Klassensolidarität statt Exit

Ergebnis langer Debatten: Die Mehrheitsposition von Syriza

Christos Laskos und Euclid Tsakalotos in Lunapark21 – Heft 30

Die EU umfasst die Integration der kapitalistisch entwickelten europäischen Länder. Sie ist eine strategische Koalition der herrschenden Klassen, die darauf aus sind, ihre Position gegenüber den USA und anderen kapitalistischen Formationen zu stärken, aber in erster Linie gegenüber ihren eigenen Arbeiterklassen. Die wesentliche Voraussetzung für die ungehinderte Kapitalakkumulation sind günstige Bedingungen für die Inwertsetzung des Kapitals, wozu der kapitalistische Wettbewerb zählt. Internationaler Wettbewerb ist für die Organisierung der bürgerlichen Macht eine geniale Strategie, weil dieser zur anhaltenden Reorganisierung der Arbeit antreibt und für die Eliminierung von wettbewerbsuntauglichen Einzelkapitalen sorgt, wovon am Ende das Gesamtkapital profitiert.

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Beste Strategie: geordneter Austritt aus dem Euro

Elisa Simantke & Nikolas Leontopoulos befragten Costas Lapavitsas

Aus Lunapark21 – Heft 30

Was ist Ihr Eindruck von den bisherigen Verhandlungen?
Die Strategie der Regierung war, dass eine Veränderung der politischen Kräfte in Griechenland als Katalysator für ganz Europa wirken wird. Diese Strategie ist jetzt gescheitert. Die wirkliche Frage ist, wie lange es dauern wird, bis die Menschen das verstanden haben.

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Von Byrnes zu Merkel

Der deutsche Sonderweg in die Spitzengruppe des liberalen Imperialismus

Sebastian Gerhardt in Lunapark21 – Heft 30

Nicht nur Alexis Tsipras ist immer für eine Überraschung gut. Von seinem Amtsantritt als Finanzminister bis zum Rücktritt am Tag nach dem mutigen Referendum hat Yanis Varoufakis mit kantenreichen Positionen die Diskussion über die europäische Krise vorangebracht. So machte er zum Auftakt des G7-Gipfels in Elmau Anfang Juni den Vorschlag, Bundeskanzlerin Angela Merkel sollte eine „Rede der Hoffnung“ halten, so wie einst der US-Außenminister James Byrnes im September 1946. Vor dem Auftritt von Byrnes in Stuttgart hätten die Alliierten eine Politik der Deindustrialisierung Deutschlands verfolgt, eine Umstellung der deutschen Wirtschaft auf „Landwirtschaft und Leichtindustrie“ beabsichtigt. Byrnes Rede habe einen Zeitenwechsel signalisiert. Erst danach hätten die Deutschen, so Varoufakis, ihre „harte Arbeit, Innovation und Hingabe an eine demokratisches und einiges Europa“ positiv einsetzen können. Nun bräuchten die Griechen eine ebensolche Chance.

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Kriegstreiber Energiekonzerne?

Energiewirtschaftliche Weichenstellungen im Ukraine-Krieg

Henrik Paulitz in Lunapark21 – Heft 30

Der Ukraine-Krieg und die Krim-Krise werden vielfach als Folge eines neu entstandenen Ost-West-Konflikts interpretiert. Analysiert man die energiewirtschaftlichen Aspekte dieser Geschehnisse, so ist festzustellen: Von dem gewaltsam herbeigeführten Regime-Wechsel, der Krim-Krise und dem Krieg in der Ostukraine profitieren transnationale Konzerne in Ost und West. Die Menschen in der Ukraine haben das Nachsehen.

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„Das Ende der Megamaschine“

Besprechung von Fabian Scheidlers neuem Buch über die „Geschichte einer scheiternden Zivilisation“

Andrea Komlosy in Lunapark21 – Heft 30

Bücher über die Krise des Kapitalismus haben derzeit Konjunktur. Aus der Fülle der Neuerscheinungen ragt das Werk eines Generalisten heraus. Fabian Scheidler hat Geschichte und Philosophie studiert. Dass ihm mit „Das Ende der Megamaschine“ ein wahrhaft großer Wurf gelungen ist, liegt jedoch in seiner Erfahrung als Dramaturg, Theaterautor sowie Betreiber des globalisierungskritischen Fernsehmagazins www.kontext-tv.de. Der professionelle Hintergrund sorgt dafür, dass das Buch zu einer dramatischen Zeitreise durch die Weltgeschichte wird, eine Tragödie, allerdings mit dem Ausblick auf ein mögliches Happy End.

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Flaschenpost – unzeitgemäße Kommunikation?

Über eine Obsession und eine Ausstellung des Lunapark21-Gestalters Joachim Römer

Gerd Michalek in Lunapark21 – Heft 30

Warum kritzeln Menschen Botschaften auf einen Zettel, um sie per Flasche in den Fluss zu werfen? Man könnte doch blitzschnell eine E-Mail senden! Antworten auf die Frage sucht der Gestalter von Lunapark21, Joachim Römer, seit 1998. Damals fand der Kölner Graphiker und Künstler am Rhein seine erste Flaschenpost bei ausgedehnten Uferspaziergängen. Sozusagen als „Beifang“ zu anderem Treibgut, das er künstlerisch verwertete. Mittlerweile sind ihr gut 1400 Flaschenposten gefolgt.

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Flaschenpost_Heft30_Seite_66

04/13-19 | Fundort: rechtsrheinisch · Niederkassel-Mondorf | Text, Computerausdruck, 1. Seite: Einweg | Du stellst etwas her | Du kaufst es Dir ab | Du kannst es nicht brauchen | Du willst es nicht haben | Du schmeisst es weg | Du sammelst es wieder auf | Du machst es kaputt | Du sortierst die Scherben | Du stellst es her | Du kaufst dich Dir ab | Du kannst dich nicht brauchen | Du willst dich nicht haben | Du schmeißt dich weg | Du sammelst dich wieder auf | Du machst dich kaputt | Du sortierst dein Leben | (…) gestempelt: Jun 26 2003 bitte an: Name und Adresse des Absenders Das finden von Flaschenpostflaschen verpflichtet zu nichz. Rükksendungen aller Art sind möglich. Brieftauben, telepathische Sendungen, Postkarten und andere Kommunikazionstechniken bitte immer mit Adressangabe und Antwortmöglichkeit. | 2. Seite: Telekommunikation: Wir leben in einer Zeyt der unterschiedlichsten Telekommunikationssysteme. Briefe sind durch Tele-Fax sekundenschnell verschikkt; mit Mobiltelephonen ist jeder immer und überall erreichbar; im Internet kann man aus einer Fülle von Kontaktangeboten auswählen. Doch trotz dieser vielen scheinbar direkten Kontaktmöglichkeiten leben immer mehr Menschen in Isolation. Jeder vierte Lohnabhängige lebt allein, ohne Fräundes- und Bekanntenkreis, ohne echte Begegnungen ausserhalb von Arbeyzplatz oder Supermarkt. (…) | Umweltschutz: Leere Flaschen sind ein schützenswerter Teil unserer Umwelt. Das duale System fordert von uns – ohne uns eine Gegenleistung anzubieten – die Herausgabe der leeren Flaschen, um sie zu zerstören und unter hohem Energieaufwandt näue Flaschen daraus zu gestalten. Der Umgang mit einer Umwelt ist immer auch symptomatisch fyr den Umgang mit einer Inwelt. Leere Gefühle, auf die es keine Eigentumsrechte gibt, werden weggeworfen, kleingehexelt und aus den Scherben näue, scheinbar ebenso anwendbare Gefühle zusammengeschustert. Leere Flaschen dem dualen System vorzuenthalten und als Mittel zur Telekommunikation zu verwenden ist der erste Schritt zu einer intakten Inwelt…

Religionskriege?

„Der Hauptfeind steht im eigenen Land!“ (Karl Liebknecht)

Thomas Kuczynski in Lunapark21 – Heft 30

Vier Jahre nachdem Francis Fukuyama das angebliche „Ende der Geschichte“ verkündet hatte, läutete 1993 sein Landsmann Samuel Ph. Huntington (1927-2008) mit seinem später zu einem ganzen Buch umgestalteten Aufsatz „Clash of Civilizations“ (Kampf der Kulturen) eine neue Etappe ideologischer Geschichtsbetrachtung ein, und zwar mit ungemein großem Erfolg.

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Elitäre Selbstregierung

Die City of London – ein Heimathafen für das Kapital

Sebastian Gerhardt in Lunapark21 – Heft 30

Von der Aussicht auf ein Referendum der Briten über ihren Verbleib in der EU sind Großkapital und Hochfinanz auf den Inseln nicht wirklich beunruhigt. Soll David Cameron ruhig sein populistisches Wahlversprechen erfüllen. Sie sind sich sicher, dass nach einigen möglichen Anpassungen der EU-Verpflichtungen, die ihnen durchaus zupass kommen würden, die Macht der Verhältnisse sich durchsetzen und das Wahlvolk ein Einsehen haben wird. Warum sollten erfolgreiche Geschäftsleute gegen eine neoliberale Freihandelszone auftreten? Zumal sie selbst immer eine Fluchtmöglichkeit vor Augen haben, die im eigenen Lande liegt und doch dem Einfluss der Normalbürger ganz entzogen ist: die City of London.

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