Urlaub am Don

Die südlichste Millionenstadt der Russländischen Föderation empfängt ihre Besucher mit zwei Gepäckslaufbändern am kleinen Flughafen. Dem aus Moskau kommenden Airbus 320 entsteigen Sonnenhungrige aus dem Norden und Arbeitsmigranten, die für zwei oder drei Wochen aus Deutschland anreisen, um den Urlaub bei daheim gebliebenen Verwandten zu verbringen. In zwei Jahren soll Rostow am Don zu einer Drehscheibe der Fußballweltmeisterschaft werden, wofür gerade ein neues Stadion am Flussufer gebaut wird.

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Der Ausnahmeboxer Muhammad Ali und das Faustrecht im Kapitalismus Oder: Gibt es eine Poesie der Brutalität

Über Muhammad Ali konnte man in den letzten Jahrzehnten, als er noch lebte, nur Positives hören, lesen und sehen. Nach seinem Tod am 3. Juni 2016 überschlagen sich nun diejenigen, die sich zu ihm äußern. Er sei Held, Vorbild, außergewöhnlich – eben „der Größte“ gewesen. Vergleichbare Darstellungen finden sich in den Boulevard-Zeitungen ebenso wie in den Qualitäts-Medien. Sie stammen von Sportjournalisten und von Schriftstellern. Wobei es so gut wie ausschließlich  Männer sind, die sich öffentlich derart zu Muhammad Ali äußern. Eine etwas andere Sicht lesen sie HIER.

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[rezension] Gelehrter Marxismus. Ralf Krämers Einführung in die Politische Ökonomie der Gegenwart

Aus: LunaPark21 – Heft 31

Manchmal ist es mit Basis und Überbau ganz einfach. Als 1998 der 150. Jahrestag der Veröffentlichung des „Manifestes der Kommunistischen Partei“ anstand, fühlten sich Kapitalisten und Leitmedien ihrer Sache so sicher, dass sie den Marxschen Text im Feuilleton problemlos loben konnten. Nicht für seine garstigen politischen Vorschläge, die galten ohnehin seit 1989 erledigt. Aber für seine Beschreibung der revolutionären Rolle von Kapital und Weltmarkt. Zehn Jahre später sah es anders aus. Die Weltwirtschaftskrise 2008/ 2009 erschütterte das siegesgewisse Selbstbild der herrschenden Klasse. Ein neues politisches Interesse an marxistischen Positionen ist entstanden, das im Feuilleton von FAZ und Spiegel nicht mehr so einfach begrüßt wird.

Das Buch von Ralf Krämer baut

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„Das Ende der Megamaschine“

Besprechung von Fabian Scheidlers neuem Buch über die „Geschichte einer scheiternden Zivilisation“

Andrea Komlosy in Lunapark21 – Heft 30

Bücher über die Krise des Kapitalismus haben derzeit Konjunktur. Aus der Fülle der Neuerscheinungen ragt das Werk eines Generalisten heraus. Fabian Scheidler hat Geschichte und Philosophie studiert. Dass ihm mit „Das Ende der Megamaschine“ ein wahrhaft großer Wurf gelungen ist, liegt jedoch in seiner Erfahrung als Dramaturg, Theaterautor sowie Betreiber des globalisierungskritischen Fernsehmagazins www.kontext-tv.de. Der professionelle Hintergrund sorgt dafür, dass das Buch zu einer dramatischen Zeitreise durch die Weltgeschichte wird, eine Tragödie, allerdings mit dem Ausblick auf ein mögliches Happy End.

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Flaschenpost – unzeitgemäße Kommunikation?

Über eine Obsession und eine Ausstellung des Lunapark21-Gestalters Joachim Römer

Gerd Michalek in Lunapark21 – Heft 30

Warum kritzeln Menschen Botschaften auf einen Zettel, um sie per Flasche in den Fluss zu werfen? Man könnte doch blitzschnell eine E-Mail senden! Antworten auf die Frage sucht der Gestalter von Lunapark21, Joachim Römer, seit 1998. Damals fand der Kölner Graphiker und Künstler am Rhein seine erste Flaschenpost bei ausgedehnten Uferspaziergängen. Sozusagen als „Beifang“ zu anderem Treibgut, das er künstlerisch verwertete. Mittlerweile sind ihr gut 1400 Flaschenposten gefolgt.

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Flaschenpost_Heft30_Seite_66

04/13-19 | Fundort: rechtsrheinisch · Niederkassel-Mondorf | Text, Computerausdruck, 1. Seite: Einweg | Du stellst etwas her | Du kaufst es Dir ab | Du kannst es nicht brauchen | Du willst es nicht haben | Du schmeisst es weg | Du sammelst es wieder auf | Du machst es kaputt | Du sortierst die Scherben | Du stellst es her | Du kaufst dich Dir ab | Du kannst dich nicht brauchen | Du willst dich nicht haben | Du schmeißt dich weg | Du sammelst dich wieder auf | Du machst dich kaputt | Du sortierst dein Leben | (…) gestempelt: Jun 26 2003 bitte an: Name und Adresse des Absenders Das finden von Flaschenpostflaschen verpflichtet zu nichz. Rükksendungen aller Art sind möglich. Brieftauben, telepathische Sendungen, Postkarten und andere Kommunikazionstechniken bitte immer mit Adressangabe und Antwortmöglichkeit. | 2. Seite: Telekommunikation: Wir leben in einer Zeyt der unterschiedlichsten Telekommunikationssysteme. Briefe sind durch Tele-Fax sekundenschnell verschikkt; mit Mobiltelephonen ist jeder immer und überall erreichbar; im Internet kann man aus einer Fülle von Kontaktangeboten auswählen. Doch trotz dieser vielen scheinbar direkten Kontaktmöglichkeiten leben immer mehr Menschen in Isolation. Jeder vierte Lohnabhängige lebt allein, ohne Fräundes- und Bekanntenkreis, ohne echte Begegnungen ausserhalb von Arbeyzplatz oder Supermarkt. (…) | Umweltschutz: Leere Flaschen sind ein schützenswerter Teil unserer Umwelt. Das duale System fordert von uns – ohne uns eine Gegenleistung anzubieten – die Herausgabe der leeren Flaschen, um sie zu zerstören und unter hohem Energieaufwandt näue Flaschen daraus zu gestalten. Der Umgang mit einer Umwelt ist immer auch symptomatisch fyr den Umgang mit einer Inwelt. Leere Gefühle, auf die es keine Eigentumsrechte gibt, werden weggeworfen, kleingehexelt und aus den Scherben näue, scheinbar ebenso anwendbare Gefühle zusammengeschustert. Leere Flaschen dem dualen System vorzuenthalten und als Mittel zur Telekommunikation zu verwenden ist der erste Schritt zu einer intakten Inwelt…

Fernsehen alternativ

Kontext TV – die anderen Nachrichten
Simone Holzwarth. Lunapark21 – Heft 24

„Wir versuchen nicht, das Mainstream-Fernsehen zu imitieren mit seinen kurzen Nachrichtenhäppchen und Talkrunden, in denen keine größeren Zusammenhänge erkennbar werden.“ Fabian Scheidler, einer der Macher bei Kontext TV, formuliert diese Zielvorgaben für die Internet-basierte TV-Nachrichtensendung.

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