmee“ zu tun haben. Dies ist auch die Schlussfolgerung in dem folgenden Beitrag: Tomasz Konicz untersucht das „gegenwärtige Kapitalregime und die Produktion von Arbeitslosigkeit“. (S. 38-41.)

Manfred Dietenberger berichtet über den Kampf für Arbeitszeitverkürzung als Antwort der Arbeiterbewegung auf die permanente Schaffung einer „industriellen Reservearmee“ (S. 42-44) und untersucht das „neue Prekariat und die Zersetzung der zuvor erkämpften sozialen Absicherungen“ (S. 45-47). Gerhard Klas analysiert den neuen neoliberalen Zaubertrick, die Mikrokreditprogramme als „Kampf“ gegen Arbeitslosigkeit (S. 48f). Sandra Ernst-Kaiser berichtet aus Griechenland über „Arbeitslosigkeit und Armut der Athenerinnen“ (S. 50f). Das LP21-Spezial wird wie immer abgerundet mit dem von Georg Fülberth verfassten „Lexikon“ zum Thema „technologische Arbeitslosigkeit“ (S.52f).

Verwiesen sei schließlich auf den Beitrag von Gisela Notz zum Thema Frauenarbeit und Arbeitszeitverkürzung (S. 21ff) und den direkt an das Spezial anschließenden „Subjektiven Faktor“ – das Interview mit einer Hartz-IV-Initiative in Köln (S. 54ff). Einer der beiden Interviewten sagt: „In den letzten Jahren ist für uns wichtig geworden, dass es uns trotz Erwerbslosigkeit gut geht.“ In dem Sinn hat unser Gestalter Joachim Römer kleine Figuren aus seinem Keller geholt, von denen viele in Zeiten entstanden sind, in denen er – das war lange vor Hartz IV – glücklicher Erwerbsloser war. Die Figuren sind aus Plastiktreibgut vom Rhein.

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