Zwei Elefanten auf einem großen Markt

Lunapark21 – Heft 28

Der Markt für Krankversicherungen wird in den USA von zwei Konzernen dominiert. Marktführer ist die UnitedHealthcareGroup. 2013, im Jahr vor „Obamacare“, machte sie bei einem Umsatz von 122 Milliarden US-Dollar einen Gewinn von 5,62 Milliarden. Seit zehn Jahren wachsen Umsatz wie Gewinn der Aktiengesellschaft, die 2012 anstelle von KraftFoods in den DowJones aufgenommen wurde. Ein Bilanzskandal Ende 2006 um den damaligen Chef William McGuire konnte weder dem Unternehmen noch McGuire selbst nachhaltig schaden. Eine Strafzahlung von 468 Millionen Dollar kostete McGuire weniger als die Hälfte des „goldenen Fallschirms“, den ihm UnitedHealthcare zum Abschied mitgegeben hatte.

Der unzufriedene Zweite ist der ehemalige Erste: 2004, nach der Übernahme von WellPoints durch Anthems war die neugebildete WellPoint Inc. die klare Nummer Eins. Doch seither stagniert das Geschäft. 2013 betrug der Umsatz gerade mal 71 Milliarden, der Gewinn 2,49 Milliarden US-Dollar. Vielleicht deshalb profilierte sich der Konzern mit der Opposition gegen Obamas „Affordable Care Act“.

Es wird mit harten Bandagen gekämpft, denn es geht es um sehr viel Geld. Die Versicherungen sind das Tor zum Gesundheitswesen. Und der Anteil der Gesundheitsausgaben am privaten Konsum der US-Amerikaner stieg von 1969 bis 2012 von 8,3 Prozent auf 20,5 Prozent. 18,2 Millionen Beschäftigte arbeiten im Gesundheitsbereich. Nur 7,2 Prozent davon sind gewerkschaftlich organisiert. Und die Organisierung macht einen Unterschied: Gewerkschaftsmitglieder kamen 2013 auf einen Wochenlohn von 823 Dollar (Median) – Nichtorganisierte auf nur 732.

Ein unendlicher AMAZON-Strom von Aggression, Ausbeutung & Arroganz

Lunapark21 – Heft 26

Vor zehn Jahren tauchte unter den 500 größten Konzernen der USA noch kein Unternehmen mit Namen Amazon auf. Vor acht Jahren, 2006, lag dieses Unternehmen in dieser Gruppe im Mittelfeld – auf Rang 237 mit weniger als 10 Milliarden US-Dollar Umsatz. Im vergangenen Jahr 2013 ist das Unternehmen bereits der 35. größte US-Konzern mit 75 Milliarden US-Dollar Umsatz.

Dramatisch entwickelte sich vor allem der Börsenwert: 2006 betrug der Marktwert von Amazon gut 10 Milliarden US-Dollar – 2013 waren es mit 155 Milliarden Dollar gut 15 Mal mehr.

Ein derart aggressives Wachstum wird in den „Qualitäts-Medien“ idealisiert und der Person an der Spitze, Firmengründer und Mehrheitseigner Jeff Bezos zugeschrieben. Was nicht einmal falsch ist. Was aber wenig mit der geistigen Größe, die diesem Herrn gelegentlich zugesprochen wird, und viel mit den Niederungen, in denen sich dessen Denke bewegt, zu tun hat.

Amazon im allgemeinen und Bezos im besonderen sind Kapitalismus und Darwinismus pur. Streiks sind für Bezos „Einmischung in die Unternehmenskultur“. Diese „Kultur“ besteht aus dem Dreigestirn 1. extreme Ausbeutung (Niedrigstlöhne), 2. extreme Fluktuation (junge Kräfte werden kurze Zeit ausgesaugt und dann ausgespuckt) und 3. extreme Arbeitsdichte: In den USA gilt bei Amazon ein Strafkatalog mit einem rigiden Punktesystem: bei sechs Punkten folgt die Entlassung; eine Krankmeldung ist bereits ein Punkt. Die Süddeutsche Zeitung vom 26. Oktober 2013: „Statt Klimaanlagen leistete sich Amazon in früheren Zeiten in den heißen Lagerhallen lieber einen Rettungswagen, der die kollabierenden Arbeiter abtransportierte.“
Immer wieder wird mit Blick auf den sogenannten Rheinischen Kapitalismus davon geschwafelt, Unternehmer hätten eine „soziale Verantwortung“. Bezos kommt gut damit klar, dass seine Unternehmensphilosophie das Asoziale ins Zentrum rückt.

Und wenn der Planet durch Bosse wie Bezos und Unternehmen wie Amazon komplett zugrunde gerichtet ist, so ist das aus Bezos Sicht nicht weiter tragisch. Er träumt davon, dass die Menschheit diesen Planeten irgendwann verlässt und das All besiedelt. Zu diesem Zweck gründete er das Unternehmen Blue Origin, das eine Rakete für Weltraumreisen baut.

Gibt man „relentless.com“ im Internet ein („gnadenlos.com“), so wird man auf Amazon geleitet. „Relentless“ sollte Jeff Bezos Unternehmen ursprünglich heißen. Jetzt agiert es nur so – und tut es so unendlich wie es der Strom Amazonas ist. LP21-Redaktion

Erster Weltkrieg und Ukraine-Krise

Rüstung, Krieg & Kapital
Winfried Wolf. Lunapark21 – Heft 26

Den Ausgangspunkt für den Ersten Weltkrieg bildete eine jahrzehntelang betriebene Hochrüstung in Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Österreich-Ungarn und Russland. Diese Aufrüstung und die Wirkung der Rüstungsproduktion auf Ökonomie und Politik spielen in den aktuellen Debatten um den Ersten Weltkrieg so gut wie keine Rolle.

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