Nationalismus außer Kontrolle

Zwei Jahre Pegida, zwanzig Jahre Jahresbericht zum Stand der deutschen Einheit

Im Frühjahr 1991 während einer Polenreise fragte ein anerkannter Wirtschaftshistoriker aus Poznan, wie lange es denn dauern werde, bis es die Gebiete der DDR auf Westniveau geschafft haben? Wir waren verdutzt. Die Frage hatten wir uns noch nicht gestellt. Nach einem kurzen Nachdenken begannen wir zu raten: 30 Jahre? 50? Nie? Es gab da mehrere gute Argumente in dieser Richtung. Dem freundlichen Kollegen waren unseren skeptischen Überlegungen nicht ganz fremd. „Nur“, fragte er dann weiter, „was heißt das für uns?“

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Heft 35: Digitalisierung, Big Data Monopole, Zerstörung

lp21_35: Digitalisierung, Big Data Monopole, Zerstörunglunart Sarah Marie Zoozmann • Pusteblume quartalslüge „IT ist kreativ und verbindet Menschen“ kolumne winfried wolf • Der A380-Skandal welt&wirtschaft Sebastian Gerhardt • Die US-Wirtschaft ist nicht erkältet, viele Bürger schon Hannes Hofbauer • Kanzler Kern: „New Deal für Österreich“ Hannes Hofbauer • Migration: Osteuropa blutet aus soziales&gegenwehr Ali Ergin DemirhanTürkei: Neoliberaler Islamismus Daniel Behruzi • Reha-Klinik Median: Profitmaximierung durch Tarifflucht Anselm Lenz • Das Kapitalismustribunal – eine faire Abrechnung: das Beispiel Primark lunart Lucie Biloshytskyy • Satisfaktion feminismus&ökonomie Therese Wüthrich • Die feministische Ökonomin Mascha Madörin • Interview mit Mascha MadörinGisela Notz • Roboter-Küchen sind Frauen-Küchen spezial » digitalisierung•bigdata-monopole•zerstörung Werner Seppmann • Entwicklungstendenzen des Computer-Kapitalismus Werner Seppmann • Zur politischen Ökonomie der Internetwirtschaft Rainer Fischbach • Die Digitalisierung der Arbeitswelt Ralf Lankau • Paralysierte Kids, die tippen & wischen Werner Rügemer • Wikipedia: „Wissen der Menschheit“ zwischen Naivität & Fälschung Bernhard Knierim • Autonomes Fahren: Versprechungen & unwägbare Risiken lexikon Georg Fülberth • Barbarei der subjektive faktor Carl Waßmuth • Autobahnprivatisierung: Private Profite mit maroden Straßen energie&umwelt Klaus Meier • „Kühlgrenztemperatur“: tödlich zeit&ort Sebastian Gerhardt • Jackson Hole. Kritischer Besuch beim Treffen der Zentralbanker märchen des neoliberalismus Patrick Schreiner & Kai Eicker-Wolf • „Lohnsenkungen stärken die Wirtschaft!“ geschichte&ökonomie Thomas Kuczynski • Revolutioniert „Industrie 4.0″ den Charakter der Arbeit? seziertisch 172 Georg Fülberth • Fall Reil… Sehen Sie selbst. Am Bahnhofskiosk – oder bestellen.

Neoliberaler Islamismus. Die Vorgeschichte der politischen Krise in der Türkei

Aus: Lunapark21, Heft 35

Wenn man manchen liberalen Medien – und auch einigen linken Kommentaren – glauben könnte, dann ist die politische Krise in der Türkei, die spätestens seit dem Sommer 2015 offensichtlich wurde und zuletzt in Putschversuch und Ausnahmezustand kulminierte, eine gänzlich unerwartete Überraschung: Die Ökonomie war wohlauf, in der Kurdenfrage lief alles bestens und in der Außenpolitik erst recht, das Land wurde immer und immer demokratischer – ehe sich ganz plötzlich alles änderte. Ist eine solche Geschichte plausibel? Waren die 14 Jahre AKP-Regierung „Aufstieg und Fall“ eines Entwicklungsmodells? Oder waren die ersten zehn Jahre der Regierung Erdoğan vielleicht doch nicht die Erfolgsgeschichte, für die sie nunmehr gern verkauft werden? Wo sind in dieser Geschichte die Klassen, die ökonomische Abhängigkeit der Türkei von den imperialen Mächten (USA und EU) und die blutigen Auswirkungen der Kriege im Mittleren Osten?

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Minister gegen Kanzler: Mit der Keule des Neoliberalismus

Zerbricht die Koalition an der Wirtschaftspolitik? Der Streit um die zukünftige Ausrichtung ist jedenfalls heftig; und er wird mit starken Worten geführt. Bundeskanzler und Finanzminister stehen sich in ihren Positionen unversöhnlich gegenüber.

Schon die männliche Form bei der Nennung des Kanzlers zeigt, dass hier einmal nicht von Deutschland die Rede ist. Die grundsätzliche Auseinandersetzung um die Form staatlicher Wirtschaftspolitik tobt in Wien, genauer zwischen Regierungschef Christian Kern (SPÖ) und „seinem“ Finanzminister Hans Jörg Schelling (ÖVP). Wer weiß, dass das kleine Österreich schon des öfteren ein politisches Versuchsfeld für das große Deutschland abgegeben hat, sollte die folgenden Zeilen als mögliche Vorboten für zukünftig ähnlich gelagerte Auseinandersetzungen in Berlin lesen.

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„Die Zukunft fängt bei Dir an“ – Was bedeutet Degrowth oder Postwachstum für Wen?

Die Begriffe Degrowth oder Postwachstum sind in aller Munde. Was bedeuten sie?

„Unter Degrowth oder Postwachstum verstehen wir eine Wirtschaftsweise und Gesellschaftsform, die das Wohlergehen aller zum Ziel hat und die ökologischen Lebensgrundlagen erhält. Dafür ist eine grundlegende Veränderung unserer Lebenswelt und ein umfassender kultureller Wandel notwendig“, so steht es auf der website von  www.degrowth.de unter der Überschrift: „Was bedeutet Degrowth für dich?“. Das drängt die Frage auf: Wer wird hier angesprochen, und wer soll oder muss was zum kulturellen Wandel beitragen. „Weniger ist mehr!“, „nachhaltiger Leben!“ sind ebenfalls Slogans, die Konjunktur haben. Die Notwendigkeit von „umweltverträglicheren Lebensstilen inklusive eines deutlich reduzierten Niveaus an materiellem Konsum“ (Reinhard Loske) wird als politische Herausforderung erster Ordnung angesehen. Was bedeuten das für meine Kreuzberger Nachbarn, die von Hartz-IV leben müssen und deren Miete immer teurer wird, so dass sie sie schließlich nicht mehr bezahlen können?

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