Was reguliert die Wirtschaft?

Tatsächliche und angebliche Funktionen von Markt und Plan
Thomas Kuczynski. Lunapark21 – Heft 24

„Smith erläutert, wie die ‘unsichtbare Hand des Markts‘ den Egoismus des Einzelnen in wachsenden Wohlstand für die Allgemeinheit transformiert.“ So immer noch nachzulesen im derzeitigen Standardlehrbuch der Volkswirtschaftslehre,[1] fast zwanzig Jahre, nachdem Emma Rothschild nachgewiesen hatte, dass Adam Smith die Wendung „led by an invisible hand“ (geführt von einer unsichtbaren Hand), obgleich sie hundertfach in zeitgenössischen Predigten und religiösen Traktaten verwendet worden war, ein einziges Mal in seinem Buch über den Reichtum der Nationen verwendet hat, sie also bei dem geschworenen Pfaffenfeind Smith genau deshalb nur ironisch zu verstehen ist.[2]

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„Gold spielt in der Globalisierung keine Rolle mehr – Der hohe Goldpreis ist Panikmache und Spekulation“. quartalslüge

Winfried Wolf. Lunapark21 – Heft 23

Gold spiele für die heutige globale Ökonomie keine maßgebliche Rolle mehr. Es klappe doch ganz prima ohne eine Goldbindung der Währung. Oder, wie man es einigermaßen zugespitzt auf dem linken Internet-Portal „Telepolis“ lesen konnte: „Mit dem (angeblich) wertlosen Papiergeld dauert zumindest in Europa die längste kriegs- und krisenfreie Periode der Weltgeschichte an.“[1]

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Die Ambivalenz der Krise

Vor 100 Jahren: Gründerkrise von 1873 und Große Depression
Thomas Kuczynski. Lunapark21 – Heft 23

In unserem Verständnis ist der Terminus Krise zumeist negativ besetzt. In seiner ursprünglichen Bedeutung aber benannte das griechische krisis eine Entscheidungs-, eine kritische Situation (wie noch heute in der Medizin), deren Ausgang durchaus ungewiss. Dies ist ein für alle großen Krisen des Kapitalismus zutreffendes Charakteristikum, insbesondere auch für die Krise von 1873, die als Gründerkrise in die Geschichte eingegangen ist.

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Martin Luther und die Chicago Boys

Zur Antiquiertheit von neoliberalem Monetarismus und Finanzialisierung
Thomas Kuczynski. Lunapark21 – Heft 22

Über hundertfünfzig Jahre war die kapitalistische Produktionsweise in einem solchen Ausmaß von diesem einen Wirtschaftsbereich dominiert, dass manche sie die Epoche des Industriekapitalismus nannten, andere gar die Industriegesellschaft schlechthin. Wenn Marx im Nachwort zur 2. deutschen Ausgabe des Kapitals davon sprach, dass die große Industrie mit der Krise von 1825 aus ihrem Kindheitsalter herausgetreten war, so kann, ähnlich zugespitzt, gesagt werden, dass sie mit der Krise von 1973 in ihr Rentenalter eingetreten ist, also von Renten und Renditen lebt.

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125 Jahre Massenarbeitslosigkeit

Winfried Wolf. Lunapark21 – Heft 21

Am 7. Juni 1977 übertrug das Erste Deutsche Fernsehen (ARD) ein Streitgespräch, das zwischen dem (bald darauf durch die RAF ermordeten) deutschen Arbeitgeberpräsidenten Hanns-Martin Schleyer und dem Vorsitzenden des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) Oskar Vetter vor Managern und Unternehmern in St. Gallen ausgetragen wurde. Der ehemalige SS-Mann Schleyer sprach in der klaren Sprache des Klassenkampfes von oben; er rechtfertigte die strikte Ablehnung jeglicher Arbeitszeitverkürzung seitens der deutschen Industrie und die Politik der aggressiven, flächenhaften Aussperrung, die die Metallindustriellen bei Streiks angewandt hatten und weiter androhten. Das hätte eigentlich eine Sternstunde zur Aufklärung über das Verhältnis von Lohnarbeit und Kapital, also über Klassengesellschaft und Klassenkampf werden können. Doch Oskar Vetter jammerte vor allem über die schlechten Zeiten

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Die faschistische „Machtergreifung“

Sozialhistorisches zu einer Konterrevolution
Thomas Kuczynski. Lunapark21 – Heft 21

Anarchie und Konkurrenz als Grundcharakteristika kapitalistischer Ökonomie prägen auch das politische Verhalten der Kapitalisten und ihr Verhältnis zu den Parteien, die im parlamentarischen System bürgerlicher Demokratie um die Macht im Staat konkurrieren. Dies übersieht zuweilen, wer sich allein darauf beschränkt, die Definition moderner Staatsgewalt aus dem Kommunistischen Manifest zu wiederholen, sie sei „nur ein Ausschuss, der die gemeinsamen Geschäfte der Bourgeoisklasse verwaltet“. In der jeweiligen historischen Situation ist stets neu zu bestimmen, was für ein „gemeinsames Geschäft“ dieser Ausschuss verwalten soll, und das hängt in starkem Maße von den Kräfteverhältnissen innerhalb der herrschenden Klasse ab, ist also keineswegs von vornherein ausgemacht.

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Hitler & Großkapital

Eine Dokumentation von meist geheimen Treffen zwischen Nazi-Größen und Wirtschaftsbossen 1932/33
Lunapark21 – Heft 21

In den aktuellen Medien-Beiträgen zum Thema „30. Januar 1933“ wird die Errichtung des faschistischen Regimes, die an diesem Tag mit der Ernennung Adolf Hitlers als Reichskanzler durch den Reichspräsidenten Paul von Hindenburg stattfand, weitgehend mit einer Verblendung der Wählerinnen und Wähler und teilweise auch einer gewissen Naivität der bürgerlichen Politiker „erklärt“.

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Krisenverschiebungen. Wieso das Krisenbündel 2007ff. bloß die Krise 1973ff. fortsetzt

Aus Lunapark21 – Heft 19

In der Geschichte des Kapitalismus gab es vier besonders bedeutsame zyklische Krisen: Die von 1825, mit der die (kapitalistische) Industrie nach Marx‘ Worten „aus ihrem Kindheitsalter heraus(trat)“, die von 1873, mit der der Übergang zum Imperialismus begann, die von 1929, die den staatsmonopolistischen Kapitalismus fest etablierte, und die von 1973, die gemeinhin als Krise des Fordismus bezeichnet wird.

Das Charakteristikum dieser großen Krisen ist,

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Das Reich der Reichen. Berlin, Breite Straße 29

Aus Lunapark21 – Heft 19

Im Zentrum Berlin steht an der Ecke Breite Straße/Gertraudenstraße zur Zeit ein kleines Ausstellungstürmchen. Pünktlich zur 775- Jahrfeier wird hier an die mittelalterlichen Anfänge der damaligen Doppelstadt Cölln/Berlin erinnert. Weiterhin wird die spätere Bedeutung der Straße als Zugang zum königlichen Schlosse hervorgehoben. Selbst ihre repräsentativen Funktionen im zweiten deutschen Staat, als sie „das Entree zum politischen Zentrum der DDR“ bildete, findet Erwähnung.

Nur eines fehlt. Eine Erinnerung an jene, die hier, genau hier, in zwei Revolutionen gekämpft haben.

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