[kolumne winfried wolf] Hartz IV – Oder: Hasta luego, siesta. Von einem Deutsch-Land, das auszog, Europa das fürchten zu lehren

Aus Lunapark21 – Heft 19

Altbundeskanzler Gerhard Schröder meldete sich im Vorfeld des Jahrestags der Hartz-IV-Beschlüsse im Handelsblatt zu Wort: „Die tiefgreifenden Reformen waren schmerzlich. Sie haben dazu beigetragen, dass Deutschland heute zu den weltweit wettbewerbsfähigsten Volkswirtschaften gehört.“ [1] Mit den „tiefgreifenden Reformen“ wurden der Sozialstaat massiv geschädigt und zugleich die Sozialkosten der öffentlichen Hand deutlich erhöht.

Die Zahl derjenigen, die auf soziale Zuwendungen (Hartz IV) angewiesen sind,

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Industrie und Empire? Die US-Industrie als Wahlkampfslogan und die Realität

Aus Lunapark21 – Heft 19

Als der derzeitige US-Präsident Barack Obama im Januar 2009 sein Amt antrat stand die offizielle Arbeitslosenquote bei 7,8 Prozent. Das Land steckte in einer tiefen Krise. Die wurde quasi-offizieller Weise inzwischen vom „Business Cycle Dating Committee“ für beendet erklärt. Nach gründlicher Abwägung aller Umstände kamen die Wirtschaftswissenschaftler im September 2010 zu dem Ergebnis, bereits mit dem Juni 2009 hätte das Land den Tiefpunkt der aktuellen Wirtschaftsentwicklung hinter sich gelassen (www.nber.org/cycles/sept2010.html).

Doch die Beschäftigung zeigt sich wie immer als nachlaufender Indikator. Die offizielle Arbeitslosenquote erreichte mit 10 Prozent ihren Höhepunkt erst

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Euro-Ende verzögert sich. Berlin schwenkt auf wenig orthodoxe Haltung um

Aus Lunapark21 – Heft 19

Die wirtschaftliche Lage der Euro-Länder hat sich im Laufe der Sommermonate 2012 weiter verschlechtert. Italien, Spanien und Portugal glitten tiefer in die Rezession. In allen drei Ländern, besonders aber in Spanien, beschleunigte sich die Kapitalflucht. Die Wirtschaftsleistung in Frankreich und den Niederlanden ging zurück. Völlig verheerend war die Lage in Griechenland. Die Wirtschaftskrise wütet dort im fünften Jahr. Aber sogar im von der Kapitalflucht aus den Südländern begünstigten Deutschland stellten sich eine Abschwächung der Export- und Industriekonjunktur und eine Verschlechterung des Arbeitsmarktes ein.

Dagegen blieb es am Finanzmarkt den Sommer über

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Grüner Kapitalismus oder braune kapitale Struktur. Die liebenswerte Vision einer green economy und der ernüchternde Vergleich der Global-500 1999 und 2011

Aus Lunapark21 – Heft 19

Seit 20 Jahren, seit der UN-Konferenz zu Umwelt und Entwicklung in Rio de Janeiro im Jahr 1992, wissen wir: Es findet eine gefährliche Erwärmung des weltweiten Klimas statt. Diese ist weitgehend von Menschen verursacht. Das entscheidende Treibhausgas, das diese Klimaerwärmung bewirkt, ist Kohlendioxid, das kennzeichnend ist für den “fossilistischen Kapitalismus” mit seiner Energiegewinnung aus Kohle, Öl und Gas. Damit ist auch klar, dass die Kohlendioxid-Emissionen auf globaler Ebene gesenkt werden müssen, um die Klimaerwärmung einzudämmen.

Seit rund drei Jahren wird dieses Grundwissen von keiner relevanten und glaubwürdigen Seite mehr bestritten. Auch die US-Regierung

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Piratenökonomie – Bekennend liberal

Aus Lunapark21 – Heft 19

Der Piratenpartei Deutschland wird immer wieder vorgehalten, dass sie in ihrem bislang noch rudimentären Programm keine Aussagen zur Wirtschaftsordnung treffe. Sie hat dies selbst eingeräumt und bemüht sich um eine Komplettierung. Zugleich hat sie bereits jetzt Aufmerksamkeit mit ihren Forderungen zum geistigen Eigentum erregt. Ihr Vorsitzender legt Wert auf die Feststellung, es handele sich nicht um eine sozialistische, sondern um eine liberale Partei.

Es zeichnen sich also Koordinaten ab, in die sich auch ein künftiges Wirtschaftsprogramm

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Der Tod des Fließbands? 40 Jahre „Gruppenarbeit“

Aus Lunapark21 – Heft 19

„Dies ist nicht nur neue Produktionstechnik. Es ist der Tod des Fließbands.“ So pries der Leiter des Volvo-Werks Uddevalla einst die Veränderungen in der schwedischen Automobilindustrie. Vor rund 40 Jahren begannen dort erste Experimente mit „Gruppenarbeit“. Statt monotoner Handgriffe im Minutentakt sollten die Arbeiter einen ganzen Fertigungsabschnitt – in Uddevalla gar die Montage ganzer Fahrzeuge – eigenverantwortlich in Teams durchführen.

Auch in Deutschland wurde ab 1974 im Rahmen

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Rollback ohne Widerstand. Gruppenarbeit bei Daimler-Untertürkheim war nie „Gute Arbeit“

Aus Lunapark21 – Heft 19

Glaubt man den Hochglanzprospekten des Daimler-Vorstands, dann ist die Welt der Produktionsarbeit hinter den Fabriktoren in bester Ordnung: Selbständig entscheidende Gruppen organisieren ihre Arbeit und koordinieren sich mit vor- und nachgelagerten Bereichen, keiner wird mehr auf kurztaktiges monotones Stückzahlklopfen reduziert. Der Aufgabenumfang der Gruppen ist vielmehr mit vielen organisierenden, steuernden, disponierenden Tätigkeiten angereichert, Produktionsarbeit also abwechslungsreich geworden. Und aus kontrollierenden repressiven Chefs sind kollegial unterstützende Coachs geworden…

Mit der Realität in den heutigen Produktionshallen hat das herzlich wenig zu tun. Dort muss heute

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„Wettbewerb“ statt „Humanisierung“. “Gruppenarbeit” in der schwedischen Automobilindustrie

Aus Lunapark21 – Heft 19

Vor rund 20 Jahren erklärte der Leiter des Nissan-Werks im britischen Sunderland – seinerzeit berühmt für seine „schlanken“ Produktionsmethoden, – die Leute bei Volvo würden denken, bei Teamarbeit gehe es um die Arbeit in Gruppen. „Sie könnten nicht weiter daneben liegen.“Das war zu einer Zeit, als Volvo in deutschen Gazetten mit dem Slogan warb: „Ford hat das Fließband erfunden, Volvo hat es abgeschafft – aus natürlichen Gründen.“ In der Tat hatte Volvo gerade sein Werk im schwedischen Uddevalla eröffnet, das ohne jedes Fließband auskam.

Das hatte einen zweifachen Hintergrund:

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Schuldenbremse in den Kommunen. Lukratives Geschäft für die Berater

Aus Lunapark21 – Heft 19

Die fast parteiübergreifende Mehrheit des Bundestages – ausgenommen Die Linke – hat eine „Schuldenbremse“ für alle öffentlichen Haushalte ins Grundgesetz aufgenommen. Es dürfen demnach ab 2019 keine neuen Schulden gemacht werden. Für den Bund gelten allerdings Ausnahmen bei bestimmten „Sonder- und Katastrophenfällen“. Zum Beispiel, wenn sich Banken in den Bankrott manövrieren. Der Bankrott von Städten und Gemeinden ist offensichtlich kein solcher Fall. Im Gegenteil: Ihr Bankrott ist eine Folge der Schuldenbremse.

Schon jetzt deuten sich in deutschen Kommunen griechische Verhältnisse an: Sie werden

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Ausweichbewegung. Leiharbeit 2.0: Werkverträge als neue Lohndumpingstrategie

Aus Lunapark21 – Heft 19

Es ist wie beim Märchen vom Hasen und dem Igel: Wenn sich langsam Widerstand gegen Formen prekärer Beschäftigung regt, sind die Konzerne längst weiter. Nach jahrelangem Zögern und mit zuletzt intensiver Kampagnetätigkeit haben es Gewerkschaften und Linke geschafft, die Leiharbeit öffentlich zu skandalisieren.

Selbst die konservative Regierung hat dem Druck ein bisschen nachgegeben und für die Zeitarbeitsbranche einen allgemeinverbindlichen Mindestlohn festgeschrieben. Wenigstens 7,01 Euro müssen Leiharbeiter seither im Osten pro Stunde verdienen, im Westen sind es 7,89 Euro. Das sind immer noch Armutslöhne, für die Profitmaximierer aber schon zu viel. Sie setzen jetzt verstärkt auf Werkverträge.

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