Soziale Explosion nach ökonomischem Niedergang: Baltimore 2015

Hannes Hofbauer in Lunapark21 – Heft 30

Im Park neben der St. Vincent de Paul-Kirche, nördlich des Hafens gelegen, logieren geschätzt 40 bis 60 Obdachlose; Hautfarbe: schwarz, Geschlecht: männlich. „Ohne den Schutz der Kirche wären wir hier schon längst vertrieben“, erzählt uns ein zahnloser junger Mann bereitwillig. Zwei Säcke oder Tragetaschen darf jeder hier laut ungeschriebenem Gesetz als persönliches Hab und Gut in die damit bereits stark übernutzte kleine Parkfläche mitnehmen, meint unser Informant und deutet auf ein Fleckchen Erde, auf dem sich sechs, sieben Plastikbeutel mit Kleidung, Decken und Vorräten stapeln. Dieser Kollege und Leidensgenosse, will er mit der Geste sagen, hält sich nicht an die Regeln.

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Freihandel und Krieg

Werner Rügemer in Lunapark21 – Heft 30

Die Auseinandersetzung zwischen US-geführtem Freihandel und dem Peking-Konsens entscheidet gegenwärtig über die Zukunft der Menschheit

Gegenwärtig geht es erneut um die Aufteilung der Welt. Der westliche Kapitalismus, wie er sich auf dem G7-Gipfel auf Schloss Elmau nochmals zelebrierte, ist ökonomisch in der Defensive, Bevölkerungsmehrheiten verarmen, die politische Zustimmung sinkt. Unter anderem mit „Freihandels“verträgen sollen die westlichen Reihen dichter geschlossen werden: TTIP zwischen USA und Europäischer Union, TPP zwischen USA und Pazifik-Staaten, CETA zwischen der EU und Kanada, TISA mit allen Beteiligten sowie mit zahlreichen bilateralen Verträgen. Dies soll die Konzerngewinne steigern und zugleich ein Bollwerk gegen aufstrebende Staaten und deren neue Bündnisse und Institutionen bilden.

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Der Aufstand der Landarbeiter im Tal von San Quintín

Arbeitskampf für menschenwürdige Lebensbedingungen im Norden Mexikos

Gerol Schmidt in Lunapark21 – Heft 30

Es ist eine idyllische Beschreibung auf der Webseite des Hotels Mission Inn in der Kleinstadt San Quintín: „Das Tal, heute mehr eine Ebene als ein Tal, befindet sich inmitten einer Reihe von sieben erloschenen Vulkankegeln […] Direkt neben dem Strandufer und der Bergkette von San Miguel im Osten. Zwei kleine Flüsse […] nähren ein Bewässerungssystem, welches das Tal in ein bedeutendes Zentrum für den Gemüseanbau verwandelt. Viele aus Oaxaca und Chiapas stammende Personen arbeiten auf diesen Pflanzungen und leben in der Umgebung von San Quintín.“

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„Dedicated to Excellence“

Oder: Warum ein Großkonzern zerschlagen wird

Heinrich Neuhaus in Lunapark21 – Heft 30

Vor einem Jahr, am 21. Juni 2014, konnte die Konzernleitung von ALSTOM Vollzug melden. In der Bieterschlacht um den französischen Multi hatten Siemens und sein Partner Mitsubishi Heavy Industries das Nachsehen. Der US-Gigant General Electric (GE) kommt hingegen zum Zug.

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Eine Kette von Fehlentscheidungen

Heinrich Neuhaus in Lunapark21 – Heft 30

ALSTOM ist nicht nur ein Konzern mit einem über 100 Jahre alten industriellen technologisch breitesten Angebot in den beiden Kernbereichen Power und Transport. Durch eine Kette von Fehlentscheidungen ist ALSTOM in eine tiefe Krise geraten. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit seien die folgenden Punkte genannt:
• Die Übernahme des Energiesektors von ABB im Jahr 2000 ohne vertragliche Absicherung. Die von ABB verschwiegenen Probleme mit den großen Gasturbinen führten beinahe zum Bankrott von ALSTOM. Der Konzern musste dann 2003 durch den französischen Staat gerettet werden. Die damalige staatliche Hilfe wurde von der EU nur zähneknirschend gebilligt (Konkurrenten wie Siemens hätten fast ein EU-Veto erreicht). Damit aber wäre es 2014/15 auch äußerst schwierig gewesen, erneut auf Hilfe durch Paris zu setzen.
• Der Verkauf der Staatsanteile an Alstom an den mit Sarkozy befreundeten Multimilliardär Bouygues unterwarf das Unternehmen einer ständigen und hemmungslosen Gewinnabführung (addiert rund 15 Milliarden Euro).
• Der überteuerte Rückkauf des Bereichs Grid von Areva schwächte weiter die Eigenkapitalquote.
• Mit teils grotesken Fehleinschätzungen der Nachfrage wurden unsinnige Personalabbaumaßnahmen begründet und teilweise durchgesetzt.
• Durch Produktionsverlagerungen (z.B. im Generatorenbereich) verlor der Konzern Milliarden.
• Die strategische Bedeutung der Qualität der ALSTOM-Produkte und Dienstleistungen wurde lange Zeit nicht ernst genommen.
• Hinweise auf Probleme im Dampfkesselbereich wurden ignoriert.
All das verursachte Fehlerkosten im Milliardenhöhe. Gleichzeitig wurde der Aufbau von Kapazitäten und Fähigkeiten im Bereich der regenerativen Energieerzeugung nur halbherzig vorangetrieben oder er fand deutlich zu spät statt. An der Zulieferung konventioneller Dampfturbinen für die tödliche Atomenergie wurde festgehalten.

Kapitalkonzentration via Erpressung durch US-Justiz?

Heinrich Neuhaus in Lunapark21 – Heft 30

Die innerimperialistische Konkurrenz findet mitunter ihren Ausdruck auf unerwarteten Gebieten. Beispielsweise zahlten europäische Finanzinstitute in den letzten drei Jahren mehr als 40 Milliarden US-Dollar an Strafgeldern an US-Institutionen (meist das Schatzamt der US-Regierung), weil ihnen im Zusammenhang mit der Finanzkrise 2007-2009 betrügerische Finanzgeschäfte vorgeworfen wurden.

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Bündnis von Labour und Tories zwecks Privatisierung

Die Devolutionspläne der britischen Regierung für Greater Manchester

Christian Bunke in Lunapark21 – Heft 30

Wie man sich als politische Kraft selbst ins Abseits schießt, konnte man im vergangenen Jahr am Beispiel der Labour-Partei in Schottland beobachten. Ihr Bündnis mit den Konservativen gegen die schottischen Unabhängigkeitspläne bezahlte Labour mit Massenaustritten und dem Verlust aller schottischen Parlamentssitze bis auf einen im Londoner Unterhaus. Die große Mehrheit jener, die in Schottland für die Unabhängigkeit stimmten, taten dies mit der Hoffnung auf eine Befreiung von Austeritätspolitik, Privatisierung und Armut. Labour wurde abgestraft, weil sie während des Referendums eine große Koalition mit den Tories eingingen.

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Einheitsgewerkschaft. lexikon

Georg Fülberth in Lunapark21 – Heft 30

Unter dem Begriff „Einheitsgewerkschaft“ wird in der Regel dreierlei verstanden: Organisierung von Lohn- und Gehaltsabhängigen 1. verschiedener Berufe, aber derselben Branche in einer Industriegewerkschaft, 2. verschiedener Industriegewerkschaften in einem Dachverband, 3. von Mitgliedern unterschiedlicher (partei-) politischer Orientierung. Alle drei Charakteristika sind in Deutschland erst seit 1945 durchgesetzt, das dritte fast vollständig, während die beiden ersten gegenwärtig wieder zur Disposition stehen.

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Mörderisches Shoppen

Was steckt hinter edlen Labels und billiger Mode?

Gisela Burckhardt in Lunapark21 – Heft 30

Vor zwei Jahren stürzte das Rana Plaza, ein baufälliges Gebäude der Textilindustrie in Bangladesch, ein. Über 1130 Menschen, vor allem Arbeiterinnen, verloren dabei ihr Leben. Über 2400 wurden verletzt. Obwohl die Entrüstung groß war – auch in Europa –, hat sich für die Textilarbeiterinnen bis heute wenig verändert. Dem Entschädigungsfonds für die Opfer von Rana Plaza wird kaum Folge geleistet. Aktuell ist erst die Hälfte, nämlich 40 Millionen Dollar von den beteiligten Unternehmen eingezahlt worden. Viele Arbeiterinnen sind bis heute traumatisiert und an Leib und Leben versehrt. Die miserable Lebenssituation von Textilarbeiterinnen hat nicht zuletzt auch mit der Bekleidungsindustrie und dem Konsumverhalten in unseren Breitengraden zu tun.

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Aufbruch der Frauen – ausgebremst

70 Jahre Tag der Befreiung. (Wieder)Aufbau nach dem Zweiten Weltkrieg

Gisela Notz in Lunapark21 – Heft 30

Anlässlich des 70. Jahrestages nach Kriegsende häuften sich die Ausstellungen, Veranstaltungen und Gedenkfeiern. Die Bilanz des Zweiten Weltkrieges ist erschütternd: Über 60 Millionen Menschen starben, mehr als sechs Millionen europäische Juden, zehntausende Sinti und Roma, Menschen mit Behinderung, politisch Andersdenkende und Homosexuelle waren verfolgt und getötet worden. 17 Millionen Menschen waren verschollen, weite Teile Europas zerstört.

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